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Pfarrer Blaise Emebo in seine Heimat zurückgekehrt

Abschied mit gemischten Gefühlen

Nordwalde

Er hat viele Freunde gewonnen, Pfarrer Blaise Emebo. Doch in dieser Woche ging es wieder zurück nach Nigeria. in seine Heimat.

Von Vera Szybalskiund

In der vergangenen Woche war Pfarrer Blaise Emebo noch mit bei den Männerexerzitien, am Donnerstag ist er in seine Heimat Nigeria zurückgereist. Foto: Pfarrgemeinde St. Dionysius/Vera Szybalski

Pfarrer Blaise Emebo fallen nach und nach immer mehr ein: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pfarrgemeinde St. Dionysius natürlich, allen voran Pfarrer Ulrich Schulte Eistrup, Sekretärin, Küster, Organist, die Mitarbeiter aus dem St.-Augustinus-Altenzentrum nicht zu vergessen, und und und. Die Liste der Personen, die Emebo vermissen wird, ist lang. Am Donnerstag ist er ins Flugzeug zurück nach Nigeria gestiegen. Von Frankfurt aus ging es nach Lagos, von dort weiter nach Enugu, wo Emebo lebt und vor seiner Zeit in Nordwalde und künftig im Priesterseminar tätig ist.

Afrika

Zurücklassen musste er Menschen, die er nach den zwei Jahren Freunde nennt. Dabei habe er zu Beginn ein typisch westfälisches Phänomenen erlebt: Er sei freundlich aufgenommen worden, aber die Leute hätten ein bisschen gebraucht, um mit ihm warm zu werden. „Es brauchte Zeit, aber dann sind Freundschaften entstanden“, sagt Blaise Emebo. Allein an seinen letzten Tagen in Deutschland hat er noch mal viele Gemeindemitglieder gesehen. Er hat an den Männerexerzitien teilgenommen, hat die Wallfahrt nach Telgte mitgemacht und Abschied gefeiert: in der Kirche, aber auch im Altenzentrum.

Messdiener

Emebos Zeit in Nordwalde war durch Corona geprägt. „Es ist alles etwas durcheinander gelaufen“, sagt der 61-Jährige. Die Pandemie war auch der Grund dafür, dass er ein Jahr länger blieb als geplant. Keine Präsenzgottesdienste feiern zu können, besonders zu speziellen Anlässen wie Ostern, das sei schwer gewesen. Aber er har sich genau wie seine Kollegen angepasst: „Telefonisch ging viel, auch per Video“, sagt Emebo. „Das ist natürlich nicht zu vergleichen mit einem Präsenzgottesdienst.“

Schule

Klar, er habe sich gewünscht, dass noch mehr Veranstaltungen möglich gewesen wären. Dennoch hat er im Laufe der Zeit viele Gemeindemitglieder kennengelernt – von der Frauengemeinschaft über die Chöre und jungen Messdienerinnen und Messdiener bis zur Seniorengemeinschaft. „Für das Miteinander möchte ich mich bedanken“, sagt Blaise Emebo. Ob seine Art bei allen ankommt, das wusste er zu Beginn nicht. Wenn er dann später gehört hat, dass andere seine Witze wiederholen, hat ihn das gefreut oder dass sein Singen, erst auf seiner Muttersprache, dann übersetzt auf Deutsch, den Leuten gefällt.

Dankbar ist Emebo auch für die Spenden gewesen, die für eine Schule in Nigeria zusammengekommen sind. Die Kollekte war beispielsweise zuletzt noch mal dafür bestimmt, die Paramentengruppe hat Waren verkauft und den Erlös gespendet und Emebo hat auch eine größere Spende von einer Privatperson erhalten. Das Geld fließt in eine Schule in Nigeria, die in einem schlechten Zustand ist. „Für mich ist Bildung sehr wichtig“, sagt Emebo. Er bekomme häufiger Berichte aus der Heimat. Es sei schön zu sehen, wenn die Jugendlichen dann mit der Schule oder dem Studium fertig sein. Davon kann er sich nun auch wieder selbst ein Bild machen.

Spende

„Schade, dass Sie uns verlassen“, das hat Emebo in den Tagen vor seiner Abreise immer wieder gehört. Den Koffer musste er stets aufs Neue auf die Waage stellen, um zu prüfen, ob er nach dem Einpacken der weiteren Abschiedsgeschenke nicht zu schwer ist. „Es war eine schöne Zeit“, sagt Blaise Emebo im Rückblick. „Trotz Corona.“

Nordwalde verlässt er mit gemischten Gefühlen: „Auf der einen Seite bin ich froh, nach Hause zu fliegen. Auf der anderen Seite habe ich viele Freunde gefunden und es tut auch weh, diese Leute hier zurückzulassen.“ In Nigeria warten drei Brüder und deren Familien sowie weitere Verwandte. Seine einzige Schwester lebt als Ordensschwester in Amerika, ein weiterer Bruder in England. Die Nichten und Neffen in Nigeria würden schon fragen, wann er denn endlich wiederkomme, erzählt Emebo. In Enugu ist er erst mal wieder im Priesterseminar tätig. „Was dann kommt, wird der Bischof entscheiden.“

Eins ist klar: In Nordwalde hat Emebo nicht „Tschüss“ gesagt, sondern „Auf Wiedersehen“. Bei seiner Verabschiedung in der Kirche und dem anschließenden Empfang hat er das schon angebracht. In „Auf Wiedersehen“ stecke nun einmal die Hoffnung auf genau dieses Wiedersehen. „Ich komme mal wieder“, kündigt Emebo an. Es wird eine Rückkehr zu Freunden sein. „Nordwalde ist wie eine zweite Heimat geworden.“

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