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Interview mit Alt-Bürgermeister Franz-Josef Melis zum FOC

„Der Stadt hätte nichts Besseres passieren können“

Ochtrup

Die größte Baustelle der Stadt ist in den vergangenen zwei Jahren von vielen Ochtrupern aufmerksam beobachtet worden. Einer, der besonders interessiert hinschaute, war Alt-Bürgermeister Franz-Josef Melis. Er hat einen maßgeblichen Anteil daran, dass das FOC am Donnerstag (30. August) in der Größe eröffnet wird. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Anne Eckrodt blickt er auf den langen Entscheidungsprozess zurück und verrät, ob er eine andere Lösung für die Nutzung des Beltmanbaus gehabt hätte.

Anne Eckrodt

Der Beltmanbau: In seiner Zeit als Bürgermeister von Ochtrup hat er Franz-Josef Melis Sorgen bereitet. Heute freut sich der einstige Verwaltungschef nicht nur über die gelungene Sanierung der denkmalgeschützten Fassade, sondern über das gesamte FOC-Projekt. Foto: Anne Eckrodt

Herr Melis, wann sind Sie zuletzt am FOC vorbeigekommen?

Franz-Josef Melis: Gestern.

Und was ging in Ihnen vor?

Melis: Ich schaue da immer mit einem ganz besonderen Interesse hin. Das Thema beschäftigt mich – jetzt als Pensionär und früher als Aktiver bei der Stadtverwaltung – seit 1990, also seit über 20 Jahren. Und es war in der Zwischenzeit mal mehr und mal weniger spannend, aber immer spannend. Dass es am Ende geglückt ist, diese Größenordnung für das Outlet zu erreichen, freut mich.

Sie sagen, das Thema beschäftigt Sie seit mehr als 20 Jahren. Hätten Sie sich damals die heutige Dimension des Outlets vorstellen können?

Melis: Nein, das hätte ich mir nicht vorstellen können. Denn wir sind in der Verwaltung erst durch die Herren Paul und Thomas Dankbar mit dem FOC-Konzept vertraut gemacht worden.

Werfen Sie für uns doch einmal einen Blick zurück: Wann ist die Familie Dankbar erstmals mit der Idee eines Outlets an Sie als damaligen Bürgermeister von Ochtrup herangetreten?

Melis: Das war 2002.

Und was ist Ihnen damals durch den Kopf geschossen, als Sie das gehört haben?

Melis: Ach, wir haben das ganz gerne gehört. Denn es war doch so, dass es bei der Frage, was aus den stadtbildprägenden Denkmälern wird, auch darum ging, ob das Rathaus da reinkommt. Und dann natürlich darum, was dort noch einzieht. Die Frage beschäftigte nicht nur uns, sondern auch die möglichen Zuschussgeber beim Land. Dort war man allerdings nicht bereit, nur das Rathaus in diese Industriebrache zu stellen, vielmehr musste ein entsprechendes Umfeld geschaffen werden. Und das Umfeld bildete zum Beispiel Elektro Albers, die waren ja 2001 schon da.

Welche Chancen haben Sie dem Outlet-Vorhaben denn damals eingeräumt?

Melis: Ich konnte das nur schlecht in die Textileinzelhandelslandschaft einordnen. Es gibt ja in Deutschland – im Vergleich zu anderen europäischen Ländern – nicht sehr viele Outlets. Herr Thomas Dankbar hat uns damals erläutert, welche Rolle die Hersteller in der Wechselwirkung zum Einzelhandel spielen, und dass sie mit ihren Retouren irgendwo hin müssen. Und da sind die Outlets so eine Art Ventil. Deshalb wohl hielt sich auch der Einzelhandelsverband in der ganzen Diskussion um das FOC und die Erweiterung relativ zurück.

Gab es einen Punkt oder ein Argument, mit dem Herr Dankbar Sie letztlich von seiner Idee überzeugt hat?

Melis: Er hat sehr einleuchtend die Daseinsberechtigung für FOCs beschrieben und zudem deutlich gemacht, dass das notwendige Einzugsgebiet hier in Nordwestdeutschland vorhanden ist. Und wenn so etwas ganz überzeugend dargestellt wird, dann ist man schnell an dem Punkt, zu sagen, wenn so ein Outlet in unsere Region kommen soll, warum dann nicht hier nach Ochtrup. Wir hatten ja gute Argumente, beispielsweise was die Erreichbarkeit angeht. Die kleine Stadt Ochtrup ist geradezu ideal an das überregionale Straßennetz angebunden.

Sie waren in den Umsetzungsprozess inklusive der vielen Gutachten und gerichtlichen Auseinandersetzungen sehr eng eingebunden. Gab es da einen Moment, in dem Sie gedacht haben, das wird nichts mehr mit der Umsetzung?

