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Hauptschule: Zehnklässler auf den Spuren jüdischen Lebens

Erinnern muss wichtig bleiben

Ochtrup

Unterwegs auf den Spuren jüdischen Lebens in Ochtrup war ein Kunstkurs der Entlassschüler der Gemeinschaftshauptschule. Daraus ist jetzt eine Ausstellung entstanden.

Erhard Kurlemann

Nicklas Reckert und Mareen Greitenevert gehören zu den Entlassschülern der Hauptschule, die sich in einem Fotografie-Projekt mit dem jüdischen Leben in Ochtrup auseinandergesetzt haben, rechts Lehrer Bodo Richter. Die Ausstellung ist noch bis zum 30. September in der St.-Lamberti-Bücherei zu sehen. Foto: Erhard Kurlemann

Spuren jüdischen Lebens in Ochtrup – „eine kleine Führung dazu – das würden wir uns wohl zutrauen“. Mareen Greitenevert und Nicklas Reckert haben im vergangenen Juni ihren Hauptschulabschluss gemacht. In einem ihrer Kurse haben sie sich besonders mit den Spuren jüdischer Geschichte in der Töpferstadt befasst – eigentlich in drei Fächern, sagt Lehrer Bodo Richter, und zwar in Deutsch, Geschichte und in Kunst. Ein Ergebnis ist eine Ausstellung, die noch bis zum 30. September in der St.-Lamberti-Bücherei zu sehen ist. Ein Zweites ist sicher die Bedeutung der Erinnerung für die heutige Zeit – und darüber hinaus,

„Begriffe wie Hitler oder Nazis sind nicht unanständig, wenn sie richtig eingeordnet sind“, erläutert Bodo Richter bei der Eröffnung. „Es ist wichtig, gerade an die Nazizeit und die damit verbundenen Gräuel besonders den Juden zu erinnern“, ergänzen die beiden Jugendlichen. „Und: Die Erinnerung an ein altes Thema, das immer noch wichtig ist, muss auch immer wichtig bleiben“, gerade und auch, weil es immer weniger Zeitzeugen gebe.

Wie viel jüdisches Leben gab es in Ochtrup? Insgesamt 25 Zehntklässler haben sich mit den Fragen auseinandergesetzt – gleichsam im Wort und Bild. Fotograf Dieter Blase hat den Jugendlichen Hinweise für den Blick auf Motive gegeben – zunächst im Umfeld der Schule, später etwa auf dem jüdischen Friedhof oder an dem Mahnmal zur Erinnerung an das jüdische Gebetshaus, das hinter der heutigen Sparkasse stand und wegen der dichten Bebauung 1938 nur verwüstet und nicht abgefackelt wurde.

Im Zentrum der Betrachtung steht dabei das „Neue Sehen,” das sich auf neue mediale Techniken aber vor allen auf eine neue Weltsicht bezieht.

So haben die Schüler gelernt, in der Alltagsumgebung ihrer Stadt die Spuren der Stadtgeschichte zu erkennen und in markante Bildmotive umzusetzen

„Der Kurs war für die Schüler lehrreich und spannend“, so das Fazit des Lehrers. Neben den Fotos haben einige Schüler ihre Eindrücke auch schriftlich festgehalten. Andere haben Symbole des jüdischen Glaubens gemalt, wie etwa besondere Schriftzeichen oder die Menora, einen Leuchter mit sieben Kerzen.

Nicht nur die Stolpersteine, die seit 2017 an vielen Stellen in der Stadt an die Menschen erinnern, die Opfer der nationalsozialistischen Ideologie geworden sind, spielten im Unterricht eine Rolle.

Das alles, der Besuch der Synagoge in Enschede oder einer Gedenkstätte in Aalten, in der viele Juden auch aus Och­trup untergetaucht sind, sei der richtige Zugang zu diesem wichtigen Thema gewesen.

„Wenn wir von dem Projekt erzählt haben, sind wir auf offene und interessierte Ohren gestoßen“, berichten Mareen Greitenevert und Nicklas Reckert. Oft würden die Zeichen jüdischen Lebens in der Stadt im Alltag einfach übersehen.

Führungen durch die Ausstellung, etwa für Schulklassen, sind nach Absprache möglich. Informationen dazu gibt Büchereileiter Olaf Lewejohann, Telefon 0 25 53/9 82 70. Die Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei..

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