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Cactus-Theater thematisiert unterhaltsam Aspekte des Nord-Süd-Dialoges

Aufbruch in eine neue Zeit?

Nordwalde

Es ging um Partnerschaft, Zugehörigkeit, Geschichte und Gegenwart: Gifty Wiafe und ihr Schauspielerkollege Emmanuel Edoror haben das Projekt „Be-Longing“ im Zuge der Fairen Woche auf die Bühne in der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule gebracht.

Von Rainer Nixund

Mit ausdrucksstarker Mimik und zum Teil provokanten Dialogen machen Gifty Wiafe (l.) und Emmanuel Edoror auf Probleme im Nord-Süd-Dialog aufmerksam. Foto: Rainer Nix

Es ist eine Welt der Schwarz-weiß-Gegensätze, muss das so sein? Ja, gemeint ist die Hautfarbe. Klingt nicht bereits die Sprache rassistisch? Es gibt die „weiße Weste“, doch auf der anderen Seite den „Schwarzarbeiter“, das „schwarze Loch“ oder gar den „schwarzen Tod“. Satirisch aufbereitet, provokant aber hin und wieder auch humorvoll inszeniert das „Cactus Junges Theater“ aus Münster sein Projekt „Be-Longing“. Das Stück über Partnerschaft, Zugehörigkeit, Geschichte und Gegenwart brachten am Dienstagabend Gifty Wiafe und ihr Schauspielerkollege Emmanuel Edoror auf die Bühne in der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule. Eingeladen hatte im Zuge der Fairen Woche der Freundeskreis Ghana der Pfarrgemeinde St. Dionysius.

Mit ausdrucksstarker Mimik, teils faszinierender, teils schockierender Choreographie machten die beiden Darsteller das Nord-Süd-Gefälle auf dem Globus deutlich. Wilde Tänze, Gesichter voller Zorn und Schmerz, aber auch humorvolle Dialoge signalisieren, dass hier einiges im Argen liegt. Afrika, der von Industrienationen ausgebeutete Kontinent, braucht ein neues Selbstbewusstsein. Klischees werden in Frage gestellt: „Nicht jeder in Europa ist reich, nicht jeder in Afrika ist arm.“ Markige Sätze geben zu denken: „Partnerschaft ist etwas, das zwischen Menschen passiert, wenn sie sich ehrlich füreinander interessieren.“

Das Publikum erfährt von „Cape-Coast-Castle“, einer der bekanntesten Sklavenfestungen Westafrikas. Sie war in früheren Zeiten ein Zentrum des transatlantischen Sklavenhandels. Die Schilderungen der Entmenschlichung Schwarzer machen betroffen. Heute ist Cape-Coast in Ghana eine Touristenattraktion. Selfies in Kerkern, in denen Menschen nach grausamen Qualen starben, der Verkauf von Souvenirs an Besucher – das ist die heutige Realität. Beeinflusst Geschichte die Gegenwart, was empfinden Touristen an diesem schrecklichen Ort? Fragen, die sich oft nicht zufriedenstellend beantworten lassen.

Edoror spielt unter anderem einen jungen Afrikaner, der Neues entdecken will und sein Dorf verlässt. Bald wird er zu einem geschickten Händler. Zunächst verkauft er Textilien, schließlich Uhren. Der Junge aus dem Dorf entwickelt sich schnell und erkennt, dass er Uhren auch bauen kann. Produkte „Made in Afrika“ haben es schwer, doch es ist der Gegenentwurf zur gängigen Praxis, den Kontinent ausschließlich als Rohstofflieferanten auszunutzen. Das Selbstbewusstsein wächst: „Ich glaube fest, dass es möglich ist, in meinem Land etwas zu machen, das die Welt bereichern kann.“

Schauspielerin Gifty Wiafe stellt provokativ die Frage in den Raum: „Können wir jungen Afrikaner unser Afrika neu erfinden?“ Es muss möglich sein, in echter Partnerschaft mit Industrienationen ein neues Zeitalter einzuläuten, ist eine der zentralen Botschaften, die sich aus der Handlung des Theaterstücks herausfiltern lassen. Ein Appell, Berührungsängste aufzugeben und kreativ zu werden.

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