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Schwache CDU holt die meisten Stimmen, SPD gewinnt deutlich hinzu

Verloren und dennoch vorne

Nordwalde

Die CDU muss bei der Bundestagswahl in Nordwalde starke Verluste hinnehmen, für die SPD und die Grünen ist es ein guter Tag: Beide legen im Vergleich zu 2017 deutlich zu. Die FDP hätte sich dieses Ergebnis auch bei der Kommunalwahl gewünscht.

Von Vera Szybalskiund

Ausgezählt wurde erst ab 18 Uhr, zuvor wurden im Briefwahlbezirk 3 in der Wichernschule die Wahlbriefe aus den Umschlägen genommen. In Nordwalde haben mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten per Briefwahl abgestimmt. Foto: Vera Szybalski

Eine starke SPD, eine schwächelnde CDU, die dennoch die meisten Stimmen in Nordwalde holt: Die Christdemokraten kommen auf 36,61 Prozent und sind damit stärker als im Bundestrend. Vor vier Jahren holte die CDU allerdings noch 47,6 Prozent. „Bundestagswahlen sind immer schwierig für die Basis“, sagte Ortsverbands-Vorsitzende Maren Bals. „Die kann man selber nicht so beeinflussen.“ Die Wählerinnen und Wähler würden mehr in Richtung Berlin schauen und auf die Kandidatin oder den Kandidaten. Da sei SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz zuletzt „hochgepusht“ worden.

Neben einer Großen Koalition wäre in Berlin künftig auch ein Regierungsbündnis aus CDU, Grünen und FDP möglich. Bals hat keinen klaren Favoriten: „Beides hat Vor- und Nachteile.“ Es sei allerdings schwierig, je mehr Parteien an einer Koalition beteiligt sind.

Tolerante Partner gewünscht

Eine Regierung unter der Führung von Olaf Scholz wünschen sich dagegen selbstverständlich die Sozialdemokraten, die in Nordwalde im Vergleich zur vergangenen Bundestagswahl sechs Prozent dazu gewinnen und bei 27,61 Prozent landen. „Wir gehen eigentlich davon aus, dass Olaf Scholz Bundeskanzler wird“, sagte Ortsvereins-Vorsitzende Annette Bösert, auch wenn es ein knappes Rennen geworden sei. Sie wünsche sich „tolerante Partner“ für eine von Scholz geführte Regierung – und lieber keine GroKo.

Über das Ergebnis in Nordwalde mit der Steigerung zu 2017 „freuen wir uns natürlich“, sagte Bösert: „Das sieht doch sehr positiv aus.“ Sie hätten im Wahlkampf viele Themen angesprochen, die für die Wähler wichtig sind und „gute Dinge ins Rollen gebracht“, sagte Bösert: „Es geht aufwärts.“

Jörg Ebbing

Die Grünen konnten ihr Ergebnis von 2017 verbessern. Sie kommen auf 13,87 Prozent und damit doppelt so viel wie vor vier Jahren. Darüber freue er sich „schon sehr“, sagte Ortsverbands-Sprecher Jörg Ebbing. „Auch wenn mehr immer schöner ist.“ Im Bund habe er sich „ein bisschen mehr erhofft“, auch wenn nach den letzten Umfragen ein derartiges Ergebnis zu erwarten gewesen sei.

Die Grünen könnten der neuen Regierung angehören – entweder in einer Koalition mit SPD und FDP oder CDU und FDP. „Für mich ist die CDU abgewählt“, sagte Ebbing. „Für mich kann es eigentlich keine Regierung unter CDU-Führung geben.“ Er sei zwar „auch nicht der super Olaf-Scholz-Fan“, dennoch bevorzuge er ein Rot-Grün-Gelbes Bündnis. Es sei auf jeden Fall klar, dass die Grünen ihr Wahlprogramm nicht Eins-zu-eins umsetzen können.

Wahlbeteiligung höher als 2017

Nach 11,5 Prozent vor vier Jahren holt die FDP bei dieser Bundestagswahl 11,79 Prozent. „Ich bin gut zufrieden“, sagte Fraktionsvorsitzender Klaus Grummel. „Das Ergebnis hätten wir gerne bei der Kommunalwahl auch gehabt – allerdings waren es damals andere Voraussetzungen.“

Die FDP hat gute Chancen, an der neuen Regierung beteiligt zu sein. Ein favorisiertes Bündnis hat Grummel nicht: „Das kommt auf die Gespräche an und welche Schnittmengen es gibt. Ich glaube aber auf jeden Fall, dass es lange und zähe Gespräche werden – unabhängig davon, unter welcher Führung.“ Im ersten Moment gebe es sicher mehr Schnittmengen mit der CDU.

Die Wahlbeteiligung in Nordwalde ist im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren leicht gestiegen. 82,7 Prozent gaben diesmal ihre Stimme ab. 2017 waren es 81,3 Prozent.

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