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Grundschüler besuchen Bestattungsunternehmen

Trauer darf man zulassen

Nordwalde

Im Religionsunterricht beschäftigt sich die 4b der Wichernschule momentan mit dem Thema Tod und neues Leben und besuchte in diesem Zusammenhang ein Bestattungsunternehmen. Die Schüler durften Fragen über Fragen stellen, das Innere eines Sargs anfassen und lernten verschiede Möglichkeiten kennen, Menschen beizusetzen.

Von und

Die Klasse 4b der Wichernschule besuchte den Bestattungsbetrieb Dartmann und warf dabei nicht nur einen Blick in den Sarg und auf eine Urne. Foto: Vera Szybalski

Wer zum Bestatter muss, ist häufig in einer emotionalen Situation, weil Familienmitglieder, Freundinnen oder Freunde beerdigt werden sollen. Einen anderen ersten Eindruck von einem Bestattungsunternehmen erhielt die Klasse 4b der Wichernschule: Die Schülerinnen und Schüler durften nicht nur das Innere eines Sargs anfassen, sondern diesen auch schließen, guckten sich Urnen an – und konnten Markus Dartmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Bestattungsunternehmens, alles fragen.

Warum werden überhaupt Särge benutzt? Müssen Menschen auf dem Friedhof begraben werden? Muss bei einer Beerdigung schwarze Kleidung getragen werden? Macht ein Friseur den Verstorbenen die Haare? Und was macht man, wenn die Person größer ist als der Sarg? Das und noch viel, viel mehr wollten die Viertklässlerinnen und Viertklässler wissen.

Einmalige Gelegenheit

Die Fragen hatten sie im Religionsunterricht von Schulleiter Johannes Neumayer vorbereitet. Dort beschäftigen sie sich derzeit mit dem Thema Tod und neues Leben. Den Besuch beim Bestatter im vierten Schuljahr findet Neumayer „total wichtig“. Denn das Thema Tod sei „völlig tabuisiert“, sagte der Schulleiter: „Das ist eine einmalige Gelegenheit, ein Bestattungsunternehmen kennenzulernen. Wenn man in einer emotionalen Situation da hingeht, ist das etwas ganz anderes.“

Markus Dartmann zeigte den Schülerinnen und Schülern eine Aschekapsel und eine Urne. Foto: Vera Szybalski

Die Grundschüler erfuhren gleich zu Beginn, dass von „Verstorbenen“ statt von „Leichen“ und bei Särgen von „Oberteil“ statt „Deckel“ gesprochen wird. Auch das Wort „Leichenwagen“ wird vermieden. „Das hört sich sehr hart an“, sagte Markus Dartmann. Scheu davor, Verstorbene anzufassen, müssen die Schüler nicht haben. Leichengift gibt es nicht. Oma oder Opa noch ein letztes Mal zu streicheln, ist also kein Problem.

Diamanten aus Asche

Särge können ganz unterschiedlich aussehen, erklärte Dartmann den Viertklässlern. Sie variieren nicht nur, was das Holz, sondern auch was die Farbe angeht. Gemeinsam mit Dartmann durften die Mädchen und Jungen einen Sarg schließen und lernten dabei gleich: Das Oberteil eines Sargs wird immer ganz leise aufgelegt. Aber nicht alle Menschen werden in einem Sarg beerdigt, andere werden in Urnengräbern im Wald oder auf hoher See bestattet. „Man kann die Asche auch zu einem Diamanten pressen“, sagte Dartmann und zeigte den Schülern später auch, wie so ein Diamant aussehen kann. „Es gibt so viele Möglichkeiten, jemanden beizusetzen. Das ist Wahnsinn.“

Die Schülerinnen und Schüler durften beim Schließen des Sarges helfen. Foto: Vera Szybalski

Markus Dartmann erläuterte den Grundschülern, dass einem Sarg bei der Einäscherung ein Schamottstein beigelegt wird, der dann in die Aschekapsel kommt. So kommt es nicht zu Verwechselungen der Verstorbenen. „Asche darf nicht gemischt werden“, sagte Dartmann. Er sprach auch über Trauer: „Wenn jemand traurig ist, darf man das zulassen.“ Der Tod sei traurig. Für trauernde Kinder gibt es bei Bestattungen Dartmann einen Plüschbären. „Den kann man ganz doll drücken, in den Arm nehmen und dem kann man auch ganz viel erzählen.“

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