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Amtsrichterin wertet Geständnis positiv: Bewährungsstrafe

Angeklagter sucht Abstand zur Drogenszene

Ochtrup/Steinfurt

Mit dem Willen, ein drogen- und straftatenfreies Leben zu führen, ist ein 24-Jähriger vor das Amtsgericht Steinfurt getreten. Ihm wurden Kauf von und Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen.

Norbert Hoppe

Ein 24-Jähriger Steinfurter, der in Ochtrup Drogen kaufte, Foto: dpa

Der gewerbsmäßige Handel mit Betäubungsmitteln, der auf eine Gewinnabsicht ausgerichtet war, konnte in der Gerichtsverhandlung am Donnerstag beim Amtsgericht Steinfurt nicht festgestellt werden. Wohl aber der unerlaubte Erwerb von Marihuana, weswegen ein 24-jähriger Steinfurter von der Staatsanwaltschaft angeklagt war.

Demnach hat der Angeklagte Ende Februar und Anfang April 2020 von einer bereits anderweitig verfolgten Person in Ochtrup einmal 50 Gramm und ein weiteres Mal 24 Gramm Marihuana gekauft. Wie der Steinfurter glaubwürdig in seiner Einlassung schilderte, habe er diese Mengen als Vorrat für den eigenen Verbrauch beschafft.

Therapie abgeschlossen

Die große Menge begründete er damit, dass er auf diese Weise preiswerter an das Rauschmittel kommen konnte. Zu dieser Zeit sei er stark abhängig gewesen, bekannte der Steinfurter. In der Regel habe er ein bis zwei Gramm täglich geraucht, an manchen Tagen sogar bis zu fünf Gramm. Auch scheiterten damals mehrere Versuche, aus eigener Kraft von der Droge abzulassen, bis er ab Juli 2020 eine halbjährliche stationäre Therapie erfolgreich absolvierte, wie es der Entlassungsbericht der Klinik in Nettetal auswies.

Diese Klinik empfahl nachdrücklich, die Behandlung nach der Entlassung mit einer ambulanten Betreuung fortzusetzen, um die persönlichen und sozialen Verhältnisse dauerhaft zu stabilisieren. Auch der Bewährungshelfer sah grundsätzlich eine positive Entwicklung, hielt jedoch ebenfalls noch eine ambulante Therapie für erforderlich.

Die Staatsanwältin wertete, wie auch die Verteidigung und die Richterin, das umfassende Geständnis des 24-Jährigen zu seinen Gunsten. Auch die erfolgreiche Therapie, die Motivation, eine Arbeit aufzunehmen, und die glaubwürdige Reue sprachen für ihn. Daher forderte sie in ihrem Plädoyer, eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je zehn Euro zu verhängen.

Umzug nach Bocholt

In seinem letzten Wort erklärte der Angeklagte, dass er demnächst zu einem Freund aus der gemeinsamen Ausbildung zum Metallbauer nach Bocholt ziehen werde. Damit gewinne er den nötigen Abstand zu seinem bisherigen sozialen Umfeld, das einen erheblichen Teil zu seiner Drogenabhängigkeit beigetragen habe. Er sei gewillt, mit Hilfe der Drogenberatung und einer Arbeitsstelle den Weg in ein straf- und drogenfreies Leben zu finden.

Die Richterin verurteilte den Steinfurter zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten und zwei Wochen, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Dabei hob sie die positive Entwicklung des jungen Mannes in den vergangenen Monaten hervor. Zudem sei eine hohe Motivation für eine dauerhafte Wende zu erkennen. Als Auflage und als Hilfe wird dem Verurteilten ein Bewährungshelfer an die Seite gestellt, nach dessen Weisung er 50 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten hat.

Der Verurteilte und sein Verteidiger nahmen das Urteil noch im Gerichtssaal an und verzichteten auf Rechtsmittel, so dass das Urteil unmittelbar in Kraft treten kann.

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