Haushaltsrede der FWO

Einnahmen sichern

Ochtrup

Für die FWO bezog Fraktionschefin Claudia Fremann Stellung zum Zahlenwerk. Im Folgenden ihre Haushaltsrede im Wortlaut.

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Claudia Fremann Foto: FWO Ochtrup

„Ochtrup erlebt neue Zeiten! Ochtrup erlebt bisher unbekannte, neue, herausfordernde, sehr anstrengende, aber auch wieder Zuversicht gebende Situationen in diesen Monaten. Wohl kaum einer hätte bei den letzten Haushaltsberatungen auch nur ahnen können, was das Jahr 2020 mit unserer Stadt macht. Die Corona-Pandemie hat uns immer noch fest im Griff, zeigt uns Grenzen auf und stellt Ochtrup vor Aufgaben, die große Anstrengungen und einen immer noch andauernden Kraftakt erfordern.

Mit meinem Dank für die gute Arbeit in der Stadtverwaltung und bei den Stadtwerken beende ich normalerweise meine Haushaltsrede, aber nun möchte ich – geprägt von den letzten Wochen und Monaten – diesen Dank allen anderen Worten voranstellen. Seit März 2020 (natürlich auch vorher, aber seitdem ganz besonders) stellen Sie in mehr als schwierigen Zeiten das Leben und den Betrieb in Ochtrup und von Ochtrup sicher, machen Bürgerservice möglich, stellen – soweit erlaubt – Schulbetrieb sicher, bauen weiter Straßen, eröffnen pioniermäßig Freibäder, betreiben tapfer Stadtmarketing und ziehen im Herbst so nebenbei noch eine Kommunalwahl durch, wohlgemerkt mit zwei Wahlgängen!

Winter stellt Ochtrup auf die Probe

Und zu guter Letzt kommt auch noch Frau Holle daher und verwandelt Ochtrup in eine für so manches Schulkind völlig unbekannte Winterlandschaft und stellt insbesondere den Baubetriebshof, Stadtwerke, Feuerwehr und Rettungsdienst extremst auf die Probe. Man konnte dann den Eindruck gewinnen, dass man gerade am Baubetriebshof nur darauf gewartet hat, der ganzen Welt zu zeigen, wie Ochtrup mit Schnee umgehen kann. Gemeinsam mit den Ochtruper Landwirten, der Feuerwehr und dem Rettungsdienst hat man dem Schnee die Harke gezeigt und im Vergleich zu vielen anderen Städten schneller als irgendwo in Ochtrup wieder Mobilität ermöglicht. Herzlichen Dank dafür und für Ihre Arbeiten in den letzten Monaten!

Wir wünschen Ihnen – und uns – mit Ihrer neuen Chefin im Haus eine gute Zusammenarbeit und wir sind uns sicher, mit ihr nun eine gute Teamplayerin und Motivatorin an der „Spitze der Bewegung“ zu haben. Im Übrigen ist die Bürgermeisterin nicht nur unsere Bürgermeisterin, sondern die Bürgermeisterin aller Ochtruper. Das Ergebnis der Wahl spricht da eine deutliche Sprache.

Mit Kassensturz zu lange gewartet

Aber nun zum Haushalt. Auch hier spielt Corona eine große Rolle, aber… nicht nur! Und das dürfen wir auch nicht zulassen! Wir haben in Ochtrup große zukünftige Aufgaben, auf die wir uns vorbereiten müssen und die wir stemmen müssen. Erste Grundsteine haben wir in den letzten Jahren gelegt. Wir haben Entscheidungen zur Stärkung unserer Infrastruktur, unserer Schulen und – noch sehr präsent – unserer Feuerwehr getroffen, die allesamt Ochtrup zukunftssicher machen werden. Aber… wer soll’s bezahlen?

Es ist ziemlich naiv zu glauben, dass Investitionen von insgesamt fast 20 Millionen Euro für OGSs, Grundschulen und Feuerwehren mit einem „Weiter so“ zu machen sind. Viel zu lange haben wir mit einem Kassensturz gewartet und sind dem unangenehmen Thema der Steuererhöhung aus dem Weg gegangen.

Just am Montag im RPA haben wir zwei Schlüsselsätze von Herrn Jürgens gehört: „Es wird zukünftig schwieriger, aus eigener Kraft Investitionen zu tätigen!“ und „Da zeigt sich, dass Sie ein Liquiditätsthema haben.“ Höflicherweise hat er „Thema“ gesagt. Er hätte es klar auch „Problem“ nennen können.

