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Hochwasserschutz

Breiter Bach für trockene Keller

Nordwalde

Der Holzschnitt ist vollbracht. Doch die weiteren Arbeiten zur Aufweitung des Brüggemannsbachs müssen warten. Sonst protestiert die Teichmuschel.

Pjer Biederstädt

Auf dem Areal unweit des Pumpwerks ist früher bereits eine Aufweitung entstanden. Dort, wo der Baum liegt, wird es künftig weitere Ausweichflächen für das Wasser geben. Foto: Pjer Biederstädt

Die ersten Anzeichen sind nicht zu übersehen. Entlang des Brüggemannsbachs liegen gefällte Bäume und Sträucher. Sie sind die Vorboten für die umfassenden Aufweitungen am Gewässerlauf. Es ist eine der größten Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser in Nordwalde. Doch bei den nun begonnenen Arbeiten gibt es vieles zu beachten – zum Beispiel, dass auch Muscheln Rechte haben.

Die gute Nachricht vorab: Beißen wird die Teichmuschel nicht, wenn man ihre Ruhephasen missachtet. Sie hat an ihrem Verschluss nämlich keine Zähne, daher ihr wissenschaftlicher Name: „die Unbezahnte“. Sie residiert aber im Brüggemannsbach oberhalb der Hilgenbrinker Straße und steht unter Naturschutz. Deshalb nimmt die Gemeindeverwaltung natürlich Rücksicht auf den seltenen Bewohner. „In dem Bereich dürfen wir nur im September und Oktober tätig werden“, bestätigt Claus Ufermann von der Gemeindeverwaltung.

Bagger kommen erst im Sommer

Die Aufweitung entlang des Baches ist eines der größten Vorhaben aus dem Maßnahmenkatalog zum Schutz vor Hochwasser nach Starkregenereignissen. Die Kosten betragen 495 000 Euro, allerdings gibt es Fördergelder der Bezirksregierung in Höhe von 325 000 Euro. Unklar ist, ob der Radweg entlang des Baches gebaut wird. Die politischen Parteien waren bei der Haushaltsverabschiedung im Dezember uneinig. Fakt ist, dass der Weg nicht gefördert werden würde. Veranschlagt sind die Kosten laut Ufermann mit 132 000 Euro.

Wichtiger als der Weg neben dem Bach ist ohnehin, was direkt am Bach geschieht. „Durch die Aufweitungen können hier erhebliche Wassermengen Platz finden“, erklärt Ufermann. Das entlaste bei Starkregen nicht nur Nordwalde, sondern schütze auch Emsdetten, weil das Wasser nicht in einer Welle Richtung Ems fließe. Damit das Vorhaben anlaufen kann, musste jetzt schon das Gehölz geschnitten werden. „Das darf man nur bis zum 28. Februar tun“, erklärt Ufermann die Eile. Die Baggerarbeiten fangen jedoch erst nach dem Sommer an. Nicht nur Holzschnittperioden und Teichmuschel-Schonfristen müssen eingehalten werden, auch die brütenden Vögel dürfen nicht gestört werden – und zwar von Anfang März bis Ende August. „Die ökologischen Aspekte müssen bei der Planung solcher Maßnahmen natürlich berücksichtigt werden. Und das ist ja auch richtig so“, sagt Ufermann, der in diesem Fall explizit die gute Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung hervorhebt. „Vom Einreichen des Antrags bis zur Genehmigung sind keine vier Wochen vergangen.“

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