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23-jähriger Niederländer wegen Nötigung zu Geldstrafe verurteilt

Aus nichtigem Grund Gewalt angewendet

Ochtrup/Steinfurt

Weil er eine Frau genötigt, belästigt und beschimpft hat, ist ein 23-jähriger Niederländer zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Angeklagte bestritt die Tat, doch eine Zeugin hatte ihn zweifelsfrei identifiziert.

Norbert Hoppe

In einem Geschäft des DOC wurde eine Angestellte genötigt. Foto: stev

Von der Schuld des Angeklagten und der Glaubwürdigkeit der geschädigten Frau war die Richterin zweifelsfrei überzeugt. Bei der Fortsetzung eines Strafverfahrens am Mittwoch vor dem Amtsgericht Steinfurt wurde der Angeklagte wegen versuchter Nötigung, Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt.

Anzeige erstattet

Für das Gericht stand fest, dass der 23 Jahre alte niederländische Staatsbürger aus Enschede am 4. Februar des vergangenen Jahres in einem Geschäft des DOC eine Angestellte körperlich angegangen war und auf das Übelste sexistisch beleidigt hat, um sich Zugang zu einer Umkleidekabine zu verschaffen. Dabei warf er die von ihm ausgesuchten Bekleidungsstücke vor der Verkäuferin auf den Boden. Unmittelbar nach diesem Vorfall informierte sie ihren Chef und erstattete am selben Abend Anzeige bei der Polizei. Bei einem weiteren Besuch des Angeklagten hat sie nach ihrer Aussage den Enscheder sofort wiedererkannt. „Er hat mich mit beiden Händen an der Schulter gepackt und an die Wand gedrückt. Das Gesicht kann ich nicht vergessen“, schilderte die junge Frau am ersten Verhandlungstag.

Zeugin

Als ihr ein halbes Jahr später bei einer Befragung Fotos verschiedener Männer vorgelegt wurden, erkannte sie den Angeklagten sofort sicher wieder. Die bei der Anzeige geschilderte Personenbeschreibung treffe eindeutig auf den Angeklagten zu, hieß es nach der Verlesung des Protokolls der Polizeistation.

Verteidiger fordert Freispruch

Der Angeklagte und seine Verteidigerin bewerteten den Anklagevorwurf ganz anders. „Mein Mandant hat alles getan, um seine Unschuld zu beweisen“, plädierte die Anwältin für einen Freispruch. Er habe verlangt, die Aufzeichnungen der Videokamera zu begutachten, die aber schon gelöscht waren. Erst vor wenigen Tagen habe er bei seinem Provider ein Bewegungsprofil für sein Smartphone angefordert. Diese Daten werden jedoch von Apple nach einem Jahr automatisch gelöscht und standen somit nicht für die Beweisführung zur Verfügung. Der Nachweis des Steuerberaters seiner damaligen Arbeitsstelle in einem Schnellimbiss, erbrachte lediglich die Sicherheit, dass der Angeklagte an diesem Dienstag gearbeitet hat, aber Uhrzeiten konnten nicht beigebracht werden. Auf Grund dieser pauschalen Feststellungen könne nicht hinreichend davon ausgegangen werden, dass der 23-jährige an diesem Tag nicht in Och­trup gewesen sein konnte.

Frauenfeindlich

Nach dieser Beweisaufnahme gab es für die Staatsanwaltschaft und die Richterin keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten. „Sie haben aus einem nichtigem Anlass körperliche Gewalt angewendet und mit ihren frauenfeindlichen und menschenverachtenden Beschimpfungen die Verkäuferin massiv beleidigt“, fasste die Richterin die Straftat in ihrer Urteilsbegründung zusammen.

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