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Die Folgen der Stiko-Empfehlung für Hausärzte

„Es ist wieder Chaos“

Nordwalde

Es ist wie immer, wenn eine neue Information zu den Corona-Impfstoffen veröffentlicht wird: In den Hausarztpraxen häufen sich die Nachfragen. Für Ärzte wie Dr. Jochen Veit bedeutet das: „Wir gleichen ständig Unsicherheiten aus.“ Und die Stiko-Empfehlung für die Kreuzimpfungen in die Praxis umzusetzen, ist auch nicht ganz so einfach.

Die Stiko rät: Wer als Erstdosis AstraZeneca erhalten hat, soll als zweites einen mRNA-Impfstoff wie Biontech bekommen. Foto: picture alliance

AstraZeneca nur für jüngere Menschen, dann doch nur für ältere, ein Abstand von zwölf Wochen zwischen erster und zweiter Impfung bei AstraZeneca, dann sind vier Wochen auch okay, Jüngere sollen Biontech bekommen, dann wird bei jungen Männern vor Herzmuskelentzündungen gewarnt: In den vergangenen Monaten gab es immer neue Informationen zu den Corona-Impfstoffen, die bei einigen Patientinnen und Patienten für Verunsicherung gesorgt – und den Hausärztinnen sowie Hausärzten die Arbeit nicht einfacher gemacht haben.

Das Problem sei, dass sie seit Ostern immer wieder damit umgehen müssen, was an Pressemeldungen und Empfehlungen neu herauskomme, sagt Dr. Jochen Veit, der mit Frank Emschermann eine Praxis an der Bahnhofstraße betreibt: „Wir müssen immer flexibel reagieren.“ Und: „Wir gleichen ständig Unsicherheiten aus.“ Das war in den vergangenen Tagen nicht anders. Am Donnerstag hat die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Impfempfehlung angepasst: Wer als Erstdosis AstraZeneca erhalten hat, soll als zweite Spitze einen mRNA-Impfstoff wie Biontech oder Moderna bekommen.

„Vollstes Verständnis“ für Nachfragen

Die Zahl der Anrufe, Nachfragen und Gespräche ist seit Beginn der Impfaktion in den Hausarztpraxen ohnehin schon hoch. Jetzt tauchten neue Fragen auf: Was mache ich, wenn ich keinen Biontech-Impfstoff mehr bekomme? Wenn ich schon einen Termin für die zweite Dosis AstraZeneca habe, sollte ich den wahrnehmen? Was passiert, wenn ich schon zwei Mal mit AstraZeneca geimpft worden bin? Er habe „vollstes Verständnis“ für die Nachfragen, sagt Dr. Jochen Veit. Zur Wahrheit gehört aber auch: Der normale Praxisalltag ist dadurch seit März gestört.

Jetzt müssen die beiden Hausärzte und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder mit einer neuen Situation umgehen. Die neuste Empfehlung der Stiko hält Veit für „richtig und wichtig und gut“. Er sagt auch: „Ich verstehe jeden Patienten, dass er vom Prinzip her den bestmöglichen Impfstoff haben möchte.“ Ganz so einfach ist das in der Praxis aber nicht. „Unsere Helferinnen führen Listen.“ Nach denen wird dann der Impfstoff bestellt. „Es ist doof, wenn wir auf dem zweiten Impfstoff sitzen bleiben, weil jemand einen anderen wünscht“, sagt Veit. „Es ist wieder Chaos.“

Intervall nicht bis November verlängern

Dr. Jochen Veit rät allen Patienten: „Wenn sie nicht die Möglichkeit haben, die zweite Impfung mit einem mRNA-Impstoff zu bekommen, sollten sie sich mit dem ursprünglich geplanten Impfstoff impfen lassen und gegebenenfalls dann noch mal auffrischen.“ Ohne Ersatz auf die zweite AstraZeneca-Dosis zu verzichten, empfiehlt Veit nicht: „Ich würde das Intervall nicht bis November oder Dezember verlängern.“

Die Praxis hat auf die veränderte Lage schon reagiert: „Wir bestellen weniger AstraZeneca nach und versuchen mehr Biontech zu bekommen.“ Grundsätzlich gibt es aber auch gute Nachrichten: „Wir haben letzte Woche die Situation erreicht, dass es schwieriger wird, Patienten für eine erste Impfung zu finden“, sagt Veit. Einige seien durch Betriebsärzte versorgt worden oder haben ihre Spritze im Impfzentrum bekommen. Wer jetzt in der Praxis von Frank Emschermann und Dr. Jochen Veit geimpft wird, erhält nicht selten schon seine zweite Impfung.

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