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Dämmerstunde mit Otto Pötter

„Alles hat seine Zeit“

Ochtrup

Otto Pötter und seine Zuhörer schwelgten gemeinsam in Erinnerungen, als sie sich am Montag in der Villa Winkel zu einer plattdeutschen Dämmerstunde einfanden. Doch auch das gemeinsame Sinnieren übers Altern fand seinen Platz im Programm.

wn

Die Atmosphäre der plattdeutschen Dämmerstunde in der Villa Winkel hatte etwas von Heimatidylle. Das knisternde Feuer im Kamin verströmte wohlige Wärme. Die Anwesenden lauschten aufmerksam den Erzählungen des plattdeutschen Autors Otto Pötter. Und die Ahnenporträts in Öl hatten alles fest im Blick.

Auf Einladung der Volkshochschule Ochtrup war der Rheinenser Buchautor und Verhaltenstherapeut am Montagabend in die Villa Winkel gekommen. Mit seinen plattdeutschen Alltagsgeschichten, Anekdoten und gereimten Lebensweisheiten entrückte Pötter seine 40 Zuhörer in eine unwiederbringliche Vergangenheit. Etwa, als er sie mitnahm in Tante Emmas Kolonialwarenladen. Stets ein freundliches Gespräch auf den Lippen, saß Tante Emma an ihrer Ladenkasse und verkaufte ihrer Kundschaft Imi, Ata, Pomps Kindergrieß, Zackenlitze und vieles mehr aus ihrem Rundum-Sortiment. Oder Tante Käthes Kurzwarenladen, wo es unter anderem Gebrasa-Wolle, Gütermann-Nähseide und Knöpfe als Einzelexemplare zu kaufen gab.

Außerdem lernte das Publikum Möhn Marie in ihrer gemusterten Schürze kennen. Die trug sie bis zum Tode. Außer sonntags, dann wurde die weiße Schürze aus dem Kleiderschrank geholt – frisch gestärkt und gebügelt. „Damals gab es ja noch Unterschiede zwischen Sonntags- und Alltagskleidung. Auch der Sonntagsbraten war noch etwas Besonderes“, merkte Pötter an und erntete zustimmenden Beifall. Die Geschichten weckten besonders bei den älteren Besuchern Kindheitserinnerungen. Sie kommentierten das Gehörte mit Schmunzeln, verständnisvollem Nicken und der Feststellung „Ja, genau so war das früher.“

Doch auch einige Verhaltensweisen der Menschen von heute griff der Autor in seinen Alltagsgeschichten auf. In einem Kaufhaus hatte er zum Beispiel den verdrießlich dreinblickenden Willi beobachtet, der von seiner Frau strikte Anweisungen beim Kauf einer neuen Hose bekam. Die Geschichte löste bei den Zuhörern in der Villa Winkel viel Heiterkeit aus.

Die plattdeutsche Dämmerstunde endete mit einem nachdenklich stimmenden Gedicht über das Alter. Die Zeit, wenn die Kinder das Haus verlassen haben und ihre Besuche immer seltener werden. Die Zeit der schwindenden Mobilität und des Alleinseins. Die Zeit im Altenheim. „Nichts bleibt, wie es ist. Alles hat seine Zeit“, fasste Pötter seine Lebensbetrachtung zusammen.

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