Wie wollen wir die Investitionen in Zukunft finanzieren? Wo kommen die liquiden Mittel her? Die reinen Corona-Buchungstricks zum Schönrechnen des Haushalts funktionieren nicht, wenn es um Zahlungsmittel geht. Investitionen ohne Eigenkapital bedeuten nichts anderes als Schulden!

Liebe Mitstreiter, benennen Sie es bitte, wie es ist! Erklären Sie bitte auch den nachfolgenden Generationen, warum Sie Entscheidungen mitgetroffen haben, für die nicht die liquiden Mittel da waren, und warum Sie auf 1,5 Millionen Euro verzichten können.

Natürlich tut es uns auch weh, für Ochtrups Bürgerinnen und Bürgern eine höhere Grundsteuer festzulegen. Natürlich tut es uns weh, auch die Hebesätze der Gewerbesteuer anzutasten. Aber wir müssen die Einnahmeseite verlässlich sichern, und in diesem Jahr wird das unangenehme Instrument der Steuererhöhung wohl kaum zu vermeiden sein. Zu diesem Ergebnis wird auch die Steuerungsgruppe kommen.

Es hat sich ja diesbezüglich auch jahrelang nichts getan. Jahrelang gab es keine Erweiterung von Gewerbeflächen, jahrelang wurde sich auf den Grundlagen des Weinerparks ausgeruht. Was war da los? Dass es anders geht, konnten wir schon in der konstituierenden Ratssitzung sehen, als wir einem Grundstückserwerb zustimmen durften, der uns auch mal wieder Perspektive für unsere Gewerbegebiete gibt.

Auch Leistungsfähigkeit zählt

Zugegeben, bei der Einbringung des Haushalts haben wir auch geschluckt, als es hieß, die Grundsteuer B soll um knapp 50 Prozent (und ich rede hier nicht von Punkten) erhöht werden. Am Ende trifft diese Steuer jeden und alle. Die Hausbesitzer wie Mieter, Jung wie Alt. Und die ersten Reaktionen aus der Bevölkerung ließen nicht lange auf sich warten. Beim Bäcker, am Essenstisch, per WhatsApp.

Wir möchten gerne das Ausmaß abmildern, aber für Alternativen gibt es eben nicht mehr viele Optionen. Wir haben lange diskutiert, ob wir in diesen Zeiten tatsächlich auch an die Gewerbesteuer gehen wollen, oder ob es vielleicht ein falsches Signal ist. Schließlich haben wir uns aber doch dafür entschieden, denn wir sind der Auffassung, dass auch die Leistungsfähigkeit zählt, wenn es um die Beiträge zu einer soliden Grundlage für Ochtrups Zukunft gilt. Eigentlich hätten wir solche Positionen auch noch von anderen Parteien erwartet.

Natürlich haben wir auch geprüft, ob man in direkter Nachbarschaft zu Wettringen, Gronau und auch Niedersachsen diese Zeichen setzen kann, aber … die Gewerbesteuer ist schon länger nicht mehr das einzige Kriterium zur Ansiedlung von Unternehmen. Es ist das Flächenangebot, es ist die Verkehrsinfrastruktur, es sind die Arbeitskräfte, es sind die Bildungsangebote. Und nicht zuletzt ist es auch die Betreuung durch die kommunalen Vertreter, und zwar bis in die Spitze. Und hier werden wir von der Diaspora zu blühenden Gegenden kommen, wenn ich mal in diesen Bildern sprechen darf.

Immer noch im Kreisschnitt

Und wenn wir die Steuererhöhungen in dem Maße durchführen, wie von uns vorgeschlagen, befinden wir uns immer noch im Schnitt des Kreises Steinfurt. Schaut man in die anderen Haushalte, und das habe ich bei allen Kommunen getan, so ist es möglicherweise nur noch eine Frage der Zeit, bis auch diese nachziehen. Selbst Wettringen kann dauerhaft geringe Hebesätze nicht weiter versprechen, so war zu lesen.

