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Frankreich: Francoise Wennemaring hält an Weihnachten an Traditionen aus ihrer Heimat fest

Mit Austern und Champagner

Ochtrup

Ein zweiter Weihnachtstag wird in Frankreich nicht gefeiert. Das ist nicht der einzige Unterschied, den die gebürtige Französin Francoise Wennemaring zu den Traditionen hierzulande festgestellt hat. Auch die Krippen sind anders. Und nach dem abendlichen Dinner wurde getanzt.

Irmgard Tappe

Francoise Wennemaring, die seit 45 Jahren in Deutschland lebt, hält zu Weihnachten noch an einigen Traditionen aus ihrer Heimat Frankreich fest. Foto: Irmgard Tappe

Eine sternförmige Decke mit einem Kerzenlicht darauf schmückt den Wohnzimmertisch der Familie Wennemaring. Und das Feuer im Kamin verbreitet eine wohlige Wärme. „In früheren Jahren, als unsere drei Kinder noch zu Hause wohnten, hatten wir auch einen Adventskranz. Diese Tradition habe ich allerdings erst in Deutschland kennengelernt. In Frankreich wird der Adventszeit keine Bedeutung beigemessen“, erzählt Francoise Wennemaring, die bis zu ihrem 28. Lebensjahr in Nordfrankreich lebte. Das Weihnachtsfest, sagt sie, sei auch in Frankreich ein typisches Familienfest. Es beschränke sich auf Heiligabend und den ersten Weihnachtstag. Der zweite Weihnachtstag sei bei den Franzosen ein gewöhnlicher Arbeitstag.

Kindheit

Francoise Wennemaring erzählt von der Weihnacht ihrer Kindheit. „Eine Krippe gehörte in meinem Elternhaus dazu. Die war sehr wichtig und in unseren Augen etwas ganz Besonderes“, sagt sie. In Nordfrankreich seien die Krippen allerdings weniger bunt und imposant als im Süden des Landes“, spricht sie die Krippendarstellungen aus der Provence an. Dort gesellen sich die „Santons“ zu den üblichen Krippenfiguren. Das sind bunte Figuren in der Kleidung der Handwerker, Bauern und Fischer des 19. Jahrhunderts, die der heiligen Familie Grüße überbringen. „Eine solche Krippe hätte ich auch gern“, sagt Wennemaring und gräbt weiter in ihren Erinnerungen.

Einen geschmückten Tannenbaum habe es in ihrem Elternhaus aus Platzmangel nicht gegeben, obwohl er in Frankreich durchaus Tradition habe. Eine Legende besagt sogar, dass der Weihnachtsbaum seinen Ursprung im Elsass haben soll. Urkunden belegen, dass er dort bereits Anfang des 17. Jahrhunderts in den Häusern aufgestellt wurde. Doch erst im Jahre 1840 ließ die Herzogin von Orléans in Paris den ersten Christbaum aufstellen.

Francoise Wennemaring

Nach diesem kleinen Ausflug in die Geschichte spannt Francoise Wennemaring den Bogen wieder zurück zu den Weihnachtsfeiern ihrer Familie „Unser Vater hat am 24. Dezember den ganzen Tag in der Textilfabrik gearbeitet. 18 Uhr kam er erst nach Hause. Dann begann für uns das Weihnachtsfest mit einem festlichen Essen. Das zog sich hin bis zur Christmette um Mitternacht.“

Auch später, als sie bereits in Deutschland lebte, fuhr sie alle zwei Jahre mit ihrem Mann Josef und den drei Kindern in ihre französische Heimat, um mit Eltern und Geschwistern Weihnachten zu feiern. „Das war ein fröhliches Familientreffen. Meine Mutter hat uns alle bekocht“, erzählt Wennemaring. Austern als Vorspeise habe es gegeben und als Hauptgericht Gans oder Pute. Und die Erwachsenen stießen mit einem Glas Champagner an und wünschten einander „Joyeux Noel“. Das gehörte am Heiligen Abend dazu.

„Nach dem reichlichen Dinner und dem Besuch der Christmette“, fährt Francoise Wennemaring fort, „haben wir bei uns im Hause getanzt und gefeiert. Weihnachtslieder wurden natürlich auch gesungen.“ Ein typisch französisches Weihnachtslied sei „Petit Papa Noel“, aber auch die französische Fassung von „Stille Nacht“. Viele Franzosen, insbesondere die jüngere Generation, ziehe es in der heiligen Nacht hinaus auf die Straßen, wo sie ausgelassen mit Freunden feiern, so dass die heilige Nacht in Frankreich nicht unbedingt auch eine stille Nacht ist.

Frühstück

In dieser Nacht ist außerdem der französische Weihnachtsmann „Père Noel“ unterwegs. Er steigt durch den Schornstein in die Häuser und füllt die bereitgestellten Schuhe der Kinder mit Süßigkeiten.

Mit einem süßen Hefebrot beginnen die Franzosen dann das Frühstück am ersten Weihnachtstag. „Und zum Nachmittagskaffee gibt es Bûche de Noel“, erzählt Francoise Wennemaring von der mit Schokoladencreme gefüllten Bisquitrolle, die wie ein Baumstamm gestaltet wird. Der Ursprung dieses weihnachtlichen Traditionsgebäcks, das in Frankreich auf kaum einer Kaffeetafel fehlt, geht zurück in eine Zeit, als ein Weihnachts-Holzklotz im Kamin brannte. Sein Feuerschein sollte die bösen Geister vertreiben. Die Bauern hätten die Asche später auf ihren Feldern verstreut. In der Hoffnung auf eine gute Ernte.

Bei Francoise Wennemaring, die seit 45 Jahren in Deutschland lebt, steht allerdings an Weihnachten kein „Bûche de Noel“ mehr auf dem Kaffeetisch. „Aber die Austern am Heiligen Abend und das Gläschen Champagner, das habe ich beibehalten“, bemerkt sie lachend.

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