Friseursalon Grimmer

Schere und Kamm hängen am Nagel

Ochtrup

65 Jahre ist es her, dass Erich Grimmer seinen ersten eigenen Friseursalon gegründet hat. Später übernahm sein Sohn Peter das Geschäft. Doch seit einigen Monaten hat auch dieser Schere und Kamm an den Nagel gehängt. Immerhin ein halbes Jahrhundert führte der 71-Jährige den Betrieb. Gemeinsam mit WN-Mitarbeiter Martin Fahlbusch hat er noch einmal zurückgeblickt.

Martin Fahlbusch

Mittlerweile gehört der Friseursalon Grimmer der Vergangenheit an. Bis im September vergangenen Jahres wurde er von Friseurmeister Peter Grimmer geführt. Foto: Martin Fahlbusch

„Was haben Sie als Friseur eigentlich gemacht, wenn Sie sich die rechte Hand verstaucht oder gar gebrochen hatten?“ Für diese Frage hat Peter Grimmer nur ein Schmunzeln übrig. Vor ein paar Monaten hat er mit gut 70 Jahren Kamm, Schere und Fön endgültig aus der Hand gelegt. Und die hatte nie Blessuren.

In 50 Berufsjahren nie richtig krank

„Ich habe richtiges Glück gehabt. Ich war in meiner langen Berufstätigkeit nie richtig krank. Immer wieder haben meine Frau Sylvia und meine Angestellten gesagt, wenn ich mal ein wenig gehustet habe: ,Jetzt geht es aber endlich mal los, wenigstens mit einer ordentlichen Grippe.‘ Von wegen, habe ich gekontert“, freut sich der bald 71-Jährige heute noch und strahlt über das ganze Gesicht.

Früher sei nie gefragt worden, welchen Berufswunsch ein junger Mensch hatte, blickt er auf die Anfänge seiner Ausbildung zurück. „Mein Vater Erich ist ja auch Friseurmeister geworden und wollte doch eigentlich Musik studieren. Er legte 1955 die Meisterprüfung ab. Geboren wurde Erich Grimmer im Sudetenland. Auf seine Ausbildung folgten einige Jahre als Friseurgeselle, dann Arbeitsdienst, Krieg und Gefangenschaft, aus der er 1947 zurückkehrte.

Der erste eigenen Friseursalon

Nur wenige Monate nach der Meisterprüfung eröffnete er in Ochtrup seinen ersten eigenen Friseurladen, damals noch an der Metelener Straße. Nach zehn Jahren zog er mit der großen Familie an die Weilautstraße, wo der Salon Grimmer bis vor einigen Monaten mit angeschlossener Privat-Wohnung beheimatet war.

Peter Grimmer in seinem Frisörsalon. Foto: Martin Fahlbusch

„Meine Mutter war Hebamme und die kannte in Ochtrup irgendwie jeder“, erzählt Peter Grimmer und erinnert sich noch an das Jahr 2005, in dem er mit seinem Vater Erich auf 50 Jahre gemeinsame Selbstständigkeit zurückschauen konnte und etwas gefeiert hat. Nach 65 Jahren Familienbetrieb und 50 Jahren eigner Selbstständigkeit ist jetzt auch für Peter Grimmer Schluss.

„Das Muster hieß: Vater Friseur, dann kann der Sohn das auch machen. Ich hätte mir andere Möglichkeiten vorstellen können, aber dann habe ich doch in Burgsteinfurt und Och­trup die Ausbildung bei kleinem Geld gemacht“, blickt der im Juli 1949 in Ochtrup geborene Peter Grimmer zurück.

Später arbeitete er einige Jahre in einem Damensalon in Münster. Ihn hat stets die eigene Weiterbildung interessiert: „Ich habe Lehrgänge bei der bekannten Firma Wella besucht und später auch selber Lehrgänge gegeben.“

Der Deal mit Vater Erich

1971 legte er in Düsseldorf seine Meisterprüfung ab und handelte einen Deal mit seinem Vater aus: „Ich war mir klar darüber, dass wir, wenn ich in den Familienbetrieb zurückgehen würde, eine klare Aufgabentrennung benötigten. Mein Vater hatte übrigens im Laufe der Jahre ein Faible für das Versicherungswesen entwickelt. Also hieß die trennscharfe Vereinbarung: Vater Erich macht, was er will und den Herrensalon, und ich werde und bin der Chef der Damenabteilung.“

Bei diesen Worten muss Peter Grimmer etwas lächeln und seine Frau Sylvia – ohne die hätte es mit Laden und Familie nie so richtig geklappt, stellt Peter Grimmer klar – sogar richtig lachen. Denn sehr bald schon war ihr Mann der Chef „von datt Janze“. Mit Tochter Carina ist wenigstens eines der drei Kinder dem Friseurhandwerk treu geblieben. Die hat aber die Selbstständigkeit – wie in anderen Feldern ihre Brüder Jürgen und Ingo – nie wirklich gereizt.

Müllvermeidung

Vater Peter Grimmer hat sich schon sehr früh, sicherlich auch dank seine Ausbildungserfahrungen und seines Weiterbildungsengagements, um das Thema Müllvermeidung in seinem Beruf gekümmert. „Da musste für jede Behandlung, ob Wasser- oder Dauerwelle oder sonst was hier ein ‚Pülleken‘, dort ein Fläschchen und wieder dort eine Tube in ein Einweg-Behandlungsset zusammengepackt werden. Ich habe auf Kanister und Gebinde gesetzt, aus denen ich dann die notwendigen Mengen abgefüllt habe. Die Kunden waren zufrieden und wir haben somit schon ganz lange das heute aktuelle Thema Müll- und Plastikvermeidung aktiv praktiziert“, sagt der Friseurmeister nicht ohne Stolz.

Handwerkskunst

Peter Grimmer frisiert in seinem Frisörsalon seine Frau. Foto: Martin Fahlbusch

Seine Frisuren und Haarschnitte zeichneten sich durch handwerkliches Können und den gewissen Pfiff aus. „Zu Verrücktem habe ich nie jemandem überzeugen wollen, sondern, das, was ich als Friseur vorfand, sagen wir mal, optimiert. Sanfte und zielgerichtete Beratung war unser Motto – und das hat uns über die Jahre stets zufriedene Kunden und eine große Stammkundschaft beschert“, zieht Peter Grimmer ein Fazit.

Natürlich habe auch immer der Plauderton im Umgang mit den hoffentlich still sitzenden Kunden im Stuhl und unter der Haube zum Handwerk gehört. „Eine gewisse Info- und Geschichtenbörse ist jeder Friseursalon, aber Klatsch und Tratsch und allzu Privates gehörte bei uns nicht dazu“, stellt der Friseurfachmann klar. Seine Frau Sylvia und er wollen jetzt den Ruhestand nutzen und genießen, aber nach einem Umzugsintermezzo von Metelen nach Ochtrup zurückkehren. Ganz nach dem Motto: „Klein und fein – und mittendrin“.

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