Stadtwerke verlegen Leitungen am Dränkeplatz

Das tiefste Loch der Stadt

Ochtrup

Ein interessante Baustelle befindet sich zur Zeit am Dränkeplatz. Dort verlegen die Stadtwerke ihre Leitungen – im wahrsten Sinne des Wortes. Das tiefste Loch in der Stadt ist auch für die Archäologen von großer Bedeutung.

Erhard Kurlemann

Die Stadtwerke verlegen am Dränkeplatz aktuell bis voraussichtlich Ende November Leitungen in eine neue Trasse, damit sie beim Bau des an der Stelle vorgesehenen Mehrfamilienhauses nicht im wahrsten Sinne des Wortes im Weg liegen. Foto: Erhard Kurlemann

Stadtwerke-Chef Robert Ohlemüller besucht regelmäßig „diese interessante Baustelle“ am Dränkeplatz. Das Besondere: Anschlüsse, etwa für Abwasser, müssen in fünf Metern Tiefe verlegt werden. „Anders gelingt es nicht, ein vernünftiges Gefälle zu erzielen“, verweist er auf die topographische Beschaffenheit. Der Dränkeplatz liegt deutlich höher als die Straße Dränke etwa. „Der Sammler soll den gesamten Niederesch entsorgen“, ergänzt Johannes Ratering, Abteilungsleiter Abwasser.

Am Dränkeplatz soll ein neues Mehrfamilienhaus ent­stehen. Damit Investor Thomas Dankbar überhaupt anfangen kann, müssen die Stadtwerke erstmal die Ver- und Entsorgungsleitungen verlegen – im wahrsten Sinne des Wortes.

„Wenn alles gut läuft, wollen wir Ende November fertig sein“, gibt Ohlemüller einen Einblick in die Planungen. Allerdings: Auch Archäologen sind vor Ort und begleiten die Arbeiten. „Man vermutet in diesem Bereich Reste einer rund 1000 Jahre alten Siedlung an Dränke“, erläutert Ratering Bislang seien außer ein paar Tonscherben in gut 1,20 Metern Tiefe noch nichts gefunden worden – in der Töpferstadt. Alter und Herkunft noch unbekannt.

In gut fünf Metern Tiefe ist der Lehm so hart, dass er mit einem Bohrhammer gelöst werden muss. Foto: Erhard Kurlemann

„Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut“, betont der Stadtwerke-Chef. Wenn etwas gefunden wird, werden die Fundstellen so schnell wie möglich dokumentiert – und wir können die Arbeiten fortsetzen.“

Er könne nachvollziehen, dass sich die Archäologen für die Baustelle interessierten. „Fünf Meter Tiefe ist eine Schicht, da kommt man nicht jeden Tag hin“.

Unten ist der Lehm teilweise so hart, dass er mit dem Bohrhammer gelöst werden muss. Beim Ausheben habe der Baggerfahrer sehr akribisch arbeiten müssen, da dort viele Versorgungsleitungen zu finden waren. Alle diese würden ebenfalls verlegt, weil „es sehr schwierig würde, wenn wir mal wieder an unsere Abwasserleitungen müssten und dort überall Leitungen lägen“, sagt Ratering. Unter anderem sei bei Baggerarbeiten eine rund 50 Jahre alte Gasleitung gefunden worden. „Bei jeder alten Leitung wird geprüft, ob sie noch eine Funktion hat, ehe sie durchtrennt wird“, beschreibt Ratering das Verfahren.

Von der Abwasserleitung aus bleiben noch gut drei Meter bis zur Grenze des Grundstücks für alle anderen Versorger. „Je dichter die Bebauung, desto dichter die Ver- und Entsorgungsleitungen“, berichtet Ohlemüller. Es gebe dort für jeden einen eigenen Bereich. Und: Oft würden Versorger ihre Leitungen zu unterschiedlichen Zeiten legen, „einfach aus versorgungs- und sicherheitstechnischen Gründen“. Das habe „nichts mit fehlender Koordination“ zu tun.

