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Nur 40 Kilometer bis Emsbüren

Angst vor der Schweinepest: Tierarzt betritt Stall nur in hofeigener Kleidung

Nordwalde

Michael Dirting hat zwar noch keine schlaflosen Nächte, doch ganz wohl ist im nicht, wenn er an die Afrikanische Schweinepest denkt.

Von Bettina Laerbusch

Um die 40 Kilo wiegen die Ferkel auf dem Bild, die der Nordwalder Landwirt Michael Dirting mästet. Seine Ställe hat er schon lange eingezäunt, um das Risiko, dass das Schweinepestvirus eingeschleppt wird, zu reduzieren. Foto: Privat

Nein, sagt Michael Dirting, schlaflose Nächste habe er nicht. „Man muss cool bleiben – es bringt ja nichts. Aber klar macht man sich Sorgen“, fügt der Schweinemäster und zweite Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Nordwalde hinzu. Nur 40 Kilometer sei Nordwalde von Emsbüren entfernt, von jenem Ort also, in dem jetzt die Afrikanische Schweinepest (ASP) in einem Betrieb ausgebrochen ist.

Es handele sich um einen Ferkelaufzuchtbetrieb, weiß Dirting. Der Hof seines Schwagers sei ganz in der Nähe, der habe noch größere Sorgen als er. Alle Bauern, die von dem betroffenen Aufzuchtbetrieb in Emsbüren Ferkel bezogen haben, müssten ihren gesamten Bestand wohl keulen. „Die Kollegen tun einem leid“, sagt der 42-Jährige. Ruhig sagt er es, nachdenklich, mitfühlend und wohl auch wissend, dass es jeden erwischen kann.

Vorsorglich gekeult

Das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Hannover hat derweil am Dienstag mitgeteilt, dass ein einem Kontaktbetrieb des Hofs in Emsbüren – in Freren – mit zirka 1800 Mastschweinen das Virus nicht festgestellt worden sei.

Aufatmen also? Mitnichten! Der Betrieb in Freren habe zuletzt Ferkel von dem betroffenen Hof in Emsbüren bekommen. Entsprechende Stichproben des Tierbestands aus Freren seien vom Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit untersucht worden. Die Befunde der Proben seien negativ. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast wird mit den Worten zitiert: „Das lässt uns hoffen, dass wir es in Emsbüren mit einem Einzelfall zu tun haben.“ Doch da aufgrund der Erregereigenschaften nicht auszuschließen sei, dass von einzelnen Tieren des Kontaktbetriebs ein Risiko ausgehe, werde der Bestand dennoch vorsorglich tierschutzgerecht getötet. Selbst bei einer Untersuchung aller Tiere des Betriebs könnte eine Infektion nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden. Zudem würde die Beprobung und Untersuchung von 1800 Schweinen einige Zeit in Anspruch nehmen, während der sich das Virus weiter ausbreiten könnte.

3000 Tiere wären betroffen

Michael Dirting in Nordwalde hat 3000 Schweine und seine Ställe schon lange eingezäunt und damit abgeriegelt. „Wir leben schon seit Jahren damit, dass es kommen kann“, sagt er. Mit „das“ meint der 42-Jährige die Schweinepest. Das Wort nimmt der Landwirt nicht in den Mund, spricht stattdessen immer von ASP.

In seine Ställe kommt niemand, der nicht zum Hof gehört. Ausnahme: der Tierarzt und der Viehhändler. Tierarzt und Viehhändler müssen sich aber, bevor sie in den Stall dürfen, komplett ausziehen, eine Schleuse passieren und dann hofeigene Kleidung inklusive Stiefel von Dirting anziehen. Die Landwirte sprechen vom Schwarz-Weiß-Bereich: „Dreckige“ Kleidung wird gegen saubere ausgetauscht.

Keine absolute Sicherheit

Trotz aller Vorsicht: „Absolute Sicherheit gibt es nicht“, bringt es Michael Dirting auf den Punkt. Das Virus übertrage sich extrem leicht. Es sitze noch Jahre in toten Kadavern, die in der Natur im Boden liegen. Ganz sicher sei er sich nicht, aber Mäuse und Katzen könnten das Virus wohl auch übertragen. Im Kot komme es vor, der an Reifen oder Schuhen kleben und so in die Ställe übertragen werden könnte.

Ist ein Betrieb befallen, muss der gesamte Bestand – bei Familie Dirting wären es 3000 Tiere – innerhalb von 24 Stunden gekeult werden. Dann zahlt die Tierseuchenkasse. Aber die zahle nicht alles, was dann auf einen Landwirt zukommt. Der 42-jährige Nordwalder hat zudem eine Zusatzversicherung abgeschlossen – auch nicht erst jetzt. „Die kostet jährlich richtig viel.“

Wie reagiert der Markt?

Was den Landwirten darüber hinaus Sorge bereite, sei die Frage: „Wie reagiert der Markt?“, sagt Michael Dirting. „Wir hoffen, dass ASP keine Auswirkungen auf die Preise hat.“ Was jetzt schon in die Höhe geschnellt sei, seien die Futtermittelpreise: „Die waren noch nie so hoch wie jetzt.“ Er beziehe Futter nur aus der Nachbarschaft – um auch so das Risiko zu reduzieren, dass das Schweinepestvirus seinen Hof befällt.

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