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Weihnachten in Indien

Ein farbenfrohes Fest der Freude

Ochtrup

Indische Christen begehen Weihnachten als ein buntes Fest der Freude. Welche Bräuche es in seiner Heimat gibt, erzählt Pfarrer Jyothish Joy – und verrät auch, warum Weihnachten für seine Familie gleich ein doppelter Festtag ist.

Irmgard Tappe

Pastor Jyothish Joy berichtet, wie in Indien Weihnachten gefeiert wird. Foto: Irmgard Tappe

Der Dezember ist der Monat, in dem die Menschen in Indien ihre Häuser mit Sternen schmücken. „Wie in Deutschland der Adventskranz, so ist in meiner Heimat der Stern das traditionelle Adventssymbol. Vor jeder Haustür hängt während dieser Zeit ein Stern“, bemerkt Pfarrer Jyo­thish Joy.

Er stammt aus Kerala, einer christlich geprägten Region im Südwesten Indiens. „Bei uns leben 35 Prozent Christen und 35 Prozent Hindus. Die übrigen Bewohner Keralas gehören anderen Konfessionen an.“ Pfarrer Joy erzählt, dass zwischen den Religionen eine sehr schöne Gemeinschaft bestehe, in der auch verschiedene weihnachtliche Rituale gemeinsam gepflegt werden.

Für die Katholiken beginnt Weihnachten mit der Mitternachtsmesse am Heiligen Abend. Im Anschluss an diesen Festgottesdienst versammeln sich Christen, Hindus und andere Religionen auf dem Kirchplatz. „Die Menschen schenken einander Christmas Cake und die jungen Leute begrüßen das Weihnachtsfest mit Böllerschüssen“, sagt Pfarrer Joy.

Nach dieser Zeremonie wartet daheim ein nächtliches Festmahl. Weihnachtsgans oder Sauerbraten kommen dann allerdings nicht auf den Tisch. „Das traditionelle Weihnachtsgericht in meiner Heimat ist Fleischcurry, und als Beilage gibt es kleine Pfannkuchen, aus Reismehl gebacken“, erzählt der Geistliche von dem Traditionsgericht, das die Menschen in Kerala in der Heiligen Nacht genießen. „Nachdem wir 24 Tage auf Fleisch verzichtet haben, ist dieses Fleischcurry für uns eine besondere Delikatesse“, weist Pfarrer Joy auf die adventliche Fastenzeit der indischen Christen hin.

Eine Bescherung am Heiligen Abend sei allerdings in Indien nicht üblich. „Weihnachten ist bei uns nicht das Fest der Geschenke, sondern das Fest der Geburt Christi. Dieses Ereignis steht im Mittelpunkt. Wir feiern es gemeinsam als Zeichen der Freude“, betont Pfarrer Joy und erzählt von den zahlreichen Brauchtümern, die sich um die indische Weihnacht ranken. Ein Höhepunkt am Ersten Weihnachtstag ist eine Aktion der Jugendlichen, die sich sehr aktiv am Kirchenleben beteiligen.

Pfarrer Joy veranschaulicht die Zeremonie durch ein Handy-Video. Es zeigt eine große Menschenmenge auf einem öffentlichen Platz. Rhythmische Musik erklingt und verschiedene Jugendgruppen erfreuen die Besucher mit flotten Choreografien und stimmungsvollen Weihnachtsliedern und dem „Ramtamtamtam“ eines Trommlers. Nach der Show brechen alle zu einem Weihnachtsumzug durch die Stadt auf.

Am Abend des Ersten Weihnachtstages pflegen die Menschen in Kerala ein weiteres Ritual in ihren Nachbarschaften. „Dann ziehen wir mit einem Jesuskind von Haus zu Haus, um uns die Krippen anzuschauen und um Chrismas Cake zu verteilen. Wir legen die Jesusfigur in die jeweilige Krippe und beten und singen.“ Pfarrer Joy denkt gern an diese fröhlichen und zugleich religiösen Aktionen in seiner Heimat zurück.

„In meiner Familie“, sagt er, „ist Weihnachten sogar ein doppelter Festtag. Dann hat meine Oma Geburtstag.“ Der Geistliche strahlt, als er von den Familientreffen im Hause seiner Großeltern erzählt. Onkel und Tanten, Cousinen und Cousins kommen dort zusammen, sofern sie nicht eine allzu weite Anreise haben. „Dann ist das Haus natürlich voll, denn meine Oma hat sieben Kinder“, meint er lachend. Die Oma sei stets glücklich gewesen im Kreise ihrer großen Familie, erinnert er sich. In diesem Jahr werde sie 88 Jahre alt. Sie bedauere, dass die Familientradition wegen Corona ausfallen muss. Doch die Krippe wird Pfarrer Joys Oma wohl aufstellen. Und vielleicht auch einen bunt geschmückten Christbaum. Aber keine Tanne. Denn die würde bei Temperaturen von über 20 Grad schnell ihre Nadeln verlieren. Die Inder schmücken zum Weihnachtsfest die Zweige von Palmen oder Mangobäumen mit bunten Lichtern, buntem Lametta und bunten Kugeln. „Bei uns ist Weihnachten ein buntes Fest der Freude über die Geburt Christi“, beschreibt der Geistliche die Farbenpracht der indischen Weihnacht.

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