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Orgel in Lambertikirche wird restauriert

Sauberer Klang aus 3200 Pfeifen

Ochtrup

Mit Pinsel, Kompressor, Bürste und vielem mehr sind die Fachleute am Werk: Die Orgel in der Lambertikirche wird derzeit restauriert. Unter anderem gilt es, rund 3200 Pfeifen zu reinigen. Außerdem darf sich der Organist auf eine praktische Neuerung einstellen.

Alex Piccin

Die Orgel in der Lamberikirche wird restauriert. Kirchenmusiker Thomas Lischik zeigt auf die längsten Pfeifen, des Ochtruper Instruments. Sie sind 16 Fuß lang. Foto: Alex Piccin

„Die Orgel an sich scheint recht gut in Schuss zu sein. Eine Herausforderung ist es, den ganzen Staub und die Verschmutzung wegzubekommen“, gibt Lars Sonius von der Firma Fleiter aus Nienberge eine erste Einschätzung zur Restaurierung des Instruments in der Lambertikirche ab. Dazu muss auch die Elektrik ausgetauscht werden. Der Ruß, gepaart mit der Feuchtigkeit, ist das größte Problem der Orgel.

Seit dem 20. April sind die Orgelspezialisten mit Pinsel, Kompressor, Bürste und vielem mehr am Werk. Zum Teil werden die circa 3200 Pfeifen in einer Länge zwischen einem Zentimeter und 5,5 Meter in der eigenen Werkstatt gewaschen und gereinigt. Fleiter hat das Instrument seinerzeit auch für die Lambertikirche gebaut. Es handelt sich dabei um die größte zusammenhängende Fleiter-Orgel überhaupt. Jene in der Pfarrkirche St. Nikomedes in Borghorst ist zwar größer, jedoch auf mehrere Werke verteilt.

Mit Pinsel und Bürsten sind die Fachleute am Werk. Foto: Alex Piccin

Vor 20 Jahren ist die Ochtruper Orgel letztmalig gewartet worden. Dies liege im üblichen Zeitrahmen, versichert Kirchenmusiker Thomas Lischik: „Die Orgel ist das Instrument, das am längsten hält, gleichzeitig auch am kompliziertesten ist. Die Arbeiten gehen über die Reinigung hinaus und sind mit einer enormen Kostenanstrengung verbunden.“ Rund 50 000 Euro sind veranschlagt, die von der Kirchengemeinde getragen werden. Eine neue Orgel koste heutzutage mindestens eine Million Euro.

Die Lambertiorgel gelte, so Lischik, als Zeugnis deutscher Orgelromantik: „Die ältesten Pfeifen stammen aus dem Jahr 1870.“ Im Laufe der Zeit wurden viele Teile modernisiert, einige fielen aber auch dem Krieg zum Opfer. Die Pfeifen bestehen aus sogenanntem Orgelmetall – etwa 60 Prozent Blei, 40 Prozent Zinn und einem kleinen Anteil Edelmetall. Nachdem sie zu Waffenzwecken eingeschmolzen wurden, ersetzten die Verantwortlichen Zinn durch Zink. „Das funktionierte, aber der Klang war nicht so schön“, berichtet Thomas Lischik.

Wie aufwendig die Reinigungsarbeiten sind, erklärt er an einem Beispiel: „Zungenpfeifen funktionieren in etwa wie eine Mundharmonika. Es wird eine Metallzunge zum Schwingen gebracht.“ Ruß und Feuchtigkeit bilden eine Schicht, welche die Zunge festsetzt. Diese müssen einzeln wieder gangbar gemacht werden. Ferner sind auch Holzpfeifen verbaut. Diese reißen mit der Zeit ein oder der Leim löst sich. Auch keine dankbare Aufgabe für den Restaurateur, weiß Lischik.

Während der Arbeiten bleibt das Instrument in Teilen spielbar. Der Termin mit Fleiter war bereits länger geplant und fällt ganz gut in die Zeit ohne öffentliche Gottesdienste. Mindestens sechs Wochen werden die Restaurierungsarbeiten dauern.

Anschließend darf sich der Organist auf eine praktische Neuerung einstellen: Die Orgel bekommt eine Register-Setzer-Anlage. Dadurch können alle Klänge für beispielsweise eine Messe oder ein Konzert im Vorfeld programmiert und auf Knopfdruck abgerufen werden. „Die Register waren sonst durch zwei Personen einzustellen, was lange gedauert hat“, erklärt Lischik. „Diese Spielhilfe ist heute Standard, war vor 20 Jahren aber noch zu teuer.“

Die Trakturen werden ebenso überarbeitet, so dass die Orgel dann leichter und exakter zu spielen sowie mechanisch zuverlässiger ist. Bisweilen sei es so, dass der ein oder andere Ton aufgrund der Temperatur und Feuchtigkeit „hängenblieb“.

Marienkirche erhält Elektroorgel

Die Orgel in der Marienkirche (Baujahr 1956) hätte eigentlich eine Reparatur nötig. Dort ist der Gleichrichter kaputt. Dafür müsste die Gemeinde mindestens 5000 Euro einkalkulieren, so Organist Thomas Lischik. Zu teuer, entschieden die Verantwortlichen. Vor allem, da die Marienkirche perspektivisch nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden soll. Stattdessen investierte die Gemeinde in ein neues Instrument: eine Elektroorgel. Diese könne den Klang einer traditionellen Orgel zwar nicht imitieren, sei aber vielseitiger und mobil. „Das ist das Neueste vom Neuesten und ein tolles Ding“, sagt Lischik. Die alte Orgel bekommt ihren Platz in der Turmkapelle, die erhalten werden soll. pic

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