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Bürgerinitiative will das Haus Bergstraße 5 vor dem Abriss bewahren

Bewusstsein für historisches Erbe

Ochtrup

Eine neue Bürgerinitiative macht sich dafür stark, dass das Haus Bergstraße Nr. 5 erhalten bleibt. Sie möchte Bewusstsein für das historische Erbe und stadtbildprägende Gebäude in Ochtrup schaffen.

wn

Eine neue Bürgerinitiative macht sich für den Erhalt des Hauses Bergstraße Nr. 5 (l.) stark. Foto: Heidrun Riese

Die Pläne von Investoren, das Haus Bergstraße 5 abzureißen, hat den Anstoß zu einer Bürgerinitiative gegeben: Über den Heimatverein und die Immobilien-Standortgemeinschaft (ISG) hat sich bislang rund ein Dutzend Bürger vernetzt. Ihr Ziel: Bewusstsein für das historische Erbe und stadtbildprägende Gebäude in Ochtrup zu schaffen und dieses Bewusstsein wieder in die Stadtentwicklung einzubringen. Zum nächsten Treffen am 7. Oktober (Mittwoch) um 19 Uhr in der Gaststätte Bücker sind weitere Interessierte eingeladen, schreiben die Initiatoren in einer Pressemitteilung.

Das Haus Nr. 5 sei für die Initiative wichtiger Teil eines ganzen Ensembles historischer Bauzeugnisse entlang der Bergstraße vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert – darunter das Ackerbürgerhaus, die von der Volksbank genutzte Villa, das ehemalige Haus Schmitz (Eisdiele), die ehemalige Löwen-Apotheke und eben die Ziegel- undBacksteinfassade der Bergstraße Nr. 5. „Anwohner, Eigentümer und Geschäftsleute haben hier noch in jüngster Zeit diesen Charakter durch sensible Sanierungen gestärkt (Häuser Nr. 19 und Nr. 17)“, heißt es weiter.

Mehrere Gebäude

In der unmittelbaren Umgebung, rund um die Kirche, weise die Denkmalliste der Stadt mehrere geschützte Gebäude aus. Auch im weiteren Verlauf des Straßenzugs gebe es an Bentheimer-, Bült- und Laurenzstraße denkmalgeschützte und/oder historisch relevante Bauten, die auch die Besucher des Outlet-Centers registrierten. „Besondere Aufmerksamkeit verdient der Bereich zwischen den Wällen (Wigbold), wo an den Strukturen von Straßen und Parzellen noch Ochtrups Geschichte als Festungsstadt abgelesen werden kann“, ist der Mitteilung zu entnehmen.

Für die Erhaltung der historischen Fassade des Hauses Bergstraße 5, die aus dem Jahr 1853 stamme und die in ländlichem Zuschnitt die Biedermeier-Epoche spiegele, hoffe die Initiative auf Gesprächsbereitschaft bei den Investoren und ein Umdenken in Stadt- und Bauverwaltung: Das historische Erbe im öffentlichen Raum präge die Identität einer Stadt, und deshalb sei es ein Anliegen aller Bürger.

Architektonisch wertvoll

Dieses Erbe sei in vielen Projekten der vergangenen Jahre nicht berücksichtigt worden, kritisiert die Initiative: Architektonisch wertvolle Bestände seien verloren gegangen oder verfallen („Haus Hues“, Weinerstraße). Und geschützte Denkmäler seien von brutaler Rendite-Architektur regelrecht bedroht worden, etwa die alte Töpferei samt der alten Kastanie an der Töpferstraße. Dazu ließen die Bauplänerund um das ebenfalls denkmalgeschützte ehemalige Amtshaus an der Bültstraße den eigentlich vorgeschriebenen Umgebungsschutz nicht erkennen. Die graue Betonpflasterung der Innenstadt sorge für ein gesichtsloses, austauschbares Erscheinungsbild.

„Um bei derartigen künftigen Projekten zu besseren Lösungen zu kommen, sollte Ochtrup seine Altstadt mit einer Erhaltungssatzung schützen“, fordert die Initiative unter Verweis auf viele andere NRW-Kommunen (zum Beispiel Drensteinfurt, Lüdinghausen). Eine solche Erhaltungssatzung könne die Gestaltungssatzung vom März 2019 ergänzen.

Keine Käseglocke

„Dabei soll keine Käseglocke über die Altstadt gestülpt werden“, heißt es im Pressetext. „Die Bürgerinitiative will vielmehr bürgerschaftliches Engagement für den historischen Bestand in die Innenstadtentwicklung einbringen. Dieser Bestand ist ein Schatz für die Stadt, für alle Bürger. Er schenkt dem öffentlichen Raum Atmosphäre und Identität, schafft Aufenthalts- und Lebensqualität, ist wichtiger Bestandteil einer humanen und nachhaltigen Entwicklung. Das zeigt unfreiwillig die Gestaltung des Outlet-Centers: Hier wurden historisierende Fassaden vor die Verkaufshallen gehängt,weil sie für ein attraktives und liebenswürdiges Ambiente sorgen.“

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