Soziales und Gesundheit: Kai Hutzenlaub (SPD)

Mediziner stützen, wo es nur möglich ist

Ochtrup

Im sechsten Themenblock des WN-Forums zur Bürgermeisterwahl geht es um Soziales und Gesundheit. Mit Amtsinhaber Kai Hutzenlaub (SPD) sprach Redakteurin Anne Steven.

Anne Steven

Amtsinhaber Kai Hutzenlaub stellt sich erneut zur Bürgermeisterwahl. Foto: Anne Spill

Im sechsten Themenblock des WN-Forums zur Bürgermeisterwahl geht es um Soziales und Gesundheit. Mit Amtsinhaber Kai Hutzenlaub (SPD) sprach Redakteurin Anne Steven.

Wie wollen Sie die Stadt für junge Familien attraktiver machen?

Grundsätzliche Voraussetzung dafür ist, dass ein gutes Schulsystem da ist, eine gute Schulbildung möglich ist – und zwar auch eine vollständige. Ich glaube, dass das Pendeln für Kinder eine ziemliche Belastung darstellt. Ich war selbst auch Pendlerkind und ich fand das nie schön, das war verlorene Zeit. Das Zweite ist: Man muss dafür sorgen, dass sichere und gute Arbeitsplätze da sind, denn das ist die Grundlage für ein gutes Familienleben. Der dritte Punkt ist, es muss entsprechend Wohnraum zur Verfügung stehen, und zwar in der Art, wie der jeweilige es sich wünscht. Der eine mag lieber in einer Geschosswohnung wohnen, der andere vielleicht in einer Eigentumswohnung und der dritte möchte gerne ein Haus haben – ich glaube, die überwiegende Mehrzahl will ein Haus. Und dann muss sichergestellt sein, dass man auch im Alter im eigentlichen Umfeld bleiben kann, das heißt, es muss dafür gesorgt werden, dass die Senioren gut unterkommen. Das Ganze muss man jetzt noch verbinden mit einer vernünftigen Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten – da hat uns das DOC natürlich einen gewissen Vorsprung vor anderen verschafft. Und dann kann man hier, glaube ich, sehr gut glücklich werden. Nicht umsonst erleben wir es immer wieder, dass viele, die nach der Schule sagten „Bloß weg aus Ochtrup!“ in der Familienphase dann doch wieder zu uns zurück kommen.

Was denken Sie, wie kann man den etwas älteren Jugendlichen etwas Gutes tun?

Wieder Schützenfeste eröffnen, hätte ich jetzt fast gesagt (lacht). Nein! Ich glaube, dass wir eine ganze Menge Möglichkeiten und Angebote schon vor Ort haben. Die Schwierigkeiten sind eben solche Dinge wie Kino und ähnliches, die sich eigentlich nur in größeren Städten halten. Das ist so ein Bereich, wo man mal ran muss – dass man zumindest ein Programmkino anbieten kann. Dann das Problem des Anbietens von Aufenthaltsorten, das ist immer eine sehr schwierige Sache. Das definieren die Jugendlichen selber, wo sie sich wohlfühlen. Leider gehen sie selten zu den Orten hin, wo die Eltern denken, dass sie gerne hingehen würden. Wichtig ist dabei zum Beispiel das Jugendparlament, das die Möglichkeit hat, solche Dinge auch anzusprechen und solche Orte so zu gestalten, wie es für die Jugendlichen eben auch interessant ist. Im Stadtpark geschieht das ja zum Teil auch sehr aktiv.

Sie haben es eben schon kurz angerissen: Was muss passieren, damit sich auch Senioren in Ochtrup wohlfühlen?

Ein ganz wesentlicher Punkt ist dabei immer die Barrierefreiheit beziehungsweise Barrierearmut. Im Moment ist unsere Fußgängerzone – zumindest in Teilen – eine Barriere, weil sie wirklich schwer zu überwinden ist, gerade mit Rollatoren. Als man das vor 30, 40 Jahren geplant hat, hat noch keiner darüber nachgedacht, dass es mal so viele Möglichkeiten geben wird, gerade auch für Senioren, unterstützt rauszukommen. Da müssen wir dann Schritt für Schritt rangehen. Mit der IG Senioren, die sich da ja auch immer wieder einbringt, versuchen wir ja immer mehr Barrierefreiheiten hinzukriegen. Ein anderer Punkt ist natürlich die Möglichkeit, sich auch in der Nähe aufzuhalten, mit einer hohen Aufenthaltsqualität wie zum Beispiel im Stadtpark oder ähnlichem.

Was möchten Sie für Menschen mit Behinderungen tun?

