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Seniorenchor besteht seit zehn Jahren

„Das macht einfach Spaß“

Nordwalde

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an.” Das hat Udo Jürgens einst gesungen und vor Kurzem auch der Nordwalder Seniorenchor. Das Lied scheint wie gemacht für den Chor, in dem alle Sänger älter als 69 Jahre sind. Der Chor ist noch nicht ganz so alt, er feiert jetzt sein zehnjähriges Bestehen.

Vera Szybalski

Der Seniorenchor probt ein Lied aus dem Chorbuch „Unsere Quelle bist du“ des Pueri-Cantores-Festivals. Foto: Vera Szybalski

Es ist Dienstagvormittag, die Sänger sitzen in zwei Stuhlreihen im Saal des St.-Augustinus-Altenzentrums. Vor ihnen am Klavier hat Thorsten Schlepphorst Platz genommen, der Leiter des Seniorenchores, der hier übt. Die Probe hat gerade erst begonnen, Schlepphorst macht mit den Sängern noch lockere Einsingübungen. „Lachen“, fordert er die Sänger auf. „Bitte lachen und lächeln.“ Dem Chorleiter kommt es nicht auf das möglichst freundliche Aussehen der Sänger an. Die Aufforderung gehört zu der Aufwärmübung.

18 Sänger sitzen an diesem Dienstag vor Schlepphorst, sie sind alle älter als 60 Jahre. Das jüngste Mitglied ist 69 Jahre, das älteste 87 Jahre alt, ein Seniorenchor eben. Seit zehn Jahren besteht dieser in Nordwalde. Schlepphorst hat ihn damals selbst gegründet. Ein paar Sänger aus dem Kirchenchor haben sich sofort angeschlossen, sie sind von Beginn an dabei, andere gehören erst seit wenigen Monaten dazu. Was sie alle eint: Sie haben Spaß am Singen in diesem Chor.

Singen soll Freude machen, Erfolgsdruck gibt es nicht

Marlies Beer hat früher im Frauenchor gesungen, heute ist sie eine von insgesamt 20 Mitgliedern des Seniorenchores. „Das ist eine schöne Gemeinschaft. Das macht einfach Spaß“, sagt sie. „Es ist kein Stress dabei. Wir haben nicht den Anspruch, alles Hundertprozentig zu machen. Es kann auch mal was daneben gehen, das ärgert mich nicht.“ Es scheint eines der Merkmale des Seniorenchores zu sein: Das gemeinsame Singen soll in erster Linie allen Beteiligen Freude machen, ohne Erfolgsdruck.

Die Probe am Dienstagmorgen zeigt das. Die Chormitglieder brauchen ein paar Anläufe, bis jeder weiß, auf welcher Seite des Chorbuchs ihr Part des Liedes beginnt. Nach einigen Versuchen ertönt das Lied. „Wenn alle wissen, wo wir sind, klappt es“, sagt Thorsten Schlepphorst. Die Sänger wissen, was sie an ihrem Chorleiter haben. „Wenn er nicht so viel Geduld und Toleranz hätte, wären wir nicht so weit gekommen“, sagt Walburga Essmann.

Marlies Beer

Junge Sänger lernen schneller als ältere, auch das war ein Grund dafür, dass sich Schlepphorst vor zehn Jahren entschloss, den Seniorenchor zu gründen: „Das hat auch mit Leistungsfähigkeit zu tun.“ Er wollte sich mehr Zeit nehmen können, das richtige Repertoire für die Sänger aussuchen. Das ist ein entscheidender Grund dafür, ob ein Chor gut klingt, davon ist Schlepphorst überzeugt: „Die eigentliche Herausforderung für den Dirigenten ist, die Musik zu finden, die zu dem Chor passt.“

Das Repertoire des Seniorenchores ist gemischt, er singt sowohl Volkslieder als auch Kirchenmusik. Vier bis fünf Mal im Jahr ist der Chor zu Besuch in der Gangolfschule, um abwechselnd, aber auch gemeinsam mit den Schülern zu singen. Dabei sangen sie zuletzt gemeinsam den Udo-Jürgens-Klassiker „Mit 66 Jahren“. Es scheint wie gemacht für den Seniorenchor. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran“, heißt es in dem Lied.

Alles andere als unterbeschäftigt

Eine Altersgrenze gibt es im Chor übrigens nicht. „Wer kommen möchte, kann mitsingen“, sagt Schlepphorst. Der Seniorenchor war eine seiner Reaktionen darauf, dass „Kirchenchöre ein Auslaufmodell“ sind, erklärt der Chorleiter. Er arbeitet mittlerweile gerne mit Projektchören, bei denen sich die Sänger nur für eine gewisse Zeit verpflichten. Beim Seniorenchor ist das etwas anderes. Er probt auch nicht abends, sondern vormittags. „Manche möchten abends nicht mehr raus, wenn es dunkel ist“, sagt Schlepphorst. Da bietet sich die Probenzeit an.

Reinhard Bulk gehört zu den Neulingen im Seniorenchor, er ist erst seit ein paar Monaten dabei: „Ich habe es nicht bereut, zu kommen. Ich fühle mich gut aufgehoben und das Dirigat von Thorsten ist einfach wohltuend.“ Nur weil der Spaß im Vordergrund steht, heißt das aber nicht, dass der Seniorenchor selten auftritt. Im Gegenteil: „Das ist der am meisten beschäftigte Chor“, sagt Schlepphorst. Am morgigen Sonntag (30. Juli) tritt er wieder auf, beim Tag der Kirchenmusik. Es gibt schließlich Grund zum Feiern: Der Chor wird zehn Jahre alt.

Der Seniorenchor Foto: Vera Szybalski
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