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Tag eins - Evangelische Kirche

Entlegene Winkel: Durch den Glockenturm zum Dachboden über dem Gewölbe

Ochtrup

Viele Wege führen unter das Dach der evangelischen Kirche. Und die sind mitunter ganz schön abenteuerlich. Einer, der sie alle kennt, ist Dr. Hans-Dieter Finke. Der Presbyter und Kirchmeister hat zugesagt, den Besuch von der Zeitung an diesem Tag in die entlegensten Winkel des Gotteshauses zu führen – und die sind ganz weit oben. Nur selten kommt dort jemand hin.

Anne Spill

Der Raum oberhalb des Gewölbes. Dort lagern unter anderem alte Orgelpfeifen. Im Turm nebenan hängen insgesamt drei Glocken. Foto: Anne Spill

„Haben Sie eine gute Unfallversicherung?“, fragt Finke denn auch gleich mit einem Schmunzeln. Nein, so gefährlich ist es nun auch nicht, zumal der Ochtruper den bequemsten der Zugänge ausgesucht hat: nicht etwa durch die schmalen Öffnungen in der Sakristei oder auf der Orgelempore, sondern über den Glockenturm.

Aber auch der ist gar nicht so leicht zu erreichen. Finke holt zunächst einen langen Stab, mit dem er eine Luke im Eingangsbereich öffnet. Ächzend gibt die Pforte eine hölzerne Leiter frei, die sich wiederum ausklappen lässt. Über die Sprossen geht es hinauf zur Turmuhr. Sie ist vermutlich ähnlich alt wie das Bauwerk selbst – 1933 wurde der Turm an die bestehende Kirche von 1911 angefügt. Ein Holzverschlag schützt das mechanische Uhrwerk vor Staub und Vögeln. Finke kennt die dahinter verborgene Technik sehr genau. „Eine tolle Mechanik, die man hier sehen kann“, schwärmt der Presbyter.

Mit Geschick und gesunden Knien

Von dort aus werden auch die Ziffernblätter gesteuert. Drei davon zeigen am Turm der evangelischen Kirche die Zeit an – nach Westen, Norden und Osten gerichtet. Ein Seilzug setzt zudem einen Hammer in Bewegung, der zur halben und zur vollen Stunde an die kleinste der drei Glocken in der oberen Etage schlägt. Und das ist beeindruckend laut für denjenigen, der nur ein paar Meter darunter steht.

Dr. Hans-Dieter Finke

Aber keine Sorge: „Den Hauptschalter für die Glocken habe ich umgelegt“, beruhigt Finke seinen Besuch. „Wenn man sich da nämlich an der falschen Stelle befindet, wenn es richtig läutet . . .“ Nun, da die maschinelle Steuerung außer Kraft gesetzt ist, steht dem weiteren Aufstieg zu eben jenen Glocken nichts im Wege.

Eine Treppe führt in die nächste Etage – vorbei an einer großen, runden Aussparung in der Wand. „Dort hat sich einst das Kirchenfenster befunden, das jetzt im Gemeindesaal zu sehen ist“, erläutert Finke.

Auf der anderen Seite des Gewölbes

Weiter oben wird es dann tatsächlich auch ein kleines bisschen waghalsiger: Denn für viel mehr als für die Glocken selbst und die massive Holzkonstruktion, an der sie befestigt sind, ist hier kein Platz. Es erfordert schon ein wenig Geschick und gesunde Knie, um nun das eigentliche Ziel der Kirchenführung zu erreichen: den Dachboden sozusagen, den Raum über dem Kirchenschiff.

„Hier bin ich ewig nicht mehr gewesen“, sagt Finke, als er den staubigen Durchschlupf nimmt. Düster ist es dahinter, an einigen Stellen dringt Tageslicht durch die Dachziegeln. Schmale Holzplanken ermöglichen den Weg einmal quer über das Kirchenschiff.

Der wagemutige Besucher erblickt zwischen zahllosen Drähten, die vom Dachstuhl hinab zum Gewölbe führen, zum Beispiel alte Orgelpfeifen oder Dachpfannen, auf die sich schon eine dicke Schicht Staub gelegt hat. Helle Holzbalken verraten aber auch: Hier oben wurde vor gar nicht allzu langer Zeit nachgebessert. Es ist schon ein seltsames Gefühl, auf der anderen Seite des Gewölbes das helle Kircheninnere zu wissen: die Decke sauber verputzt, mit eleganten Kronleuchtern daran befestigt.

Und dann sind da ja noch die alten Leitern, die von kleinen Luken hinauf zur „Holzbrücke“ führen. Sie beweisen es: Abseits des Glockenturms gibt es noch weitere Wege, um hierher zu gelangen. Und die, ja, die sind wohl noch ein wenig abenteuerlicher . . .

Im Turm hängen insgesamt drei Glocken. Foto: Anne Spill
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