Wäscherei Papenberg

Eine Perle in der Hauswirtschaft

Ochtrup

Waschen, falten, bügeln oder mangeln - Eckhard Papenberg ist Spezialist in diesen Dingen. Nicht nur als Inhaber seiner eigenen Wäscherei.

Susanne Menzel

Eckhard Papenberg wäscht, faltet, bügelt und mangelt – und das aus Leidenschaft. 1979 eröffnete der gelernte Schriftsetzer mit Ehefrau Christine seine Wäscherei. Foto: Susanne Menzel

Es gibt Ehemänner; es gibt die besten Ehemänner von allen – und es gibt die Perlen unter dieser Spezies. Zu denen zählt unumstritten auch Eckhard Papenberg. Was Ehefrau Christine gerne bestätigt. Denn ihr Angetrauter hat seinen Geschlechtsgenossen eines voraus: Er kann perfekt waschen, bügeln und mangeln. Und diese Arbeiten erledigt er keineswegs widerwillig mit langem Gesicht, sondern mit Leidenschaft.

Aber mal zurück zu den Wurzeln. Wäsche, das ist und war nicht nur Eckhard Papenbergs Faible. „Ich habe in den Ferien immer bei meiner Tante Käthe Wulf, die mit ihrem Mann Josef Mitte der 50er Jahre die Wäscherei in der Pastorat am Kirchplatz in Ochtrup eröffnet haben, ausgeholfen“, erzählt die 67-jährige Christine Papenberg. Sie selbst war auf einem Bauernhof aufgewachsen „und da hatte jeder seine Arbeit. Ich habe mir die Wäsche ausgesucht. Für die war ich ja, so mein Verdacht, später als Hausfrau mit Kindern ohnehin zuständig“, schmunzelt sie.

Nachdem sie ihren Eckhard geheiratet hatte, war der zunächst als Schriftsetzer in einem Verlag in Bad Gandersheim tätig. Die kleine Familie wuchs, zwei Kinder kamen zur Welt. Eckhard Papenberg sollte später in seinem Beruf dann in eine andere Druckerei wechseln, die sogar übernehmen. Doch es kam anders als gedacht. „Onkel Josef erzählte auf einer Familienfeier, dass er seine Wäscherei verkaufen will. Da haben wir nicht lange überlegt: Das wäre doch was für uns, war unser Gedanke“, blickt Christine Papenberg zurück. Nach einer Probewoche im Sommer war alles klar: „Wir wollten aus dem Harz nach Ochtrup ziehen und dort mit der Wäscherei in Eigenregie starten“, sagt die Chefin. Der Umzug im Dezember des Jahres, im schneereichen Winter in eine Wohnung über dem Betrieb ohne Heizung – dafür allerdings mit zwei Kohleöfen – war alles andere als ein glatter Neustart. Dennoch ging die Eröffnung der Wäscherei Papenberg am 1. Januar 1979 am Kniepenkamp 13 glatt und faltenfrei über die Bühne.

Waschmaschinen und Trockner, die heute schon zur Standardausrüstung in jeder Studentenbude zählen, waren damals noch Mangelware. Kaum eine Familie, die selbst auf solch ein elek­trisch angetriebenes gutes Stück zählen konnte. Entsprechend hoch war die Nachfrage aus der privaten wie auch aus der gewerblichen Kundschaft. Haushaltswäsche holten die Papenbergs mit ihrem Bulli ebenso ab wie Gardinen (die noch eigens auf einen Rahmen gespannt wurden), Bettwäsche aus den Wohnheimen der Gebrüder Laurenz, Handtücher bei Spinnereien und Webereibetrieben oder Tischdecken und Stoffservietten von den Gaststätten. Im Haus der Papenbergs türmten sich die Wäscheberge. Und die Maschinen? „Die waren mit Gasheizung sowie manuellem Wasserzu- und -ablauf ausgestattet“, lacht Eckhard Papenberg. „Mit Gummischürze und Gummistiefeln ausgestattet, mussten wir die triefnassen und schweren Teile in die große, separate Schleuder hieven“, erzählt er fröhlich, wenn er an alte Zeiten zurückdenkt. Von dort aus wurden die Stoffteile in Körben über eine Zugtreppe zum Trocknen auf den Dachboden gebracht. Trockner und Mangel gab es natürlich auch – sie waren aber noch mit offenen Gasflammen ausgestattet und mussten morgens angezündelt werden. „Die Arbeit früher in der Wäscherei war schon schwer“, gibt Christine Papenberg zu. „Die Ölkanne musste damals noch stets auf den mechanischen Maschinen stehen, die älter waren als wir selbst.“ Ihr gutes „Schätzchen“ war in den Anfängen eine „echte Miele“, die heute im Museum des Herstellers steht.

„Ohne Mitarbeiter war und ist das Wäscherei-Geschäft nicht zu bewältigen“, sagt das Ehepaar. „Anfangs haben sie uns beigebracht, was wie zu tun ist. Wie sortiert, gewaschen, gemangelt, gebügelt, eingepackt und ausgeliefert wird. Und sie halfen uns weiter, wenn wir bei den Kunden mal wieder das Ochtruper Platt nicht verstanden haben. Zwischenzeitlich standen uns 15 Helferinnen und Helfer zur Seite“, sind die beiden für die jahrelange Unterstützung dankbar. Monika Hülsbeck etwa ist mit 14 Jahren in der Wäscherei angefangen – und seit über 50 Jahren dabei. Elisabeth Holtmannspötter hält dem Betrieb seit 35 Jahren die Treue, Evelyn Lendzion seit 30 Jahren. Komplettiert wird das eingeschweißte Team zudem durch Marlies Kempers und Angelika Leuster.

Vieles hat sich seit den Jahren, in denen die Papenbergs die Wäsche der Ochtruper sauber halten, geändert. Die Waschmaschinen und Trockner sind inzwischen komfortabler, das Mangeln und Bügeln geht mit neuester Technik leichter von der Hand. Geblieben ist der Anspruch: „Wir haben für alles eine Lösung. Wir waschen, reparieren und zu uns kann man selbst dann kommen, wenn man nur zwei Socken bringen will“, betonen Christine und Eckhard Papenberg.

Durch den Wandel der Tischkultur werden Decken heute fast nur noch zu festlichen Anlässen aufgelegt. Die Garderobe ist anspruchsvoller geworden, festliche Kleidung oder Uniformen sind häufiger bei Reinigungswünschen dabei. „Bei vielen Kunden müssen wir gar kein Schildchen mehr als Kennzeichnung anheften. Da wissen wir, wer mit was zusammengehört“, verrät die Wäschereibesitzerin ein kleines Betriebsgeheimnis.

Ja, und was geblieben ist aus all den Jahren, aus der langen, langen Berufserfahrung?

Die Leidenschaft für saubere Wäsche, die keine Stunden zählt und manchmal auch keinen Feierabend kennt. Und die „Perle“ eines Ehemannes namens Eckhard Papenberg, der wäscht und bügelt und mangelt.

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