1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Kreis-Steinfurt
  6. >
  7. „Nordtangente würde Ort entlasten“

  8. >

Christian Ixmann hat Bachelorarbeit über die Klimakommune Saerbeck geschrieben

„Nordtangente würde Ort entlasten“

Saerbeck

Im Durchschnitt kommen 1,55 Autos auf jeden Saerbecker Haushalt. Diese Zahl nennt Christian Ixmann in seiner Bachelorarbeit. Auf 113 Seiten hat er die „Entwicklung einer zukunftsfähigen Mobilität für die Klimakommune Saerbeck“ erforscht. Er stellte besonders hohe Pendlerverpflechtungen fest, Defizite beim ÖPNV und er sieht in dem Bau der Nordtangente eine „wichtige Entschleunigung des Ortskerns“. Christian Ixmann wirbt für ein größeres Miteinander aller Verkehrsteilnehmer.

Von Peter Sauer

Zur „Entwicklung einer zukunftsfähigen Mobilität für die Klimakommune Saerbeck“ hat Christian Ixmann seine Bachelorarbeit geschrieben, die bereits im Bauausschuss und im Rat zur Sprache kam. Foto: Gemeinde Saerbeck

In seiner siegerländischen Heimat gibt es zahlreiche Berge. „Da überlegt man sich ganz genau, ob man das Auto oder das Fahrrad nimmt“, sagt Christian Ixmann. „In Saerbeck ist die Situation natürlich eine ganz andere.“

113-seitige Bachelorarbeit

Der 28-Jährige kennt sich aus. Am Ende seines Bachelorstudiums an der Fachhochschule Münster am Standort Steinfurt, Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt, hat er sich in seiner Bachelorarbeit konkret mit der „Entwicklung einer zukunftsfähigen Mobilität für die Klimakommune Saerbeck“ beschäftigt.

Seine 113-seitige Bachelorarbeit beinhaltet Aussagen zur Mobilität im Gesamten, der Situation in Saerbeck sowie eine Darstellung möglicher Maßnahmen zur Optimierung der Mobilität vor dem Hintergrund der Minimierung von Emissionen. Die Klimakommune hat der Ingenieur in einer Vorlesung bei Professor Dr-Ing. Christof Wetter kennengelernt. An seiner Bachelorarbeit hat er vier Monate gearbeitet.

„Das Auffälligste an Saerbeck ist der starke Durchgangsverkehr“, erläutert Christian Ixmann im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es gibt Pendlerströme in mittelgroße Zentren, wie Münster, Greven, Emsdetten und Rheine.“

Die gerade für Anwohner, aber auch für Pendler ungünstige Verkehrsführung kritisiert Christian Ixmann deutlich: „Man muß durch Saerbeck durchfahren, um an andere Ziele zu kommen.“

Nordtangente als Lösung

Die seit Jahren angekündigte und im Bundesverkehrsplan 2030 auch genannte Nordtangente hat bislang ja nur ein 300 Meter langes Teilstück zwischen der B 219 und der Riesenbecker Straße bekommen. Sie befindet sich noch im Linienbestimmungsverfahren, inklusive Protest zahlreicher anliegender Landwirte.

Für Christian Ixmann wäre die Nordtangente aber genau die richtige Lösung, um vor allem den Lkw-Verkehr aus der Ortsmitte herauszubekommen: „Die Nordtangente könnte den Verkehr im Zentrum von Saerbeck angenehm entschleunigen.“

Ausschnitt aus der Bachelorarbeit von Christian Ixmann Foto: Christian Ixmann

Die Situation der Bushaltestellen im Ort findet Ixmann sehr gut. „Sie sind eng verdichtet. Es gibt zahlreiche Zustiegsmöglichkeiten.“ Gut erschlossen ist für den Ingenieur auch die S50-Schnellbuslinie.

Negativ bewertet Ixmann die Fahrplanlücken des R61 (nach Greven) und R62 (nach Emsdetten) gerade an Wochenenden und Feiertagen. Unzureichend ist für ihn die ÖPNV-Situation in den Außenbereichen von Saerbeck, konkret in den Bauerschaften und Siedlungen. Was liegt genau im Argen? „Die Haltestellen liegen einfach viel zu weit weg von den Lebens- und Arbeitsbereichen der Menschen. Sehr schlecht sei die Situation vor allem in einem Außenbereich. „Der Bushaltestellen am Schulkamp sind nicht benutzerfreundlich. Da muss man schon 15 bis 20 Minuten laufen.“ Das dürfte gerade bei feuchtem, dunklem und kalten Wetter nicht angenehm sein. Für den Ingenieur ist der Fall klar: „Hier muss auf jeden Fall nachbessert werden.“

Tempo 30 im kompletten Ortskern

Um die Verkehrssicherheit im Ort zu verbessern schlägt der 28-Jährige mehr Zebra-Streifen oder Verkehrsinseln vor und eine allgemeine innerörtliche Temporeduzierung von 50 auf 30 Stundenkilometer, „und eben nicht nur an ausgewählten Stellen“. Auch sei die Kombination von Fuß- und Radwegen nicht immer vorteilhaft.

Um die Verknüpfung von Bus und Rad zu verbessern und den Umstieg vom Auto attraktiver zu gestalten, empfiehlt Christian Ixmann Modelle wie das „STmobil“, dass der Regionalverkehr Münsterland (RVM) mit einer mobilSTation und einem MobilAbo bislang schon für die Einwohner in Recke, Mettingen und Westerkappeln anbietet.

Christian Ixmann kommt gerne wieder

Fazit der Bachelorarbeit, die auch noch andere Punkte beleuchtet: Mit den genannten Mobilitätsvorschlägen könne die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer verwirklicht werden, sagt Christian Ixmann. Mittlerweile studiert der junge Ingenieur in Aachen, um an der RWTH seinen Masterstudium Umweltingenieurwissenschaften (Schwerpunkt Siedlungswasserwirtschaft) zu machen.

Der Klimakommune wird er aber, sofern es seine Zeit zulässt, bei nächster Gelegenheit wieder einen Besuch abstatten, denn sie fasziniert ihn. „Das Besondere an Saerbeck ist, wie die Bevölkerung mitzieht. Die Klimakommune versucht selbstständig etwas nachhaltig zu bewegen – mit bundesweit einmaligen Aktionen – und wartet nicht darauf, dass von Land, Bund oder EU etwas reguliert wird.“

Sehr gut findet Christian Ixmann auch die gesellschaftliche Teilhabe: „ Bürger engagieren sich für Bürger. Auch meine Eltern waren beim Besuch in Saerbeck total begeistert.“

Startseite
ANZEIGE