Wir brauchen Planungssicherheit und dürfen nicht mehr an die Substanz gehen, die da bei uns schon lange nicht mehr Ausgleichsrücklage, sondern Allgemeine Rücklage heißt. Zeit, einige Ausgaben auf den Prüfstand zu stellen und deren Notwendigkeit zu hinterfragen. Dem Antrag der FDP können wir in diesem Punkt zustimmen, wenngleich meine eigene Erfahrung aus der Sparkommission die ist, dass man die „dicken Fische“ eben nicht einspart (ebenfalls übrigens mit Herrn Kanski). Aber lassen Sie es uns transparent machen, eine konspirative Steuerungsgruppe brauchen wir nicht, das Steuerungsgremium für Ochtrup sind wir alle, wie wir hier sitzen.

Aber ist es denn nicht auch eigentlich Pflicht jeder Fraktion, in ihren Beratungen auch nach Einsparpotenzial zu suchen? Wir jedenfalls haben nicht noch weiter kostenintensive, das Geld sprichwörtlich im Boden versenkende Anträge gestellt, die jetzt zur völligen Unzeit kommen. Nein, wir haben uns damit beschäftigt, wie man nachhaltig mehr Fördergelder akquirieren kann.

Es gibt Beispiele anderer Kommunen, die sich von einer hoch verschuldeten Stadt zu einer mit beruhigender Ausgleichsrücklage entwickelt haben, weil sie Kompetenzen in der Verwaltung gebündelt haben, Förderprogramme gezielt zu nutzen und so eigene Ausgaben zu begrenzen. Wir müssen uns da besser, noch besser aufstellen, von der Bankette bis zur Sportstätte ist vieles möglich! Wenn die Verwaltung zunächst der Meinung ist, dies ohne neue Stellenanteile schaffen zu können, so freut es uns umso mehr. Aber wir werden das beobachten und die Kennzahl genutzter Förderprogramme und akquirierter Gelder durchaus messen.

Mit anderen Kommunen messen

Apropos messen: Messen wir unsere Ausgaben und Einnahmen doch einmal auch an anderen Kommunen. „Benchmarking“ heißt hier das Stichwort, und wir sollten auch die GPA nutzen, die uns hier schon einiges an Kennzahlen geliefert hat, aber durch stetige Analysen ihr Set immer noch erweitert. Lassen Sie uns doch vergleichen, um eine Orientierung für Einnahmen und Ausgaben zu bekommen. Unterschiede lassen sich sicherlich auch manchmal begründen, aber in vielen Fällen sollten sie Anlass zur Prüfung geben.

Das hilft uns auch bei zukünftigen Personalplanungen. In diesem Jahr sind es 4,54 Stellen, die zusätzlich geschaffen werden. Ich wiederhole gerne meine Worte vom letzten Jahr, dass angesichts des demografischen Wandels eine Perspektive für und mit jungem Personal sehr wichtig ist. Aber die Übernahme von jungem Personal und ein dennoch konstanter Stellenplan schließen sich nicht unbedingt aus. Hier gibt es Instrumente der Personalplanung, die genutzt werden können, wenn es darum geht, wünschenswerte und temporäre Einarbeitung und damit Doppelbesetzung für eine Zeit lang zu unterstützen. Es ist kein Thema, dass Personal aufgestockt werden muss, wenn Aufgaben zunehmen, aber doppelt darf es eben nur temporär sein!

Haushalt geprägt von vielen Investitionen

Unser diesjähriger Haushalt ist geprägt von vielen Investitionen. Fast einmalig erscheint die Summe von über zwölf Millionen Euro, wobei die Ausgaben für den Digitalpakt noch gar nicht inbegriffen sind.

Ein Großteil geht in die vieldiskutierte und auch dringend benötigte neue Feuerwache. Der Entscheidungs- und Diskussionsprozess hierzu hat gezeigt, dass an einem gemeinsamen Tisch mit vielen Beteiligten Sinnvolles erzielt und Überflüssiges aussortiert wird und so unnötige Ausgaben eingespart werden können. Und das im Konsens aller! Selbst die Denkmalpflege hat nicht die Rolle des Spielverderbers eingenommen, die ihr viele zugesprochen hatten. Wir sehen diesem Vorhaben mit Spannung, aber auch mit einem gewissen Blick fürs Controlling entgehen. Denn nach dieser intensiven Vorgeschichte ist es wichtig, diese Einsparungen auch wirklich zu erzielen.

