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Unterwegs mit Rolli

Wenn der Bordstein zur Mauer wird

NORDWALDE

Monika Westhues sitzt im Rollstuhl. Auf dem Weg durch die Gemeinde muss sie so manche Hürde nehmen. Autos, die auf dem Gehweg parken, zwingen sie zum Umdrehen. Schon die Bordsteinkante kann zur Hürde werden.

Pjer Biederstädt

Nichts geht mehr: Monika Westhues kann mit ihrem Rollstuhl die hohen Bordsteinkanten Am Teich nicht hinauffahren. „Manchmal fahre ich auf der Straße und bremse die Autos“, sagt sie fröhlich schmunzelnd. Foto: Pjer Biederstädt

Manchmal kommt Monika Westhues einfach nicht weiter. Wenn Mülltonnen auf dem Bürgersteig zu mittig stehen oder Autofahrer den Bordstein als Parkplatz missbrauchen, muss die Rollstuhlfahrerin umdrehen. Die Nordwalderin, die an Amyotropher Lateralsklerose (ALS, siehe Infokasten) erkrankt ist, möchte ein Bewusstsein bei ihren Mitbürgern für die Unwegsamkeiten im Alltag von Rollstuhlfahrern schaffen.

Vor kurzem schrieb sie ihren allerersten Leserbrief. Das Thema war ihr ein Anliegen. Dem WN-Bericht über die neuen Laternen am Hellbach, an den Westhues‘ Garten grenzt, wollte sie unbedingt noch etwas hinzufügen. Sie freue sich auch, dass die Wege nun besser beleuchtet sind, aber der Asphalt ist durch die Baumwurzeln so uneben, dass sie den schönen Weg vor ihrer Haustür mit dem Rollstuhl nicht befahren könne.

Das ist nicht die einzige Hürde für die 68-Jährige. Wenn sie mit ihrem Mann Bernhard auf den Friedhof geht, um das Grab ihres Schwiegervaters zu besuchen, kommt sie nicht an ihr Ziel. „Die Platten sind schief und krumm und der Weg zu buckelig für meinen Rolli“, sagt Monika Westhues. Problematisch ist schon der Weg dorthin. In ihrem Viertel (gebaut in den 70er Jahren) sind die Bordsteine flach. Kein Problem also. Doch wenn sie aus dem Niederrott in die Straße Am Teich fährt, sind die hohen Bordsteine aus den 50er Jahren ein Hindernis – vor allem wenn die Gehwege blockiert sind. Denn durch die schwindende Muskelkraft kann sie nicht ohne Hilfe gehen, geschweige denn den schweren Elektro-Rolli tragen.

Wenn Monika und Bernhard Westhues von den Schwierigkeiten im Alltag mit dem Rollstuhl erzählen, heben sie nie den Zeigefinger. „Wir wollen nicht nörgeln, sondern nur das Bewusstsein der Leute schärfen. Es ist ja ganz normal, dass man sich nicht ständig Gedanken macht, wenn man gesund ist“, sagt der ehemalige Schulleiter Bernhard Westhues. Aber vielleicht denke der ein oder andere Autofahrer beim nächsten Mal, wenn er auf dem Bürgerstein parkt, an seine Worte, hofft er. Seine Frau betont, dass sie auch für die Gemeindeverwaltung Verständnis hat. „Es ist kein Geld da, um jedes Pättken behindertengerecht zu gestalten“, weiß Monika Westhues. Sie freut sich aber, dass im Ortskern fast alles für sie erreichbar ist. Mit einer Ausnahme: In den Sitzungssaal im Rathaus kommt sie nicht.

Was ist ALS?

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine nicht heilbare Erkrankung des motorischen Nervensystems. Bei ALS kommt es zur fortschreitenden Schädigung der Nervenzellen, die für die Muskelbewegungen verantwortlich sind. Durch die Lähmungen kommt es zu Gang-, Sprech- und Schluckstörungen, eingeschränkter Koordination sowie Schwäche der Arm- und Handmuskulatur. Die Überlebenszeit beträgt im Schnitt etwa drei bis fünf Jahre. Bei Monika Westhues nimmt die Krankheit jedoch einen deutlich langsameren Verlauf.

Das bedauert nicht nur sie, sondern auch Claus Ufermann von der Verwaltung: „Das ist einer der Gründe dafür, dass wir schnell ein neues Bürgerzentrum bauen wollen. Das wird dann in jeder Hinsicht behindertengerecht.“

Das Bewusstsein bei den Menschen für Gehandicapte steige, wissen die Westhues, doch immer wieder daran zu erinnern, schade auch nicht.

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