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Barbara Kuhls-Mahlitz (CDU)

Investitionen besser planen

Ochtr

Im zweiten Themenkomplex des Forums zur Bürgermeisterwahl 2020 geht es um die die Stadtentwicklung und das liebe Geld. Mit CDU-Kandidatin Barbara Kuhls-Mahlitz (51) sprach Redakteurin Anne Steven. Hier ein Auszug:

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Barbara Kuhls-Mahlitz wird von der CDU ins Rennen um das Bürgermeisteramt geschickt. Foto: Cengiz Sentuerk

Ochtrup hat sich viel vorgenommen. Unter anderem ist der Neubau einer Feuerwache unter Einbezug der ehemaligen Pestalozzischule geplant – der aber deutlich teurer wird als gedacht. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Wir betrachten auch hier wieder nur eine Sache. Wir haben Investitionen im Schulbereich vor uns, wir brauchen Sportplätze, wir brauchen das Rathaus, wir brauchen die Feuerwehr. Ich möchte einen Investitionsplan erstellen, in dem alle Dinge zusammen angeschaut werden und überlegt wird, wie sollen wir das in den nächsten Jahren finanzieren?

Das spielt in unsere nächste Frage mit hinein: Was könnte auf dem jetzigen Gelände der Feuerwache entstehen, welche Ideen haben Sie für das Areal?

Ich bin mit dem Standort der Feuerwache an der Pestalozzischule nicht einverstanden. Ich hätte die Feuerwache lieber an der Stadthalle gehabt – wie es die Gutachter auch vorgeschlagen haben. Aber wir haben ein Problem mit unserer Stadthalle. Vielleicht müsste man überlegen, ob man eine wirkliche Stadthalle dorthin baut, und nicht eine Sporthalle in Kombination mit einer Stadthalle.

Ein weiteres Großprojekt ist der Neubau des Rathauses. Wie stehen Sie zum Standort in der südlichen Weinerstraße?

Ich habe für den Standort gestimmt, als die Abstimmung lief „40 Prozent Rathaus, 60 Prozent Investor“. Als es um den Kauf der Fläche ging, habe ich dagegen gestimmt, und ich stehe auch dazu. Aber wenn ich Bürgermeisterin bin, muss ich mich an einen Ratsbeschluss halten. Ich würde als allererstes das Verkehrskonzept in die Wege leiten. Wenn dieses Gutachten negativ ausfällt, hätten wir uns die ganze Diskussion, die wir jetzt zum Rathaus hatten, sparen können. Und dann müssen wir sowieso ganz anders, ganz neu denken. Wenn das Gutachten positiv ausfällt, würde ich gerne eine Bürgerbefragung machen, die dann nicht bindend ist. Es geht vielmehr darum, die Stimmung in der Bevölkerung mitzunehmen und diese Abstimmung dann dem Rat vorzulegen, damit wir gemeinsam eine sinnvolle Entscheidung treffen.

Eine große Veränderung steht auch im Bereich des DOC an. Der Betreiber möchte die Fläche fast verdoppeln, die Stadt hat das Planungsrecht dafür geschaffen. Was bringt Och­trup die Vergrößerung des Outlet-Centers? Wie wollen sie diese Entwicklung weiter unterstützen?

Die Erweiterung bringt natürlich ein gewisses Ansehen außerhalb von Och­trup und es bringt viele Personen hierher. Diese Tatsache müssen wir viel mehr nutzen und zeigen, wo wir noch attraktive andere Dinge haben. Was können wir noch anbieten? Ich bin dafür, dass wir gemeinsam mit den Nachbargemeinden Projekte entwickeln, dass wir versuchen, die Leute länger an diesem Ort zu halten – nicht nur einen Tag im Outlet zum Shoppen. Da muss man aber mit den Nachbargemeinden sprechen, Ideen kommen lassen und etwas entwickeln. Also, ich finde, es wäre wichtig, die Leute hier zu binden. Aber es ist natürlich eine große Chance durch das Outlet.

Ein Blick in die Ortsteile: Für Welbergen wurde jüngst ein Dorfinnenentwicklungskonzept – kurz DIEK – erarbeitet. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Ergebnisse?

Alles. Ich finde es wichtig, dass die Welbergener wahnsinnig kreativ mitgearbeitet haben, dass sie ihre Wünsche und Vorstellungen wunderbar untergebracht haben, dass sie selbst den neuen Sportplatz jetzt übers DIEK finanziert bekommen haben. Dieses Engagement von der Dorfgemeinschaft ist wirklich wunderbar und das klappt hervorragend. Da bin ich auch stolz drauf und das hat mich richtig gefreut. Wir sind dort letztens noch mit dem Fahrrad durchgefahren, haben dort ein kleines Päuschen gemacht. Ich finde, es ist wirklich super. Die sind da wahnsinnig engagiert für ihren Ortsteil.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte in der künftigen Entwicklung Langenhorsts?

Langenhorst ist ein komplett anderer Ortsteil als Welbergen, weil es dort nicht diesen zentralen Punkt in der Mitte gibt. Da ist es wirklich schwierig. Der Ausbau der Straße ist natürlich ein großer Vorteil. Das sieht auch schon alles viel, viel freundlicher aus. Jetzt muss man überlege, was passiert am Stift, was passiert in der alten Mühle, die ja schon in städtischem Eigentum ist? Da müssen wir dann aber mit den Langenhorstern zusammen Dinge entwickeln, bei denen die Langenhorster glauben „Das ist für uns wichtig. Das möchten wir gerne so haben“. Genauso wie jetzt der Schulstandort diskutiert wird. Da müssen wir die Leute alle mit ins Boot nehmen und auf sie hören, weil die Langenhorster kennen sich und ihren Ortsteil ja viel besser als jeder andere.

Wir haben das Thema Finanzen schon angerissen. Die Neuverschuldung ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Wo sehen Sie Lösungen?

Wir sollten einen Investitionsplan erstellen. Der kann nicht auf Heller und Pfennig genau klären, was jetzt wie viel kostet, aber wir können Schätzungen machen. Das müssen wir zusammentragen. Und gerade bei Großprojekten müssen wir viel deutlicher kontrollieren. Es gibt immer die Möglichkeit, Einsparungen zu machen. Da müssen wir viel mehr drauf achten. Und wir müssen den Überblick behalten. Wenn man den Überblick nicht hat, weil man sich immer nur einzelne Punkte rauszieht, dann kann man auch nicht vernünftig planen und dann geht die Finanzierung den Bach runter. Das funktioniert ähnlich wie bei einer Familie oder einem Verein. Es muss so laufen, dass man die nächsten Investitionen im Blick hat. Aber, wenn man dann in zehn Jahren feststellt „Oh, da haben wir gesagt, wir machen das“ und es passt jetzt aber gar nicht mehr, dann muss man auch den Mut haben zu sagen „Ok, dann entscheiden wir da noch mal anders“, machen das neu und diskutieren das auch noch mal neu.

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