Melis: In der ersten Phase bis 2004, also der Schaffung von 3500 Quadratmetern Verkaufsfläche, nicht so sehr. Eng wurde es, als das Land sein Planungsrecht änderte und sagte, in Städten unter 100 000 Einwohnern dürften maximal 5000 Quadratmeter dieser Art von Verkaufsfläche entstehen. Das war ein richtiges K.o.-Kriterium, über das man auch nicht diskutieren konnte. Das war wie eine feste Schranke. Da standen wir – wenn das Land sich hätte durchsetzen können – vor dem Aus, was die Erweiterung angeht. Glücklicherweise hat dann der Verfassungsgerichtshof in Münster geurteilt, die Haltung des Landes sei nicht hinreichend begründet; das neue Planungsrecht in diesem Punkt unwirksam.

Glauben Sie, dass sich ein solches Outlet Center, insbesondere dessen Erweiterung mit dem langen Weg durch die juristischen In-stanzen, auch mit einem externen Investor, der anders als die Familie Dankbar nicht in Ochtrup verwurzelt ist, hätte realisieren lassen?

Melis: Ich weiß es nicht; diese Erfahrung haben wir nicht machen müssen. Ich weiß nur, dass eine Stadtverwaltung auf Beharrlichkeit angelegt ist, nicht auf Schnelligkeit. Ein Unternehmen dagegen muss sich am Markt orientieren, wo die Bedingungen heute so und morgen vielleicht schon wieder völlig anders sind. Viel Zeit ist da nicht. Und vor dem Hintergrund hat es sicher nicht nur mich erstaunt, wie beharrlich und zielstrebig die Familie Dankbar den Prozess bis zum heutigen Outlet Center betrieben hat – von 2002 bis heute, das sind zehn Jahre. Und die waren ja nun bestimmt kein Zuckerschlecken. Alle Achtung, das hat mich tief beeindruckt.

Sie haben die Nachnutzung der Industriebrache Laurenz-Areal eben bereits angeschnitten. Hatten Sie für den Bereich samt der Gebäude eigentlich einen anderen, einen realisierbaren Plan?

Melis: 1990, also zu Zeiten als die van Delden-Aktiengesellschaft noch von den Griechen Piraiki-Patraiki gehalten wurde, bekamen wir von der Firmenleitung zum ersten Mal die Aufforderung, gemeinsam mit der Firma Vermarktungschancen auszuloten. Damals war Wolfgang Clement noch Wirtschaftsminister im Kabinett von Johannes Rau. Zusammen mit dem Land, der Bezirksregierung und dem Kreis haben wir über Jahre versucht, geeignete Lösungen zu finden.

Die Idee, dort in die Denkmäler das Rathaus reinzusetzen, war dann so eine Art Notlösung. Der Stadtrat tat sich unglaublich schwer mit dieser Idee, auch aus Kostengründen. In Bewegung geraten ist das Ganze erst 1998/99. Damals war die Überlegung, insbesondere weil die Denkmäler in ihrem Zustand inzwischen geradezu um Hilfe schrien: Dann müssen wir vielleicht doch das Rathaus da hineinsetzen und das Umfeld umgestalten – mit Tendenz zur gewachsenen Innenstadt. Die Gedanken über eine Nutzung des Beltmanbaus als Rathaus gingen erst zu Ende, als das Outlet erweitern wollte. Das war 2006.

War das eine Art Erlösung aus Ihrer Sicht?

Melis: Der Stadt hätte nichts Besseres passieren können.

Die Umlandkommunen sehen das weitaus kritischer. Hat sich nach dem Okay für die Outlet-Erweiterung in Ochtrup das Verhältnis zu Ihren Bürgermeister-Kollegen verändert?

Melis: Das grundsätzliche, also das zwischenmenschliche Verhältnis ist dadurch nicht beeinträchtigt worden. Bezogen auf das Projekt sieht das naturgemäß anders aus. Da gab und gibt es natürlich Befürchtungen, wie die Auswirkungen auf den jeweiligen Ort sind.

Das Stichwort Stadtrat ist eben bereits gefallen. Umreißen Sie doch einmal dessen Haltung in der Diskussion um die Outlet-Erweiterung.

Melis: Ich hatte schon meine Bewunderung für die Beharrlichkeit der Familie Dankbar zum Ausdruck gebracht. Gleiches gilt auch für den Stadtrat. Bei der Rathausüberlegung war man keineswegs einer Meinung, aber was das FOC angeht, stand der Rat die ganze Zeit wie ein Mann dahinter – über alle Parteigrenzen hinweg. Das war wichtig.

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