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Umgang mit Medien im Kindergarten

Digitale Biene und analoge Raupe

Ochtrup

Smartphone, Tablet und Co. kennen selbst viele Dreijährige schon: Im Caritas-Kindergarten „Der Kleine Prinz“ läuft daher gerade ein Projekt mit dem Schwerpunkt „digitale Medien“ an. Dabei kommt unter anderem eine besondere Biene zum Einsatz.

Anne Steven

Digitaler Kita-Gast: Mit dieser Biene können Kinder das Programmieren üben. Foto: Steven

Pia ist gerade einmal drei Jahre alt. Doch die Digitalisierung ist bei der Kleinen schon voll angekommen. Gekonnt wischt sie mit dem Finger übers Smartphone ihrer Mutter. Was Youtube-Videos sind, weiß sie auch schon, und auch sonst kennt sie sich bereits bestens aus mit digitalen Medien.

„Wenn man so etwas sieht, rutscht man schnell in die Schiene, digitale Medien verteufeln zu wollen“, weiß Claudia Lewejohann aus eigener Erfahrung. Doch genau das möchte die Leiterin des Caritas-Kindergartens „Der kleine Prinz“ gerade nicht. Denn: Der Kindergarten hat einen Bildungsauftrag, der sich an der realen Lebenswelt der Kinder orientiert. „Ich muss mich also mit dieser Lebenswirklichkeit auseinandersetzen. Und dazu gehören nun mal digitale Medien“, betont sie. Gerade dann, wenn sie mitbekomme, dass beim Umgang mit diesen Medien etwas falsch läuft, sei es wichtig, daran zu arbeiten und den Kindern gute Beispiele mit auf den Weg zu geben.

Im Caritas-Kindergarten läuft dazu gerade ein Projekt mit genau diesem Schwerpunkt an. Die Idee: Digitale Medien in den pädagogischen Kita-Alltag inte­grieren und so die altersgerechte Medienkompetenz fördern, den Kindern den verantwortungsbewussten Umgang mit Medien vermitteln und – ganz nebenbei – auch noch Kreativität und Kommunikationsmöglichkeiten ausweiten. Als Basis soll ein medienpädagogisches Konzept dienen.

Auch Tablets werden in dem Kindergarten genutzt. Foto: Anne Steven

„Der kleine Prinz“ hat dafür bereits Fördergelder – insgesamt 6000 Euro – akquiriert. Doch dieses Geld blindlings in irgendwelche Medien zu investiere, wollen die Verantwortlichen nicht. Das Preisgeld hat die Einrichtung bei dem Ideenwettbewerb „Die digitale Agenda der Caritas“ des Diözesan-Caritasverbandes Münster gewonnen. Leiterin Claudia Lewejohann kombiniert es nun geschickt mit dem Projekt „Sprachschatz, Bibliothek und Kita Hand in Hand“, bei dem „Der kleine Prinz“ ebenfalls mitmacht. Das zweite Projekt hat sich die Förderung der (mehr-)sprachigen Bildung und die Heranführung an lesefördernde Kompetenzen unter Nutzung digitaler Medien auf die Fahnen geschrieben. Das heißt konkret: Die Kinder im „kleinen Prinzen“ haben die Möglichkeit, digitale Medien auszuprobieren.

Claudia Lewejohann

Schon jetzt werden diese Medien von den Mädchen und Jungen ganz selbstverständlich genutzt – immer unterstützt und begleitet von den Erziehern. Ein Beispiel: In einer der Gruppen stand jüngst das Thema Raupen auf dem Programm. Die Kinder sammelten in

der Natur die kleinen Tierchen und brachten sie in Beobachtungsboxen unter, um sie dort genauer unter die Lupe zu nehmen. Erst mal alles reichlich analog. Doch dann tauchte die Frage auf, mit welcher Raupe sie es denn gerade zu tun haben. „Das kann man im Internet natürlich viel schneller herausfinden“, erzählt Claudia Lewejohann. Via Tablet mit Hilfe der Google-Suche und damit voll digital beantwortete ihre Kollegin die Fragen der Kinder. Das Buch „Die Raupe Nimmersatt“ wollten die Kinder trotzdem gerne anschauen. Und als aus der analogen Raupe ein Schmetterling schlüpfte, wurde er ganz schnell in die Freiheit entlassen – nicht ohne vorher mit dem Tablet ein Erinnerungsfoto zu machen. Digital und analog in trauter Zweisamkeit nebeneinander.

Damit das klappt, müssen sich auch die Erzieherinnen umstellen und auf die neuen Medien einlassen. „Das ist manchmal gar nicht so einfach“, sagt Claudia Lewejohann und lacht. Hat sie doch auch manchmal Probleme bei der Bedienung der neuen Technik. Doch sie möchte diese Herausforderung angehen.

Ganz analog: Eine Erzieherin schaut sich mit zwei Kindern einen Kokon an, aus dem am Morgen ein Schmetterling geschlüpft ist. Foto: Anne Steven

Jüngst baute sie in der Kita ein weiteres Medium aus dem Fundus der Bücherei auf: eine digitale Biene, mit der die Kinder sich im Programmieren üben konnten. Das Tier muss über ein Feld geleitet und dafür programmiert werden. Eines der Kinder sei sprachlich noch nicht auf dem Entwicklungsstand seiner Altersgenossen gewesen. Doch wie das Programmieren funktioniert, habe der Steppke als einer der Ersten begriffen. „Das sind tolle Erfolgserlebnisse“, weiß Claudia Lewejohann, dass mit den digitalen Medien auch das logische Denken und die sogenannten mathematischen Vorläuferfähigkeiten gefördert werden können.

Sie und ihre Kolleginnen verstehen sich als Alltagsbegleiterinnen der Kinder. Und da kommen sie an digitalen Medien schlichtweg nicht vorbei. Das bezieht sich übrigens manchmal auch auf die Kommunikation mit den Eltern. Denn so manche Väter oder Mütter ließen sich bestimmt einfacher per WhatsApp erreichen als persönlich oder telefonisch. Doch wie auch bei den Kindern sei der direkte Kontakt dann doch durch nichts zu ersetzen.

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