Liegenschaften und Verkehrsinfrastruktur bilden die Plätze drei und vier in der Investitionsliga, Basis für lang ersehnte Aussichten, sei es für die Gewerbegebiete oder auch für die Baugebiete, für deren Baustraßen insgesamt etwas über eine halbe Million Euro eingestellt sind. Das sind 538 000 Euro für ein familienfreundliches, wachsendes Ochtrup mit Zukunft! Das sind 538 000 Euro für Baugrundstücke, die zu einem überwiegenden Teil nun endlich auch bauträgerfrei an die Ochtruper vermittelt werden können. Es ist höchste Zeit, dass das geschieht, denn die Kennzahl der durch die Stadt geschaffenen bauträgerfreien Grundstücke beträgt in den letzten elf Jahren – raten sie mal – ja, richtig, nullkommanull! Wie komme ich bloß auf elf Jahre…?

Gerade in diesem Bereich ist unserer Meinung nach dann aber auch wichtig, Prioritäten zu setzen, denn uns erscheint allein die Menge an Vorhaben im Produkt 12.01.01 viel zu viel für den Rest des Jahres zu sein. Frau Korten, setzen Sie mit höchster Priorität das um, was Wohnraum schafft, und prüfen Sie sehr wohl die Reihenfolge, in der Sie Ressourcen in die weiteren Maßnahmen investieren.

Wir wollen ganz ehrlich sein, wir sehen die Parkplätze an der Beethovenstraße eher am Ende der Liste und auch bei den Anwohnern „An den Teichen“ lohnt es sich vielleicht, noch einmal nachzuhaken, ob es auch nächstes Jahr geht.

Straßenbau

Der Straßenbau nimmt wie gewohnt einen großen Raum ein, und es wird ebenfalls zur Gewohnheit, über Notwendigkeit oder Überflüssigkeit der beiden Maßnahmen in der Oster zu sprechen. Die Nordumgehung treibt seit Jahren die Politik um. Es ist auch nicht das erste Gutachten, das abgewartet wird, um sich darüber ein Urteil zu bilden. Aber, liebe Mitstreiter, es sollte dann bitte auch mal für längere Zeit das letzte sein. Lassen Sie uns das Gutachten abwarten und der Empfehlung in Sachen Nordumgehung folgen. Und sollte sich eine solche Straße nicht lohnen, so sollten wir unsere Energie erstmal in andere Richtungen als den Norden lenken, nämlich in die, die konkret werden sollten.

Für den Kreisverkehr am Postdamm haben wir im Januar eine Alternative Nr. 6 vorgelegt, die unserer Meinung nach weiterverfolgt werden sollte. Gerne können wir schon eine Entscheidung treffen, wo ist eigentlich das Problem? Inwieweit der erste Grundstein dann in diesem Jahr gelegt wird, ist von den Planungen abhängig. Aber, wenn Herr Steffers sich über Geldverschwendung für schnelle verkehrssichernde Maßnahmen auslässt, so verkennt er den Wunsch der Anwohner der Rosenstraße und des Wohngebiets rund um den Langenhorster Weg. Wir sind nicht nur einmal im Wahlkampf darauf angesprochen worden und wir sind der Meinung, dass eine Sprunginsel durch wenig Aufwand viel Nutzen bringen kann. Hier erfordert es keinen Goldschnitt, sondern lediglich einen markierten und durch Baken abgesperrten Bereich, der das Leben für Fußgänger und Radfahrer sicherer macht. Die Diskussion darüber ist teurer, als einfach „mal zu machen“. Liebe Verwaltung, zeigen Sie, dass es geht!

Und schließlich werden wir in Sachen Straßenbau natürlich nicht müde zu betonen, dass wir der Bedeutung von Verkehrsmitteln mit zwei Rädern in Ochtrup erheblich mehr Bedeutung zumessen möchten, als sie die jetzt derzeit bekommen. Der Antrag zur Auftragung von roten Radfahrstreifen ist nur eine von schon zahlreichen vorgeschlagenen Maßnahmen und wir sind sehr gespannt auf die Ergebnisse, die uns das Verkehrskonzept in dieser Richtung liefert. Der Argumentation „Baut weniger Straßen, dann habt ihr weniger Autos“ werden wir in dieser ideologischen Art nicht folgen. Es geht uns vielmehr darum, Straßen so zu bauen, dass zwei Räder nicht nur „Klasse zwei“ sind und damit zu betonen, dass die neue Mobilität in der Zeit von Pedelecs und E-Bikes auch den Straßenbau vor neue Herausforderungen stellen wird. Das wird uns nicht nur für diesen Haushalt beschäftigen, der Ansatz in diesem Jahr ist nur der Anfang!

