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Nordwalder soll Handel mit illegalen Zigaretten betrieben haben

„Kleiner Putin“ in großen Mengen

Nordwalde/Bielefeld

Wegen des illegalen Handelns mit Zigaretten steht ein 36-jähriger Mann aus Nordwalde nun vor Gericht. Zusammen mit einem weiteren Mann muss er sich vor dem Landgericht in Bielefeld verantworten. Es soll ein Steuerschaden von mehr als 600.000 Euro entstanden sein.

Von Ulrich Pfaff

Vor dem Landgericht in Bielefeld muss sich ein Nordwalder verantworten.

Beißender Sarkasmus findet sich gerne auch in kriminellen Kreisen und macht nicht vor prominenten Personen halt. „Little Putin“, kleiner Putin, lautete der Tarnname für illegale Zigaretten eines großen Netzwerks von Schmugglern. Zwei Männer, die dem Geflecht mutmaßlich angehört haben, standen jetzt in Bielefeld vor Gericht. Einer von ihnen kommt aus Nordwalde.

Die Ähnlichkeit auf der Zigarettenschachtel ist frappierend: Das Foto eines kleinen Jungen, garniert mit einem Warnhinweis in englischer Sprache, scheint tatsächlich einen „kleinen Putin“ darzustellen – der angeblich als Raucherkind stärker gefährdet ist, dem Tabakgenuss zu verfallen. Das könnte man wahrscheinlich noch eher für bare Münze nehmen als die angebliche Herkunft der Glimmstängel: Denn wo Marlboro drauf stand, war mitnichten Marlboro drin – sondern illegal hergestellte Zigaretten in gefälschten Markenverpackungen.

20.300 Stangen Zigaretten

Zwischen Mai 2020 und Januar 2022 soll der 36-jährige Angeklagte aus Nordwalde mit unversteuerten und unverzollten Zigaretten gehandelt haben, und muss sich dafür seit Dienstag vor der 9. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verantworten. Die Anklage legt ihm zur Last, innerhalb dieses Zeitraums in insgesamt 36 Fällen zusammengerechnet etwa 20.300 Stangen Zigaretten umgeschlagen zu haben – mit einem Steuerschaden von mehr als 600.000 Euro.

Um seine Geschäfte mit den Schwarz-Zigaretten unentdeckt abzuwickeln, soll der Angeklagte sein eigenes Wohnhaus sowie eine Halle in Horstmar und eine weitere Lagerstätte in Steinfurt benutzt haben. Zudem soll er 570 Flaschen Wodka und 6000 Dosen Coca-Cola verkauft haben – die zwar nicht illegal hergestellt worden waren, aber geklaut.

Zollfahndung

Ermittlerinnen und Ermittler des Zollfahndungsamts Hannover vollstreckten Ende Januar 2022 den Haftbefehl gegen den 36-Jährigen wegen Verdachts der gewerbsmäßigen Steuerhehlerei im Zusammenhang mit dem Handel unversteuerter Zigaretten. Im Rahmen der Durchsuchungsmaßnahmen in Nordwalde wurden rund 100.000 unversteuerte Zigaretten sichergestellt.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gibt es Querverbindungen des Nordwalders und seines Mitangeklagten in diesem Prozess, eines 41-Jährigen aus Bad Oeynhausen, zu einem bereits seit Mai in Bielefeld am Landgericht laufenden Verfahren gegen drei Personen, denen Handel mit illegalen Zigaretten in einer Menge von insgesamt 23,5 Millionen Stück vorgeworfen wird.

6000 Dosen Coca Cola

Bei dem Zugriff des Zollfahndungsamtes Hannover Ende Januar gegen beide Angeklagte wurden zwei Fahrzeuge im Wert von mindestens 30.000 Euro, 7000 Euro Bargeld, ein Sparbuch mit einem Guthaben von 5000 Euro sowie Goldschmuck zur Vermögensabschöpfung gesichert. Der 36-Jährige soll dabei einen wertvollen BMW-Youngtimner der 8er-Reihe eingebüßt haben.

Zum Prozessauftakt wurde lediglich die umfangreiche Anklageschrift verlesen. Beide Verteidiger ließen durchblicken, dass ihre Mandanten bereit seien, an einem der folgenden Prozesstage ein umfassendes Geständnis abzulegen.

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