Weil die Arbeiten notwendig sind, damit der Investor bauen kann, müsse dieser auch die Kosten übernehmen, die nach den Worten Ohlemüllers im „sechsstelligen Eurobereich liegen.“ Da sei aber unstrittig. Ebenso sei mit dem Investor abgestimmt, dass es etwa aufgrund von archäologischen Funden zu Verzögerungen kommen könne. „Wir freuen uns über Interesse an unseren Arbeiten“, hat der Stadtwerke-Chef durchaus feststellen können, dass Passanten stehen bleiben am aktuell tiefsten Loch in der Stadt.

Erinnerungen an die Dränke der 1940er Jahre

Fragt man heute einen Bewohner der Außenbereiche von Ochtrup danach, wo denn eine bestimmte Hausnummer zu finden sei, dann bekommt man meistens die Frage zu hören „Wer wohnte denn dort?“ Franz Schappdick geht das im Innenbereich der Töpferstadt ähnlich. Die Erinnerungen des heute 83-jährige Och­trupers aus seiner Kindheit in den 1940er Jahren lesen sich wie ein alter Stadtplan.Seine Familie wohnte zunächst an der Bentheimer Straße. Später zog sie dann an die Dränke. Und die Namen der Nachbarn von damals hat Franz Schapdick natürlich noch parat. Dort, wo heute der Dränkekreisel beziehungsweise aktuell eine Baustelle ist, beginnt er mit seiner Rekapitulation: „Auf der linken Seite wohnte der Schuster Beckwermert, dann kam die Familie Wesseling, dann das Wohnhaus der Geschwister Ruhwinkel.“ Danach kam die Schmiede Reers, dann das Lebensmittelgeschäft und die Kohlenhandlung Volkery (das Haus seines Großvaters) und zum Schluss das Haus der Familie Blömer. Anstelle von Letzterem befindet sich heute das Geschäft Blumen Tenne Volkery, sagt Franz Schapdick.Er selbst, sein Bruder Heinz und seine Mutter zogen während des Krieges beim Großvater ein. Mitten in dem ehemaligen Lebensmittelgeschäft der Volkerys kam ein großer Tisch zum Stehen, gleich daneben befand sich der Herd. „Viel renoviert und umgebaut wurde damals nicht“, erinnert sich Franz Schapdick. Die Verhältnisse in der Töpferstadt seien damals sehr einfach, mitunter sogar primitiv gewesen.Auf der rechten Seite der Dränke – vom heutigen Kreisverkehr aus betrachtet – reihten sich seiner Erinnerung nach die Häuser von Schneider Kröger, die Stallungen der Familie Raue, dann die Häuser Ossendorf und Schmedding sowie der Eingang zu den Stallungen und dem Farbenlager von Familie Ruhwinkel. Dann kam die Wohnstatt von Familie Elfers. An gleicher Stelle wie heute habe sich schon damals das Geschäft Bernhard Ruhwinkel befunden. Dahinter folgten Oelerichs und die Lehrerinnen Brinkmann und Hövelmann.Das Pius-Hospital befand sich ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft. Franz Schapdick erinnert sich mit einem breiten Grinsen im Gesicht an Ordensschwester Betuada. Sie sei groß und breit „wie ein Kleiderschrank“ gewesen und „herzensgut“. „Aber wenn sie pfiff, stand das ganze Krankenhaus stramm“, weiß er, dass sich die damalige OP-Schwester, die in seiner Erinnerung nach auch selbstständig Operationen durchführte, sehr gut durchsetzen konnte. Sie sei eine echte Autoritätsperson gewesen.In der Schmiede Reers lebten drei Geschwister: Theo, Bernhard und Maria. Während Letztere den Haushalt führt, waren die beiden Brüder bei den Kindern der Stadt sehr beliebt. Theo, der Schmied, fertigte nebenher für sie Lesezeichen. Sehr geschickt habe er die verschiedenesten Formen aus Papier ausgeschnitten, erzählt Franz Schapdick. Und Bernhard konnte wunderbar Schnitzen. „Er hat Kasperlefiguren gemacht und den älteren Jungs in der Nachbarschaft geliehen“, erinnert sich der 83-Jährige. Bei den Aufführungen sei die Zufahrt zu Krankenhaus und Alte Maate komplett mit Kindern versperrt gewesen. Der Ruf „Reers-Bernhard macht Kasperletheater“ habe sich jedes Mal wie ein Lauffeuer verbreitet. Für die Kinder damals eine echte Attraktion.

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