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Andrea Beenen übernimmt als Ehrenamtliche den Begräbnisdienst in Nordwalde

„Den Tod mehr ins Leben holen“

Nordwalde

Kann ich das? Diese Frage hat Andrea Beenen lange umgetrieben. Heute, nach Ende der Ausbildung, glaubt die 52-Jährige zu wissen, dass Gott ihr diese Aufgabe zutraut. Und so nimmt die vierfache Mutter am letzten Juni-Sonntag ihre Beauftragung als Ehrenamtliche im Trauer- und Begräbnisdienst für die Nordwalder Pfarrei St. Dionysius offiziell entgegen, so die Bischöfliche Pressestelle.

wn

Diplom-Sozialpädagogin Andrea Beenen wird am 30. Juni als Ehrenamtliche für den Trauer- und Begräbnisdienst in der Nordwalder Pfarrei St. Dionysius beauftragt. Foto: nn

Als Pfarrer Ulrich Schulte Eistrup vor einiger Zeit vor der Haustür stand, um die Diplom-Sozialpädagogin zu fragen, ob sie sich eine Ausbildung für den Dienst vorstellen könne, da war Andrea Beenen für den Moment mit einer Antwort überfordert: „Ich wusste damals nicht einmal, dass es diese Ausbildung gibt.“

Allerdings beschäftigte sich die Nordwalderin schon länger mit den Themen Sterben, Abschied, Tod und Trauer: „Ich engagiere mich im ambulanten Hospizdienst ,Königskinder‘ in Münster und begleite eine Familie, deren Kind an einer lebensverkürzenden Krankheit leidet.“ Daher wusste Andrea Beenen, wie schwer solche Situationen auszuhalten sein können, aber auch, wie wichtig und guttuend sensibles Verhalten ist.

Ehemann Bernd hat ihr Mut gemacht, die Ausbildung zu beginnen. Und auch die vier Kinder – zwischen 21 und zehn Jahren – unterstützten die Mutter.

Die meisten liturgischen Inhalte waren Andrea Beenen nicht fremd. In der Pfarrei ist sie seit Ewigkeiten aktiv, hat die Kinderbibeltage mitorganisiert, war Katechetin in der Kommunion- und ist dies heute noch in der Firmvorbereitung: „Trotzdem habe ich einiges neu erfahren und für mich entdeckt.“ Gerade die Elemente der Beerdigungsliturgie sind ihr bewusster geworden: „Es ist ein Unterschied, ob ich als Angehöriger oder Freund bei einer Beerdigung bin oder als Seelsorger.“

Wichtig ist Andrea Beenen, dass bei Trauerfeiern auch Kirchenferne etwas spüren von der christlichen Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist. „Wir müssen den Tod mehr ins Leben holen“, sagt sie und verbindet damit den Wunsch, anderen die Angst vor dem Sterben zu nehmen.

Die Nordwalderin hat sich vorgenommen, Zeit zu haben, für die Angehörigen, Zeit zum Zuhören. „Ich kann ihnen den Schmerz nicht nehmen, aber ich kann da sein, wenn ich gebraucht werde.“ Auch über die Beerdigung hinaus. Schnell könne es im Alltag passieren, dass Menschen einsam sind oder niemanden haben, mit dem sie über ihre Trauer sprechen können.

Immer die richtigen Worte zu finden, davor hat die Ehrenamtliche Respekt. Genauso wie sie Herzklopfen vor ihrer ersten eigenverantwortlichen Beerdigung haben wird. Um zu lernen, hat sie Pfarrer Schulte Eistrup in den vergangenen Monaten oft bei Trauerfeiern begleitet und ihm über die Schulter geschaut.

Zusammen mit 15 weiteren Frauen und Männern aus dem Bistum Münster hat Andrea Beenen die Ausbildung für den Trauer- und Begräbnisdienst gemacht. Neben dem theologischen Grundwissen, das ihnen vermittelt wurde, haben die Ehrenamtlichen Trauergespräche und Grabreden geübt. „Jede Situation ist anders“, weiß die Nordwalderin. Es gibt tragische Sterbefälle – und solche, bei denen der Tod eine Erlösung ist.

Kraft für diese und andere Aufgaben holt sich die 52-Jährige in der Natur – gerne beim Joggen: „Dabei bin ich nicht selten im Zwiegespräch mit Gott.“ Ohne ihren festen Glauben, ist sie überzeugt, könnte sie das alles nicht.

Seit 2015 gibt es im Bistum Münster die Möglichkeit, Ehrenamtliche im Trauer- und Begräbnisdienst einzusetzen.

Unter Federführung von Gudrun Meiwes wurden bislang 41 Personen für diese Aufgabe geschult. Zu den Inhalten zählen liturgische Kenntnisse ebenso wie Rhetorik und Psychologiekenntnisse. Ein vierter Kurs soll demnächst starten.

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