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Jupiter Jones-Sänger zu Gast in Nordwalde

Ein Abend mit Nicholas Müller und dem Tod

Nordwalde

Der Tod ist eine bescheuerte Geschichte, findet Nicholas Müller. Der Sänger der Band Jupiter Jones hat dennoch genau dieses Thema für sein Programm gewählt. Es darf an einem solchen Abend auch gelacht werden. Denn: Wenn es um den Tod geht, geht es auch immer um das Leben.

Von Vera Szybalski

Nicholas Müller, Sänger von Jupiter Jones, in der Christuskirche Nordwalde Foto: Vera Szybalski

Kommen ein Arzt, ein Bestatter und eine Pfarrerin in eine Bar... Was wie der Anfang eines Witzes klingt, spielt sich fast so am Samstagabend in Nordwalde ab. Nur, dass die Drei nicht an einer Theke, sondern auf einer Couch in der Christuskirche Platz nehmen. Der Hauptprotagonist des Abends ist aber ein anderer: Nicholas Müller, der als Sänger, Geschichtenvorleser, Interviewer und Erzähler den Abend füllt. Neben Müller im Mittelpunkt: der Tod. Denn um das Thema dreht sich die Veranstaltung der evangelischen Kirchengemeinde Nordwalde-Altenberge am Vortag des Totensonntags, die mit „Zum Sterben zu viel – ein Abend mit dem Tod (und Nicholas Müller)“ überschrieben ist.

Es ist nicht der erste Ausflug des Jupiter-Jones-Frontmanns nach Nordwalde, was er mit den Worten „Ich bin schon wieder in Nordwalde, irgendwie wird das der Hotspot“ kommentiert. Vor zwei Jahren sprach er auf einer Bühne vor der Christuskirche bereits über seinen Glauben, Hoffnung, aber auch seine Angststörung. Als Interviewer saß ihm damals Dr. Jochen Veit gegenüber und damit jemand, den Nicholas Müller auch als Arzt gut kennt. Eine Begegnung der beiden gab dem langjährigen Wahl-Münsteraner den Impuls für sein Programm zum Tod. Mit der Rückkehr nach Nordwalde schließt sich damit für ihn ein Kreis.

Es ist keine leichte Kost, der sich Müller gewidmet hat. Das sagt er selbst: „Am Ende ist es ein durchaus schwieriges Thema, der Tod, weil doch viele Angst davor haben.“ Und trotzdem ist es ein Abend, an dem gelacht wird. Das liegt an dem Entertainer, der zu Beginn gleich mal ankündigt, dass er viel fluchen werde. Und der demonstriert, wie gut er mit Worten umgehen kann.

Angst vor dem Tod

Das ist zu hören, wenn er eine eigens für die Veranstaltung geschriebene Kurzgeschichte vorträgt, in der er sowohl über den Raketeneinschlag in Polen, Panikmache im Zusammenhang mit dem Krieg und die Konsequenzen eines atomaren Anschlags als auch die Flucht aus dieser Welt spricht. „Dann will ich nicht mehr, dabei würde ich so gerne alt werden. Ich würde gerne ewig leben“, sagt Müller. „Bloß nicht sterben, was auch immer das bedeutet.“

Nicholas Müller singt mehrere Lieder in Nordwalde, sowohl ältere als neue vom kommenden Jupiter-Jones-Album. Foto: Vera Szybalski

Über die Angst vor dem Tod, den Sterbeprozess, das „Danach“ und neue Formen der Bestattung tauscht sich der Sänger in seiner zwischenzeitlichen Funktion als Interviewer dann mit Arzt Dr. Jochen Veit und Pfarrerin Janine Hühne aus. Später gesellt sich Bestatter Stephan Bovermann zu den beiden auf die Couch.

Nicholas Müller in seiner Rolle als Interviewer von Arzt Dr. Jochen Veit (v.l.), Bestatter Stephan Bovermann und Pfarrerin Janine Hühne. Foto: Vera Szybalski

Nicholas Müller selbst wechselt an dem Abend immer wieder seinen Platz: Als Interviewer sitzt er im Sessel, von der Kanzel aus liest er seine Kurzgeschichte vor, mit seiner Gitarre in der Hand tritt er zwischendurch aber auch immer wieder vor das Mikrofon, um zu singen, mal auf Englisch, mal auf Deutsch. Wahrscheinlich eines der bekanntesten Lieder, das er geschrieben hat, fehlt an dem Abend auch nicht, schließlich passt es genau zum Thema: „Still“. Ein Song, den er nach dem Tod seiner Mutter geschrieben und der auch viele andere Menschen in einer Trauersituation begleitet hat: Das Lied war mal in den Top Ten der Bestattungslieder, erzählt Müller.

Leben geht nicht ohne

Bevor der 41-Jährige den Abend, an dem er „zwei Stunden einen vom Pferd erzählt“ hat, mit einem Lied als Zugabe beendet, liest er noch eine Geschichte vor, die er vor einiger Zeit für ein Buch geschrieben hat. In „Mein Freund Eiche“ geht es natürlich um den Tod, aber auch um (ein bewegtes) Leben. Schließlich geht das eine nicht ohne das andere.

„Was ist der Tod eigentlich für eine bescheuerte Geschichte?“, fragt Nicholas Müller an einer Stelle. Denn der Sänger mag es zu leben: „Nicht, weil mein Leben so ein großer Luxus wäre. Ich finde es einfach nur schön, hier zu sein.“

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