Corona-Zwangspause

Kneipen machen kleine Schritte Richtung Normalität

Ochtrup

Die Ochtruper Wirte haben in den vergangenen Wochen auf kreative Lösungen gesetzt, um Gäste zu begrüßen. Finanziell gelohnt habe es sich kaum. Die Beschränkungen sind jetzt gelockert worden, sodass zehn Personen sich versammeln dürfen – auch in Kneipen.

Alex Piccin

Michaela Ammertmann und ihre Ochtruper Wirtekollegen dürften bald wieder aufatmen können: Seit vergangenem Samstag ist die Versammlungsbeschränkung auf zehn Personen, unabhängig des Haushaltes, angehoben worden, während die weiteren Schutzmaßnahmen weiterhin gelten. Das Kneipenleben laufe jedoch erst langsam wieder an. Foto: Alex Piccin

Den vergangenen Samstag haben die hiesigen Kneipenbetreiber als positiven Einschnitt wohl herbeiersehnt. Die Landesregierung hatte weitere Lockerungen der Corona-Schutzverordnung beschlossen und unter anderem erlaubt, dass sich zehn Personen in öffentlichem Raum versammeln dürfen. So richtig angelaufen ist das Kneipenleben allerdings noch nicht.

Gerade besagte Versammlungen waren und sind es, wovon die Ochtruper Lokale leben: Stammtische, Vorstandssitzungen oder spontane Treffen in gemütlicher Atmosphäre und bei gekühlten Getränken. Mal mehr, mal weniger behelfsmäßig hatten die Wirte ihre Schankräume her- und ausgerichtet. „Meine Gäste hatten damit kein Problem. Die, die es nicht eingesehen haben, sind nicht ausgegangen“, bilanziert Michaela Ammertmann von Kock‘s Wirtshaus. Dass die Menschen ferngeblieben sind, haben die Wirte – teils deutlich – gespürt.

Andy Roche von Paddy's Ochtrup: In Zeiten der Corona-Schutz-Verordnung fehlten seinem Geschäft besonders die Stammtische. Foto: Alex Piccin

Die vor einigen Wochen eröffnete Möglichkeit, Gastronomiebetriebe wieder zu öffnen, sei vielleicht gut gemeint gewesen. „Irgendwo mussten wir ja anfangen. Gelohnt hat es sich aber nicht wirklich“, sagt etwa Paddy‘s-Irish-Pub-Betreiber Andy Roche. Bis Jahresende könne er nicht durchhalten. Umso besser, dass die Beschränkungen gelockert worden sind. Dies dürfte wieder mehr Menschen zum Ausgehen ermuntern.

Andy Roche

Siggi Holtmannspötter vom Haus Schwartbeck meint den Grund zu kennen, warum die Kunden weg bleiben: „Die Leute haben Angst.“ Gerade die ganz junge Kundschaft hätte nicht den Weg in die Kneipe gefunden, pflichtet ihm Roche bei: „Sie haben keine Lust, zu zweit an einem Tisch zu sitzen.“ Dies habe sich seit Samstag etwas gebessert: „Die Lockerung ist eine Riesenhilfe.“ Mit Galgenhumor hat Roche die Situation genommen und sich über einen früheren Feierabend als gewöhnlich gefreut.

Appell an die Vernunft

Hermann Bücker ist auf den Saalbetrieb angewiesen. Gut 75 Prozent weniger Umsatz habe er verzeichnet. Manche Feiern sind in die zweite Jahreshälfte verlegt worden. „Wenn man am Ende mit einer Nullnummer rausgeht, ist es okay. Ich appelliere an die Vernunft der Leute und hoffe, dass wieder mehr kommen“, sagt er.

Siggi Holtmannspötter vom Haus Schwartbeck in Ochtrup lebt von seinen Kegelbahnen. Um diese zu nutzen, musste er ein Corona-Schutzkonzept improvisieren. Foto: Alex Piccin

Siggi Holtmannspötter lebt von seinen Kegelbahnen. Um diese wieder zu nutzen, hat er aus Holzgestellen und transparenten Folien ein Corona-Schutzkonzept für die Tische angefertigt. Trotz der Lockerungen hält er an der „Gatterlösung“ fest. Insgesamt findet er die Kosten, die aufgrund der Umsetzungen der Schutzverordnung auf ihn eingeprasselt sind, enorm: „Den Laden so zu öffnen, lohnt sich überhaupt nicht. Die Unkosten kriegst du nicht wieder rein.“ Er hofft, dass sich die Situation bald wieder entspannt, denn ein großes finanzielles Risiko möchte er nicht tragen: „Dann werde ich lieber Schluss machen.“

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