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Handwerklich geschickt auf Durchreise

Wandergesellin fertigt Möbel für das Nähcafé „ZickZack“ an

Ochtrup

In den vergangenen zweieinhalb Jahren ist Leonie Aierle trotz Corona als Wandergesellin ganz schön rumgekommen in Deutschland und seinen Nachbarländern. Westfalen, erst recht nicht das Münsterland und schon gar nicht Ochtrup lagen dabei auf ihrer Route.

Besucherinnen, Besucher und das Team freuen sich über den maßgefertigten Zuschneidetisch und zwei Stehtische für das Ochtruper Nähcafé, die Leonie Aierle (kl. Bild) mit guten Ideen und handwerklichem Geschick angefertigt hat. Foto: A. Dalal/Bettina Flug

Das hat sich geändert, als die Zimmerin den Auftrag annahm, für das interkulturelle Nähcafé „ZickZack“ einen großen Zuschneidetisch zu bauen, schreiben die Verantwortlichen in einem Pressebericht.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren ist Leonie Aierle trotz Corona als Wandergesellin ganz schön rumgekommen in Deutschland und seinen Nachbarländern. Westfalen, erst recht nicht das Münsterland und schon gar nicht Ochtrup lagen dabei auf ihrer Route. Das hat sich geändert, als die Zimmerin den Auftrag annahm, für das interkulturelle Nähcafé „ZickZack“ einen großen Zuschneidetisch zu bauen, schreiben die Verantwortlichen in einem Pressebericht.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Wandergesellin das Integrationsprojekt unterstützt. Vor zwei Jahren hat Tischlerin Naima Waage bereits vier Arbeitstische für das „ZickZack“ entworfen und gebaut. Beide jungen Frauen sind als fremde freireisende Gesellinnen unterwegs, gehören also keinem Schacht an, wie die Bezeichnung der Wandergesellen-Organisationen in Deutschland heißen. Wandergesellinnen und -gesellen befolgen die Tradition des zünftigen Reisens. Das heißt, sie sind mindestens drei Jahre und einen Tag auf der Walz. Dabei dürfen sie weder eigene Transportmittel noch Handys oder Tablets besitzen und in dieser Zeit einen Umkreis von 50 Kilometern rund um ihre Heimatorte nicht betreten.

Auftrag führte nach Ochtrup

Trotzdem funktioniert der Informationsfluss unter den Wandergesellen sehr gut, so dass es trotz Auslandaufenthalts von Naima Waage kein Problem war, mit Leonie Aierle eine reisende Fachfrau zu gewinnen. Möglich wurde ihr Arbeitseinsatz in Och­trup auch durch die Unterstützung der Stadtverwaltung. Die 23-Jährige durfte die Tischlerei des städtischen Baubetriebshofs nutzen und fand dort neben großes Interesse an ihren Erlebnissen auf der Walz auch immer eine helfende Hand – wenn sie gerade nötig war.

Dass Leonie Aierle in ihrer Ausbildung als Zimmerin wenig mit dem Möbelbau zu tun hatte, ist den Tischen für das Nähcafé überhaupt nicht anzusehen. Im laufe ihrer Wanderschaft hat sie viele Arbeiten ausgeführt, die mehr oder weniger berufsfremd waren. „Das war einer der Gründe, warum ich auf die Walz gegangen bin. Ich wollte nicht nur erfahren, was ich nach meiner Ausbildung mit meinem Beruf alles anfangen kann, sondern auch andere Tätigkeiten und Arbeitsweisen kennenlernen und mir neue Fähigkeiten aneignen“, erklärt die 23-Jährige und erzählt von einem Schweizer Holzbiegewerk oder Fenster-Restaurierungsarbeiten in Schweden.

Aufgewachsen in einem kleinen Ort im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg hat sie auf der Walz viele Personen, Gegenden und Landschaften kennengelernt. So viele Menschen verschiedener Nationalitäten an einem Ort zu treffen wie im Nähcafé „ZickZack“, ist jedoch auch für eine weit gereiste Wandergesellin eher selten. Von den Besuchern und dem Team wurde sie bei ihrer ersten Visite dort herzlich aufgenommen. Die Möbel, die sie in der Woche darauf zeigte, fanden einhellige Begeisterung.

Leonie Aierle machte auf ihrer Wanderung Station in Ochtrup. Foto: Bettina Flug

Wurden dort bislang die Stoffe auf einem einfachen Tisch mit 75 Zentimeter Höhe zugeschnitten, wird jetzt niemand mehr Rückenprobleme bekommen, heißt es im Pressebericht weiter. Der Zuschneidetisch misst jetzt 1,40 mal 1,80 Meter in der Fläche sowie einen Meter in der Höhe. Trotz dieses Ausmaßes wird er nicht im Weg stehen, da er rollbar ist. „Und er sieht einfach klasse aus“, schreiben die Verantwortlichen. Ebenso wie die beiden zusammenklappbaren Stehtische, die Leonie Aierle aus den verbliebenen Resten angefertigt hat.

Nicht nur wegen ihrer tollen Arbeit wird sie im Nähcafé in guter Erinnerung bleiben, sondern auch wegen ihrer Bereitschaft, viele Fragen zu beantworten und Informationen über die alte Handwerkstradition zu geben, die zum immateriellen Weltkulturerbe der Unesco zählt.

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