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Nordwalder Landwirte verharren in der Kostenspirale

Preise für Düngemittel explodieren

Nordwalde

Die Preise für Dünger haben sich innerhalb eines Jahres teilweise verdreifacht. Das sorgt bei vielen Bauern für Unruhe. Auch die Landwirte in Nordwalde stöhnen über die höheren Kosten, die sich auf ihre ohnehin geringen Umsatzerlöse noch stärker auswirken.

Von Matthias Lehmkuhl

Die Preise für Kali, einen wichtigen Pflanzennährstoff, sind zuletzt auf ein 13-Jahres-Hoch gestiegen. Foto: Archiv

Seit etwa einem Monat ist Cem Özdemir im Amt als Bundeslandwirtschaftsminister. Er wolle „keine Ramschpreise für Lebensmittel“, sagte kürzlich der Grüne Realo „Für uns Bauern ist entscheidend, dass mehr Geld auf unseren Höfen ankommt“, entgegnete Bauern-Präsident Joachim Ruckwied. Diese Vorstellung ist in Anbetracht der aktuellen Düngemittelkosten ein mehr als weit entfernter Wunsch. Denn die Preise im Handel mit Düngemittel sind auf ein exorbitantes Niveau gestiegen. Teilweise ist der Preis für Mineraldünger um das Dreifache gestiegen, und diese Preiserhöhungen können nicht eins zu eins auf den Fleischpreis weitergegeben werden.

Bewirtschaftungskosten

Die Mehrausgaben spürt auch Thomas Mußmann vom Landwirtschaftlichen Ortsverein (LOV) Nordwalde in seinem Portemonnaie. „Aktuell liegen die Bewirtschaftungskosten pro Hektar zwischen 150 bis 200 Euro höher als sonst“, stöhnt der 57 Jahre alte Landwirt, der einen Veredelungsbetrieb mit 2200 Mastplätzen hat. „Ich habe bisher noch keine Düngemittel für dieses Jahr eingekauft“, wartet Nordwaldes LOV-Vorsitzender Heinrich Markfort, der seinen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb führt, noch ab.

Damit die fleischbringenden Schweine, Rinder und Hähnchen auch satt werden, benötigen sie Mais und Getreide. Dieses Futter für die Nutztiere muss auch einen hohen Energiegehalt haben und gut verdaulich sein. Deshalb müssen die jungen Pflanzen nicht nur mit Gülle, sondern zusätzlich mit Mineraldünger versorgt werden. Mais ist beispielsweise sehr gut in der Lage, CO2 und Stickstoff wirksam aufzunehmen. Thomas Mußmann streut auf seinen Feldern hauptsächlich Stickstoff und Kali aus.

Energiekosten

Der Grund für die extremen Preiserhöhungen sind die hohen Energiekosten, die für die Herstellung von Nitratdünger anfallen. Denn dazu benötigt man Erdgas und das ist sehr teuer geworden. An den deutschen Importhäfen kostet der wichtigste deutsche Stickstoffdünger mittlerweile etwa 300 Euro je Tonne – das sind 120 Euro mehr als vor einem Jahr.

Solange Erdgas teuer bleibt, bleibt auch Stickstoffdünger teuer. Die Spotmarktpreise für Erdgas am wichtigsten europäischen Handelsplatz für diesen Energieträger, in Amsterdam, haben sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. Das treibt auch die übrigen Energie- und die Strompreise mit in die Höhe. Der Grund: Die laufende Winterheizsaison. Und die Gasspeicher sind europaweit unterdurchschnittlich gefüllt. In Deutschland sogar laut Initiative Energien Speichern (INES) auf historisch niedrigem Stand.

Gaslieferant

Europas wichtigster Gaslieferant Russland hat außerdem weniger als in den Vorjahren geliefert und führte als Grund gestiegenen Eigenbedarf an. Auch das Fördervolumen der überwiegend in der Nordsee gelegenen Gasfelder Europas ist durch Corona-bedingte Ausfälle eingeschränkt. Gleichzeitig sorgt die anziehende Weltwirtschaft, insbesondere in Asien, dafür, dass die Nachfrage nach per Schiff geliefertem Erdgas massiv gestiegen ist und nur wenige Tanker ihren Weg nach Europa fanden.

Darüber hinaus steht noch ein großes Fragezeichen hinter der Betriebserlaubnis der Erdgas-Pipeline Nordstream 2, die durch die Ostsee von Russland nach Deutschland verläuft. Die fehlt aber noch, Russland dringt auf eine zügige Entscheidung, die deutsche Regierung hat aber noch Vorbehalte.

Auch die Preise für Kalium und Stickstoff ziehen dank einer robusten Nachfrage aus den großen Abnehmerländern wie China, Indien und Brasilien sowie Engpässen in der Lieferlogistik weiter an.

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