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Rat verabschiedet Gleichstellungsplan

Frauen weiter nach vorne bringen

Ochtrup

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Das ist im Grundgesetz verankert. Damit das auch bei der Stadt Ochtrup verwirklicht wird, haben Politik und Verwaltung nun einen Gleichstellungsplan auf den Weg gebracht. Die Gleichstellungsbeauftragte in der Töpferstadt, Julie Nacke, hatte diesen gemeinsam mit Verwaltungsmitarbeiterin Anne Rengers und Nicole Nienhues von den Stadtwerken erarbeitet und nun im Rat vorgestellt.

Von Anne Steven

Politik und Stadt haben in Ochtrup einen Gleichstellungsplan auf den Weg gebracht. Dazu wurden zunächst die Personaldaten der städtischen Beschäftigten erhoben. Foto: Grafik: Christ/Foto: colourbox.com

Datenauswertung

Die Arbeit der drei Frauen fokussierte sich zunächst darauf, die aktuellen Personaldaten von Stadtwerken und Kommune zu erheben und die Beschäftigungsstruktur zu analysieren.

Unter den insgesamt 222 städtischen Beschäftigen sind 142 Frauen und 80 Männer. Bei den Stadtwerken wiederum zeige sich ein umgekehrtes Bild, berichtete Julie Nacke. Demnach sind von den 58 Stadtwerke-Beschäftigten 21 Frauen und 37 Männer. In den höheren Gehaltsklassen wiederum seien insgesamt weniger Frauen zu finden. Bei der Stadt liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte bei 40, bei den Stadtwerken nur bei 17 Prozent.

Unterrepräsentanz von Frauen abbauen

Mit Hilfe des Gleichstellungsplans möchte die Stadt die Unterrepräsentanz von Frauen abbauen. Deshalb sollen frei werdende Führungsstellen in Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, zunächst intern ausgeschrieben werden. Weibliche Nachwuchskräfte gelte es, im Sinne des Landesgleichstellungsgesetzes zu fördern.

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, gebe es bei der Stadt und auch den Stadtwerken eine Vielzahl von Modellen für die Beschäftigung in Teilzeit. Allerdings würden diese hauptsächlich von Frauen genutzt. So sind bei der Kommune 130 Personen in Teilzeit beschäftigt, 85 Prozent von ihnen sind weiblich. Beim örtlichen Energieversorger ist es ähnlich. Dort liegt der Anteil von Frauen mit reduziertem Stundenumfang sogar bei 91 Prozent.

Einen gewichtigen Grund hierfür sehen Julie Nacke und ihre Mitstreiterinnen in der Übernahme familiärer „Care-Arbeit“. Es seien in der Regel Frauen, die Kinder betreuten oder Familienangehörige pflegten. Neben den bestehen Angeboten wie der flexiblen Arbeitszeit, individuellen Teilzeitmodellen oder Altersteilzeit sollen im Rahmen des Gleichstellungsplans künftig mehr themenbezogenes Informationsmaterial zur Verfügung gestellt und bedarfsgerechte Personalgespräche geführt werden.

Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Der Schutz der kommunalen Beschäftigen vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ist ein Thema, dem sich die Stadt ebenfalls mit Hilfe des Gleichstellungsplans nähern möchte. Hierzu sind Fortbildungen sowie Beratungsmöglichkeiten zur Information und Sensibilisierung geplant.

Beim Nachwuchs, sprich den städtischen Auszubildenden, sei eine klassische Berufswahlorientierung zu beobachten. Während junge Frauen eher den Bereich Verwaltung bevorzugten, schlügen junge Männer die technische Richtung ein, berichtete Julie Nacke. Bereits bestehende Maßnahmen wie etwa die jährlich stattfinden Messe „Berufe begreifen“ seien erste Schritte. An dieser Stelle soll weiteres Datenmaterial zusammengetragen und ausgewertet werden.

Zustimmung in der Politik

In der Politik stieß der Gleichstellungsplan auf Zustimmung. „Mein persönlicher Wunsch ist, dass wir uns über Gleichstellung gar nicht unterhalten müssen. Sie sollte selbstverständlich sein“, erklärte Petra Scheipers (SPD). Auch Männer dürften ihrer Ansicht nach, „ruhig mal in Teilzeit“ geschickt werden. Die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Claudia Fremann, sah die Gleichstellung als „gesellschaftliche Aufgabe“ an. Mit Blick auf eine Bürgermeisterin und eine Erste Beigeordnete sei Ochtrup „mit zwei starken Frauen an der Spitze gut aufgestellt“.

Auch die CDU werde den Gleichstellungsplan annehmen, erklärte Fraktionschef Hajo Steffers. Allerdings sah er deutliche Defizite, im Bereich Homeoffice. „Das fehlt uns komplett“, führte der Christdemokrat aus. Julie Nacke gab ihm da recht. Die Gleichstellungsbeauftragte verwies aber darauf, dass derzeit viele Dinge zur Arbeitsplatzgestaltung „in Arbeit“ seien. Dazu gehöre beispielsweise auch der Bereich Datenschutz. „Das geht über die Gleichstellung hinaus“, ergänzte Kämmerer Roland Frenkert.

Steffers gab sich damit nicht zufrieden. Er wolle nicht, dass solche Themen weggedrückt würden und verlange deshalb die Verpflichtung, dass dies bis zum Jahr 2023 umgesetzt werde. „Ich befürchte, dass das sonst versandet“, erklärte er. Er sei wichtig, die Möglichkeit, ins Homeoffice zu wechseln, zu ermöglichen.

„Wir haben den Eindruck, dass die Verwaltung das auf dem Schirm hat“, sprach der Fraktionsvorsitzende der SPD, Vincent ten Voorde, den Rathausmitarbeitern bei. Steffers beharrte aber darauf, den Gleichstellungsplan nicht, wie von der Verwaltung angedacht, für fünf Jahre zu beschließen, sondern nur bis 2023.

Julie Nacke stemmte sich dagegen. Der Gleichstellungsplan müsse für mindestens drei Jahre festgeschrieben werden. Zudem gelte es, realisierbare Ziele zu stecken. „Da muss Politik jetzt Vertrauen haben“, warb sie für ihre Arbeit. Sie versprach, in zwei Jahren einen Bericht vorzulegen. Nachdem auch Bürgermeisterin Christa Lenderich der Gleichstellungsbeauftragten den Rücken stärkte und Steffers aufforderte, „zwischendurch nach dem Stand der Dinge“ zu fragen, gab sich der CDU-Fraktionvorsitzende schließlich zufrieden. Der Rat votierte einstimmig für den Gleichstellungsplan.

Die Gleichstellungsbeauftragt Julie Nacke ist Ansprechpartnerin für alle Frauen in Och­trup (Telefon 0 25 53 / 7 32 13, E-Mail julie.nacke@och­trup.de).

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