Sportzentrum mit viel Potenzial

Freudig blicken wir auf der langen Investitionsliste auch in Richtung Witthagen. Konnten wir uns im Mai 2020 endlich dann doch zu einer Entscheidung durchringen, können wir nun endlich die Spatenstiche planen für ein Zentrums des Sports, was viel Potenzial bietet. Es wird unser Sportzentrum an der Schule keine Konkurrenz bieten, vielmehr ergänzt es eine Infrastruktur, die das sportliche Angebot in Ochtrup für alle Bürgerinnen und Bürger erweitert. Die Sportlichkeit von Ochtrup zeigt sich alleine in den Ausgaben der letzten Jahre für die Förderung nach den Sportförderrichtlinien. Waren es im Jahr 2017 noch knapp vierstellige Werte, so machen sich die Vereine nun vorbildlich und mit Eigeninitiative auf einen wünschenswerten Weg zur sportlichen Stadt. Wir geben gerne dafür Raum und auch Geld. Und wenn es auch mit den Fördergeldern im letzten Jahr nicht geklappt hat, so müssen wir hartnäckig und im wahrsten Sinne des Wortes im Rennen bleiben um die ersehnten Gelder von Ministerin Scharrenbach.

Diese Gelder können und sollten wir auch nutzen, um für die Jugendlichen (und natürlich auch für andere Interessierte) den Traum einer Dirtbahn zu verwirklichen. Der Antrag der CDU hat seinen Charme und wir unterstützen ihn, sehen aber derzeit kaum einen selbstständigen Handlungsspielraum finanzieller Art. In Kombination mit der Förderung, sehr gerne! Lassen Sie uns diesen Versuch starten. Sollte er fehlschlagen, reden wir noch mal.

Viel vorgenommen haben wir uns auch wieder einmal im Produktbereich 03. Nachdem die OGS und die Marienschule in Teilen selbst ein Facelifting und die Vergrößerung erfahren haben, steht nun die Lambertischule auf dem Programm.

Virus hat Bildungssystem im Griff

Über Bildung hab ich in dieser Funktion schon viele Weisheiten kommuniziert, sie bestätigen sich aber immer wieder und man hat manchmal den Eindruck: von Tag zu Tag mehr. Die Bedingungen, unter denen unsere Kinder und Jugendlichen allerdings derzeit Bildung erfahren, sind schwierig. Und das ist noch untertrieben. Wir als Kommunalpolitiker haben schon viel versucht, die Situation zu verbessern, sei es durch Anträge, Anfragen, Gespräche und Vorschläge für Luftfilter, CO2-Warner oder weiteres Personal für die Unterstützung im Unterricht. Die grundsätzliche Situation können wir kaum beheben. Und das tut in der Seele weh, nur an Symptomen doktern zu können. Der Virus hat uns immer noch im Griff. Ein Trost kann es dabei vielleicht sein, dass unsere Schulen für den Distanzunterricht rechtzeitig gerüstet wurden und die Bausteine einer digitalen Schule keine wacklige Ruine, sondern durchaus ein Fundament darstellen, gestärkt durch eine zentrale Verwaltung mit neuem Personal.

Hierauf kann man weiterbauen, und der Digitalpakt wird nach seinem langwierigen Entscheidungs- und Richtlinienfindungsprozess auch noch weitere Techniken und mobile Endgeräte in unsere Schulen bringen. Das beruhigt ein wenig, aber letztendlich: Wir möchten doch, dass die Geräte IN der Schule genutzt werden und hoffen inständig auf bessere Zeiten, auch und erst recht für die Bildung.

Und nachdem wir schon über IT und digitale Endgeräte gesprochen haben, kommen wir doch gerne einmal zum Thema Digitalisierung! Sie, liebe CDU, werfen uns in den sozialen Medien vor, wir würden unser Wahlprogramm ad absurdum führen, weil wir das Streaming von Ratssitzungen in dieser Form und zu diesem Preis ablehnen. Wenn Sie, liebe CDU, das als „Digitalisierung in der Verwaltung“ bezeichnen, dann spricht das von Unkenntnis, von Oberflächlichkeit und von Fehlinvestitionen knapper Mittel.

