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Plattdeutscher Nachmittag

Auf Weihnachten eingestimmt

Nordwalde

Es flackerten Kerzen, auf den Tischen lagen selbst gebackene Plätzchen und Glühwein gab es auch: In adventlicher Atmosphäre hat der Heimatverein seinen plattdeutschen Nachmittag in der Schäferei Reckfort veranstaltet. Es kamen so viele, dass noch zusätzliche Stühle geholt werden mussten.

Von Sigrid Terstegge

Unterhielten die Gäste beim Plattdeutschen Nachmittag des Heimatvereins (v.l.): Margret Bockholt, Agnes Drees, Gabriele Sackarendt und Christoph Wermelt. Foto: Sigrid Terstegge

Wer bisher noch nicht in Weihnachtsstimmung war, der ist es nach dem Besuch des Plattdeutschen Nachmittags garantiert. In den Corona-Jahren schmerzlich vermisst, hatte der Heimatverein am Mittwoch endlich wieder zu seiner adventlichen Veranstaltung in die Schäferei Reckfort einladen können. Kommen durfte jede und jeder. Und 50 Menschen machten gerne Gebrauch von der Einladung. Es mussten sogar noch zusätzlich Stühle geholt werden.

Margret Bockholt begrüßte alle Besucherinnen und Besucher und bedankte sich bei Familie Reckfort, dass sie ihre Deele in dem denkmalgeschützten Gräftenhof zur Verfügung stellte. Kerzen flackerten in Gläsern, Tannenzweige und Zapfen auf den Tischen dufteten mit den reichlich selbst gebackenen Plätzchen um die Wette. Der Glühwein in der kleinen Küche stand ebenfalls bereit.

Premiere für neue Liederbücher

Draußen wurde es langsam dunkel, während Christoph Wermelt und Gabriele Sackarendt mit Gitarre und Akkordeon das erste Adventslied anstimmten. „Wir sagen euch an, den lieben Advent“ klang es über die Deele. „Unsere neuen Liederbücher haben damit Premiere“, wies Bockholt auf die Texthilfen hin. „Advent, Advent – die Leute laufen und kaufen und es wird jeden Tag toller“, las Bockholt Gedanken zur Jahreszeit vor. Vielleicht wäre „Stopping statt Shopping“ sinnvoller. An Stelle von Zeug sollte man vielleicht besser Zeit verschenken. „Wir können vom Adventskranz lernen, dort brennen auch nicht alle vier Kerzen sofort“, betonte Bockholt.

Die Deele auf dem Gräftenhof der Familie Reckfort war am Mittwochnachmittag voll besetzt. Foto: Sigrid Terstegge

Eine Geschichte vom Bummel über den Weihnachtsmarkt in Münster folgte. Gespannt lauschten die Gäste, wie der Ehemann umzingelt von rund 1000 Frauen – „20 große Busse mit je 50 Frauen“ – sich nicht mit seiner Frau einig werden konnte, ob etwas Praktisches oder Spielzeug gekauft werden sollte für die Enkel.

Auch Agnes Drees las plattdeutsche Geschichten vor. So etwa die von dem kleinen Hirtenjungen, der zwar nach Bethlehem ging, um das Jesuskind zu sehen, aber kein Geschenk mitbringen konnte. Als er ankam, waren bis auf des Jesuskind alle im Stall eingeschlafen. Das Kindchen langweilte sich und hatte nichts zum Zeitvertreib. Aber der kleine Hirte hatte eine Idee. Er nahm den Daumen des Jesuskindes und steckte ihn in dessen Mund. „Seitdem nuckeln Kinder am Daumen, wenn sie Langeweile haben“, schloss Drees.

Ohne Strom, Computer oder Fernseher

Auf der Deele war es sehr ruhig während der Geschichten. Sehr gut konnte man sich vorstellen, wie früher die Bauersfamilie und das Gesinde abends am Herdfeuer zusammengesessen haben und die dunkle Zeit mit Geschichten, Stricken, Flicken oder Löffel schnitzen verbracht haben. Ganz ohne Strom, Computer oder Fernseher.

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