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Jedes Bienenvolk hat seinen eigenen Charakter

Ein Imker und wunderbarer Erzähler

Ochtrup

Man könnte glauben, Hermann Heinendirk wäre bei Alfred Hitchcock in die Schule gegangen. Ist er aber nicht. Aber der 61-jährige Imker kann ebenso spannend erzählen.

Bettina Laerbusch

Leidenschaftlich kümmert sich Hermann Heinendirk um seine Völker. Foto: Bettina Laerbusch

Man könnte glauben, Hermann Heinendirk wäre bei Alfred Hitchcock in die Schule gegangen. Nein, der Mann dreht keine Filme. Er beschäftigt sich auch nicht mit Mord und fiesem Psychoterror. Aber er kann genauso spannend erzählten wie der Altmeister. Warum ist die Königin durch eine andere „Frau“ ersetzt worden? Warum leben die „Wasserholer“ nur so kurz? Warum braucht ein Volk die eigentlich? Man könnte dem 61-Jährigen stundenlang zuhören. Die Zeit vergeht wie im Flug. Flug ist überhaupt das richtige Stichwort: Heinendirk spricht über Völker, über Bienenvölker.

Wer ihn in der Bauerschaft Oster besucht, merkt sofort: Klischees bedient dieser Mann nicht. Keine weiße Schutzkleidung. Keine Pfeife. Stattdessen unscheinbare grüne und weiße Kisten, in denen die Völker leben. Diese Kästen stehen allerdings in einer traumhaft schönen Landschaft. Nur Vögel sind zu hören. Manchmal das leise Summen der Bienen. Manchmal der Wind. Wenn Hermann Heinendirk die Bienenkästen öffnet, macht er das im kurzärmligen Hemd und ohne Handschuhe. Er kennt seine Völker. Er weiß genau, wie man sie gut behandelt. „Jedes Volk hat seinen eigenen Charakter“, sagt er. „Das eine ist hibbelig“, fährt der 61-Jährige amüsiert fort, als er in das fragende Gesicht seiner Zuhörerin blickt, „das andere ist ruhig – eines ist fleißig, das andere faul.“

Vor rund 40 Jahren hatte Heinendirk keine Ahnung von Bienen. Damals bekam er von seinem Schwiegervater zwei Völker geschenkt. „Große Begeisterung stellte sich zunächst nicht ein“, sagt er und schmunzelt. Heute ist er leidenschaftlicher Imker, fährt mit seinen Völkern sogar durch die ganze Republik, lässt sie zum Beispiel im Sommer in Brandenburg, Neustadt an der Weinstraße oder Münster Blüten bestäuben.

Münster? Warum fährt man in eine große Stadt mit viel Lärm und Verkehr, wenn die Blütenwelt zu Hause doch viel üppiger ist? Ist sie eben nicht unbedingt. „In Münster“, erklärt Heinendirk, „gibt es viele Linden“ – für den Lindenblütenhonig, den er in seiner Basisstation in Ochtrup, Oster 514, selbst herstellt.

Und was wächst in Brandenburg so Besonderes? „Akazien“, kommt sofort die Antwort. In Neustadt an der Weinstraße sind es die Kastanien, im Emsland ist es die Heide, in der Soester Börde der Raps.

Mit ihren Völkern wandern, sagt Heinendirk, würden nicht viele Imker. 60 000 bis 80 000, schätzt er, gebe es bundesweit. „Würden die alle streiken und ihre Arbeit einstellen, wäre Deutschland in drei bis vier Jahren bienenfrei.“ Obst, stellt Heinendirk klar, würde es auch dann noch geben. Schließlich gibt es andere Bestäuber. Den Wind zum Beispiel. Doch die Ernten wurden deutlich geringer ausfallen.

Schulklassen haben den Imker schon besucht, Vereine haben es getan. Am Sonntag (21. September) kann jeder, der (Krimi)-Geschichten über Bienenvölker hören möchten, zur Basisstation in der Oster fahren. Heinendirk lädt dort von 10 bis 18 Uhr zum „Hoffest“ ein, möchte mit vielen Gästen Geburtstag feiern: den 40. „Ich biete Führungen an und gebe Erläuterungen zu meinem Betrieb. Honig und Honigprodukte können verkostet werden. Es gibt Kaffee, Kuchen und Waffeln. Wer es deftig mag, dem kann mit Bratwurst und selbst gebackenem Brot samt Honigsenf geholfen werden“, verspricht er. Heinendirk freut sich spürbar auf die Besucher.

Zelte werde er aufbauen, so dass die Gäste auch dann schöne Stunden in der Oster verbringen können, wenn es regnen sollte. In einer Scheune wird der Film „More than honey“ gezeigt, eine Produktion, bei der spektakuläre Aufnahmen von Bienen entstanden sind. Eine Hüpfburg hat Heinendirk organisiert. Er bittet alle, die ihn am Sonntag besuchen, möglichst mit dem Fahrrad zu kommen. „Es stehen aber auch Parkmöglichkeiten für Autos zur Verfügung.“

Übrigens: Ein paar dieser romantischen Körbe, mit denen Nichtkenner der Szene Bienen in Verbindung bringen, besitzt auch Heinendirk. Und sie sind bewohnt! Doch mit diesen Körben, sagt er, arbeiteten Imker heute nicht mehr. Das sei viel zu unpraktisch.

Hermann Heinendirk
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