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Entsorgungsgesellschaft EGSt im Bioenergiepark plant Erweiterungen

Nachhaltige Entsorgung im Fokus

Saerbeck.

Mehr Kreislaufwirtschaft und eigene Weiterverwertung sowie weniger LKW-Transporte: die Entsorgungsgesellschaft EGSt setzt mit ihrem neuen Konzept beim Klärschlamm und beim Bioabfall nachhaltige Akzente. Auf dem Gelände des Bioenergieparks sollen 2023 ein Biomassekraftwerk, eine Klärschlammtrocknung und eine Gasaufbereitung errichtet werden. Ein wichtiges Ziel: sogenanntes grünes Erdgas herstellen. Made in Saerbeck.

Von Peter Sauer

Johannes Wermers, bei der EGSt für Kompostierung und Gasverwertung zuständig, erläutert die künftigen Pläne. Foto: Peter Sauer

Abfall ist viel mehr als einfach nur lästiger Müll. Deswegen hat die kreiseigene Entsorgungsgesellschaft EGSt in den kommenden Monaten viel vor.

Rund um den Wertstoffhof sollen drei neue Gebäude entstehen: Gasaufbereitung, Biomassekraftwerk und Klärschlammtrocknung.

Ökologische Win-win-Situation

Das Ziel ist klar umrissen: Mehr Kreislaufwirtschaft und produktive eigene Weiterverarbeitung, um eine größere Effizienz für alle Nutzer zu erzielen und langfristig auch für Klima und Umwelt. Eine ökologische Win-win-Situation also.

Der Status quo: Das Kompostwerk im Bioenergiepark ist seit 2014 in Betrieb. „Rund 45 000 Tonnen Bioabfälle im Jahr kommen aus den braunen Tonnen im Kreis Steinfurt an. Der im Bioenergiepark erstellte güteüberwachte Fertigkompost, 15 000 Tonnen im Jahr, geht zum Großteil in die Landwirtschaft und an die Erdenwerke im Gartenbau.

Die Luftaufnahme zeigt die Standorte der drei künftigen neuen Anlagen auf dem Gelände der EGST im Bioenergiepark Saerbeck. Foto: EGST

Wichtig ist es, den Bioabfall komplett zu nutzen, das heißt ihn nicht nur stofflich zu verwerten, sondern auch energetisch. Die Vergärung wird daher der Kompostierung vorgeschaltet, um aus Bioabfall dann Biogas (Methan) zu machen. „Biogas kann man nach der Entschwefelung in Gas-Motoren verwenden“, erläutert Johannes Wermers, der bei der EGSt für Kompostierung und Gasverwertung zuständig ist. „Biogas produziert auch gut Strom und Abwärme.“

Ende 2023 soll der Betrieb starten

Ab Anfang 2023 soll daher ein Biomassekraftwerk gegenüber des Wertstoffhofes errichtet werden, das bereits Ende 2023 starten soll. „Es wird betrieben mit Mittelkorn und unbehandeltem Altholz von den Wertstoffhöfen“, sagt Diplom-Geoökologin Beatrice Daal, die bei der EGSt für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Mit der Abwärme des kleinen Kraftwerks, das gut 6000 Tonnen an Brennstoffen pro Jahr benötigt, will die EGSt einen Klärschlammtrockner betreiben, der dann die Schlämme zahlreicher kommunaler Kläranlagen trocknet. Johannes Wermers erläutert den Vorteil: Die Schlämme können dann von 18 000 auf nur noch 5000 Tonnen reduziert werden – durch Verdampfen von Wasser.“ Die 18 000 Tonnen kommen dabei aus verschiedenen Orten des Kreises Steinfurt.

In der Gasaufbereitung soll dann Biogas für die Gaseinspeisung zu Biomethan aufbereitet werden, welches Erdgasqualität besitzt. Aus rund 45 000 Tonnen Bioabfällen entstehen rund 3,1 Millionen Kubikmeter Biogas. Daraus wiederum können rund sechs Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. „So könnten wir mit dem Biomethan 1500 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen“, rechnet Johannes Wermers beispielhaft vor.

Bei den winterlichen Temperaturen qualmt es auf dem Komposthaufen auf dem Wertstoffhof im Bioenergiepark. Foto: Peter Sauer

Die künftige neue Kreislaufwirtschaft soll auch die Anzahl der Lkw-Transporte reduzieren, „um rund 200 000 Kilometer im Jahr“, sagt Beatrice Daal. Holzbrennstoff wird in Brunsbüttel verwertet, der holzige nicht komplett abgebaute Anteil vom Heckenschnitt aus der Biotonne wird nach Lünen transportiert und der Klärschlamm bis hinter Köln in ein Braunkohlekraftwerk.

Neue Gasleitung wird benötigt

Um das gewonnene Biomethan dann schließlich ins Erdgasnetz speisen zu können, muss die zuständige Gelsenwasser AG noch eine neue, drei Kilometer lange Gasleitung durch die Bauerschaft Middendorf bauen.

Für alle genannten Projekte liegt das Gesamtinvestitionsvolumen bei 16,5 Millionen Euro, davon hat der Kreis Steinfurt bereits 12,5 Millionen bewilligt. „Wir rechnen für den Rest mit einer Fördersumme von vier Millionen Euro“, sagt Johannes Wermers, der sich schon sehr auf die Umsetzung des innovativen Konzeptes freut.

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