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Therapie reicht nicht als Begründung für Bewährung

Wiederholungstäterin muss ins Gefängnis

Nordwalde

Ein Verkäufer wurde hellhörig, deshalb flog die 58-jährige Emsdettenerin bei einem Betrugsversuch auf. Es war nicht ihr erstes Vergehen. Beim Prozess sagte ihr Verteidiger, seine Mandantin habe Mietschulden tilgen und kein Luxusleben führen wollen. Aber auch eine begonnene Psychotherapie bewahrte die Frau nicht vor dem Gefängnis.

Monika Koch

Eine 58-jährige Frau aus Emsdetten muss erneut ins Gefängnis. Foto: dpa

Die Psychotherapie reichte nicht aus, um eine erneute Gefängnisstrafe zu verhindern: Wegen erwerbsmäßigen Betrugs bei Euronics in Nordwalde und Ahaus verurteilte das Schöffengericht in Rheine eine 58-jährige Frau aus Emsdetten zu einem Jahr und sechs Monaten Haft ohne Bewährung. Sie ergaunerte sich zwischen dem 25. November 2019 und dem 9. Januar 2020 sieben hochwertige Handys im Wert von 6213 Euro und verkaufte einige davon.

Die Emsdettenerin ist vorbelastet mit diversen Urteilen seit 2002, mehrjähriger Hafterfahrung und zwei Urteilen wegen vergleichbarer Taten in der Berufung am Landgericht. Sie räumte die Taten ein und begründete ihr Geständnis mit einer Psychotherapie. „Meine Therapeutin hat mir dazu geraten, die Karten auf den Tisch zu legen und zu meinen Taten zu stehen. Ich habe das unter dem Druck von Miet- und anderen Schulden gemacht im Auftrag meines Sohnes“, erklärte sie ihre Motivation.

Mietschulden tilgen, kein Luxusleben

Weil sie angesichts der vielen Vorstrafen einsichtig geworden sei und sich in Behandlung begeben habe, beantragte die Staatsanwältin wegen gewerbsmäßigen Betruges in fünf Fällen ein Jahr und zehn Monate, „letztmalig mit Bewährung“. Der Verteidiger sah keine Gewerbsmäßigkeit, „weil meine Mandantin damit Mietschulden tilgen und kein Luxusleben führen wollte“. Er beantragte ein Jahr mit Bewährung, zumal noch zwei Urteile mit fast viereinhalb Jahren am Landgericht in Berufung lägen, die noch nicht terminiert seien. Deswegen hatte er um Einstellung dieser Taten gebeten, aber die Staatsanwältin wies den Antrag zurück: „Es wurden wegen dieser Anklage bereits drei weitere Verfahren eingestellt.“

Die Angeklagte saß schon zeitgleich mit ihrem Mann im Gefängnis, sodass ihr damals 16-jähriger Sohn sich selbst versorgen musste. Das Paar ist inzwischen geschieden, aber der Sohn übe inzwischen den gleichen Druck auf sie aus wie vorher ihr Mann. „Damit ist jetzt Schluss“, sagte sie.

Verkäufer wird hellhörig

Das Schöffengericht verurteilte die notorische Betrügerin zu einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung. „Die Taten sind alle nach dem gleichen Muster abgelaufen. Sie haben den kleinen Geschäften großen Schaden zugefügt und das Vertrauen der Verkäufer missbraucht“, begründete die Richterin das Urteil. Eine Therapie nach so vielen Jahren des Betruges, diversen Urteilen und verbüßten Freiheitsstrafen reiche nicht als Begründung für eine Bewährung. Der Wert der Beute wurde ihr mit 6213 Euro Wertersatz als Schadenswiedergutmachung auferlegt.

Den Verkäufern in den Geschäften hatte sie jeweils vorgemacht, ihr defektes Handy ersetzen zu müssen und um Rechnungen gebeten mit dem Argument, dass die Versicherung dann sofort an die Geschäfte zahlen könnte. Weil das in der Branche nicht unüblich sei, ließen sich die Verkäufer darauf ein.

Allerdings überspannte sie den Bogen, als sie am 9. Januar gleich dreimal weitere Handys mit präziser Ausstattung für andere Personen auf Rechnung mitnehmen wollte. Der Verkäufer wurde hellhörig, recherchierte und erfuhr, dass sie für diese Masche bekannt war. Deswegen blieb es bei der letzten Tat beim Versuch. Ein Betrug war es trotzdem.

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