Ganz wichtig ist, dass sie immer und überall am Leben teilhaben können. Das beginnt in der Schule, wo wir die notwendigen Einrichtungen schaffen. Zum Beispiel Leuten mit körperlichen Behinderungen Aufzüge zur Verfügung stellen und Ähnliches. Das bedeutet, dass man das Ganze auch blindengerecht gestaltet und ähnliches. Ganz wichtig ist, dass wir zu einer selbstständigen und eigenständigen Teilhabe kommen und sie nicht als Sondergruppe in irgendeiner Weise herausgehoben oder beachtet werden müssen.

Stichwort Gleichstellung von Frauen und Männern: Wie schätzen Sie die Lage in Ochtrup ein?

Ich glaube, dass wir da schon relativ weit sind. Was die Verwaltung angeht, sind wir da schon ziemlich weit vorne. Die Leitungspositionen sind hälftig mit Männern und Frauen besetzt. Insofern haben wir da an der Stelle kein Problem. 70 Prozent der Belegschaft sind Mitarbeiterinnen. Das ist schon ein ganz überwiegender Anteil. Von daher sind wir ganz gut aufgestellt. Wie das jetzt im Einzelnen im privaten Bereich aussieht, kann ich schlecht sagen. Ich habe aber auch da das Gefühl, das Frauen immer mehr selbstverständlich arbeiten und sich insofern auch gleichberechtigt darstellen.

In der Flüchtlingskrise 2015/16 sind viele Menschen nach Ochtrup gekommen, und auch heute noch suchen immer wieder Menschen Zuflucht in der Töpferstadt. Wie ist die Integration aus Ihrer Sicht bisher gelungen – und was kann die Stadt noch weiter tun?

Die Integration ist deswegen so gut gelungen, weil sich viele Menschen ehrenamtlich eingebracht haben und eben einfach da waren für die Menschen. Wir können dafür sorgen, dass die materiellen Grundlagen geschaffen werden, dass wir die Möglichkeiten schaffen zum Beispiel Integrationskurse anzubieten. Wir waren da übrigens vor allen anderen Städten in der Coronazeit wieder in der Lage, diese Kurse anzubieten. Da setzen wir uns schon stark für ein über die Volkshochschule, die das federführend betreibt. Ich denke, dass es wichtig ist, dass wir für Menschen, die Hilfe brauchen, auch die entsprechende Zuflucht schaffen. Ich habe bisher eigentlich mehr positive Erfahrungen gemacht.

Thema Gesundheit: Der hausärztliche Bereich in Deutschland hat mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, und auch Fachärzte zieht es immer weniger in ländliche Regionen. Wie schätzen Sie diese Problematik mit Blick auf Och­trup ein und was wollen Sie tun, um einem Mangel in der medizinischen Versorgung vorzubeugen?

Wir stehen eigentlich, insbesondere was Allgemeinmedizin angeht, auch in dem Bereich relativ gut da. Bei Fachmedizinern wird es da schon etwas schwieriger. Dadurch, dass wir zwei große Praxen haben hier im Ort, die auch dafür sorgen, dass es für Mediziner attraktiv ist hier zu arbeiten. Das müssen wir eben stützen wo es nur möglich ist. Wir haben schon Überlegungen auch gemeinsam mit dem Kreis angestellt, wie kann man Mediziner bewerben, die in den ländlichen Bereich gehen? Da gibt es aber noch kein richtiges Konzept. Wichtig ist, dass man eben auch für Mediziner attraktive Arbeitsplätze schafft. Und auch da tritt – wie es so schön heißt – die Work-Life-Balance immer mehr in den Vordergrund. Die Möglichkeit beispielsweise für Ärzte und Ärztinnen auch Teilzeit zu arbeiten.

Was kann die Stadt dafür tun, dass die notärztliche Versorgung gerade auch in den Außenbereichen funktioniert?

Grundsätzlich gibt es auch hier wieder die Schwierigkeit, dass das Ganze über den Kreis läuft. Wir sind hier gut aufgestellt. Wir haben hier jetzt tagsüber einen Notarztwagen tatsächlich vor Ort. Und wenn man sich das dann mal ein bisschen genauer anschaut, sieht man auch, dass dadurch, dass der Notarzt präsent an der Wache ist, die Zeiten deutlich besser werden. Der zweite Punkt ist, dass der Rettungswagen durch einen Krankentransportwagen ergänzt worden ist, so das Überführungsfahrten und ähnliches nicht mehr von dem eigentlichen Rettungspersonal durchgeführt werden müssen, sondern zusätzlich von Krankenpersonal. Im Übrigen versuchen wir, ein gut durchmischtes Team bereit zu halten, dass auch in der Lage ist, mit diesen Aufgaben umzugehen und das Ganze verantwortungsvoll zu stützen.

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