Digitalisierung ist mehr als Livestreaming

Digitalisierung in der Verwaltung ist mitnichten (!) eine Liveübertragung von Diskussionen unter Politikern. Digitalisierung in der Verwaltung ist die IT-Unterstützung von Verwaltungsprozessen. Es ist die vollständig, digitale medienbruchfreie Verarbeitung von Vorgängen. Es ist der Workflow, den der Bürger mit seiner Online-Antragsstellung auslöst und der schließlich zielgerichtet am digitalen Arbeitsplatz des zuständigen Mitarbeiters in der Verarbeitung endet. Digitalisierung in der Verwaltung ist die Einführung einer digitalen Bauakte, die Nutzung einer elektronischen Personalakte, die Implementierung eines Dokumentenmanagement-Systems oder eben auch die Einführung eines digitalen Sitzungsdienstes!

Das wäre mal ein erster Schritt gewesen, liebe Mitstreiter. Sie wollen sich hier als Vertreter des Fortschritts präsentieren und haben noch fünf Jahre zuvor die Vermeidung von Papier (übrigens eines der Ziele von Digitalisierung) vehement blockiert? Das, sorry, das macht ungläubig.

Und warum reden wir über Digitalisierung in der Verwaltung? Nicht nur, weil wir das für „State-of-the-Art“ und notwendig halten, sondern weil der Gesetzgeber uns das so vorschreibt! Bereits vor zwei Jahren habe ich vom OZG, dem Online-Zugangs-Gesetz, gesprochen und meine Interpretation der Buchstaben „Ochtrups Zukunft bleibt geschlossen“ hätte sich fast bewahrheitet. Das OZG schreibt uns nämlich vor, dass spätestens 2022 sämtliche – und ich wiederhole – sämtliche Verwaltungsleistungen für Bürgerinnen und Bürger online angeboten werden müssen. Schauen Sie einmal in die Internet-Auftritte der anderen Kommunen. Da kann man schon lange das „virtuelle Rathaus“ besuchen und Anträge online stellen. Und schauen Sie einmal auf den Kalender. Richtig, da steht 2021, keine schwierige Rechnung. Für niemanden! Und sie wollen IT-Ressourcen tatsächlich in Streaming von Ratssitzungen verschwenden? Es wird höchste Zeit, das nachzuholen, was der alte Bürgermeister hier versäumt hat.

Alle mitnehmen

Und eins noch... Digitalisierung funktioniert nicht mit der Brechstange! Es ist wichtig, alle mitzunehmen, alle Beschäftigten der Verwaltung, alle Bürgerinnen und Bürger und ja, auch alle Politikerinnen und Politiker. Es gibt sie, die Hemmschwellen. Und die müssen überwunden werden. Und es sollte selbstverständlich für diejenigen sein, die die IT nach vorne bringen wollen, darauf Rücksicht zu nehmen und alle Beteiligten vorsichtig an digitale Prozesse heranzuführen. Das, liebe sogenannte Digitalisierungsfans, nennt man übrigens digitale Transformation! Und das ist die Kunst, die man organisatorisch zu bewältigen hat.

So, jetzt habe ich dem auch nichts mehr hinzuzufügen. Mir bleibt, an dieser Stelle zu resümieren, dass der vor uns liegende Haushaltsentwurf 2021 unsere Zustimmung erfährt – wenngleich wir ihn anders gestaltet hätten – und dass wir uns auf spannende und produktive Ochtruper Zeiten mit einer neuen Bürgermeisterin freuen.

Dem Dank am Anfang meiner Rede an die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der Stadtwerke schließt sich jetzt an dieser Stelle der Dank an Herrn Frenkert an, der uns wie immer zum Verständnis des vorliegenden Entwurfs geholfen hat.

Zum Schluss formuliere ich gerne wieder die optimistischen Worte, dass wir auch weiter hochmotiviert an unserer Stadt Ochtrup arbeiten, in der Familien und alle Generationen ein freundliches Zuhause finden, die Mitarbeiter in einem neuen Rathaus arbeiten und unsere Kinder in moderne Schulen gehen und viele Sportarten ausüben können. In besseren Zeiten…

Wenn wir es zusammen anpacken, können wir viel schaffen. Und deshalb machen wir auch in diesem Jahr weiter…

Für die Menschen, für Ochtrup! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“

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