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Dreharbeiten für Dokumentation

Schneechaos und Stromausfall in Ochtrup sind „Fallbeispiele“

Ochtrup

Das Schneechaos und der daraus resultierende Stromausfall liegen mittlerweile zwölf Jahre zurück. Und trotzdem ist das Ereignis noch immer aktuell. Jüngst drehte Fernsehjournalismus- Student Fabian Janssen mit seinem Team eine Dokumentation zum Thema Katastrophenschutz. Der Stromausfall in Ochtrup im November 2005 diente dabei als Fallbeispiel.

Erhard Kurlemann

Dreharbeiten in der Redaktion: Für Fabian Janssens (3.v.l.) Dokumentation zum Thema Katastrophenschutz erinnerte sich WN-Redakteurin Anne Eckrodt, die damals in Ochtrup arbeitete. Foto: erh

Katastrophenschutz – ein Wortungetüm, dessen Bedeutung nur wenige Menschen interessiert – im Normalfall. Für Ochtrup und weite Teile des Münsterlandes dürfte das anders sein: Das Schneechaos aus dem November 2005 ist nicht nur in der Töpferstadt noch immer oder immer wieder ein Gesprächsthema.

Fabian Janssen studiert Diplom-Fernsehjournalismus an der Filmakademie in Ludwigsburg. Für einige Tage war er jetzt mit zwei Kommilitonen – Chiara Haurand (Ton- und Sounddesign) und Maciej Rolbiecki (Kamera) – zu Besuch in der Region. Sein Thema: Katastrophenschutz am Beispiel des Stromausfalls 2005. Das Schneechaos und die damit verbundenen „Konsequenzen“ ist das einzige Ereignis dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland. „Och­trup hat dazu in gewisser Weise ein Alleinstellungsmerkmal“, hebt er hervor.

Seine Arbeit soll eine rund 15-minütige Dokumentation über den Stromausfall werden. Dazu führt Janssen Interviews mit Zeitzeugen. Zugleich will er mit seinem Beitrag sensibel machen dafür, wie abhängig die Menschen von Strom sind. „Und auf ein mögliches Gefahrenpotenzial hinweisen“, ergänzt Janssen und nennt das Beispiel des Cyber-Angriffs in der Ukraine. Dort hatten Hacker im Dezember 2015 den wichtigsten Stromversorger lahmgelegt – mit weitreichenden Konsequenzen. Einen zweiten Angriff im vergangenen Juni wehrte der Versorger ohne weitere Schäden ab.

Noch einen Aspekt hat Janssen für seine Dokumentation herausgestellt: Best­seller-Autor Marc Elsberg hat in seinem 2012 erschienenen Roman „Blackout – Morgen ist es zu spät“ die katastrophalen Auswirkungen eines längeren großflächigen Stromausfalls in Europa zugrunde gelegt.

Das Erlebnis von damals hat Konsequenzen im Alltag

Zum Thema Stromausfall und dessen Bedeutung oder Konsequenzen könne er mit „ganz vielen Experten“ reden, erläutert Janssen. Ihm sei aber wichtig, auch „Emotionen“ wiedergeben zu können. „Dazu braucht man Menschen, die eine solche Situation selbst erlebt haben.“

Zu Besuch in der Werkstatt von Landwirt Thomas Ostendorf. Fabian Janssen und sein Team drehten auch hier Sequenzen für die geplante Dokumentation zum Thema Katastrophenschutz Foto: erh

Einer von ihnen ist Thomas Ostendorf. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins (LOV) in Ochtrup ist geduldig. Mehrfach muss er im Interview Passagen wiederholen. Ostendorf hat damals mittels Notstromaggregat – dieselbetrieben – unter anderem dafür gesorgt, dass die Ferkel in seinem Stall die nötige Wärme hatten. Zudem ist er auf benachbarte Gehöfte gefahren, damit dort zum Beispiel die Kühe gemolken werden konnten. „Ohne Strom sind wir in der Steinzeit“, beschreibt er die Bedeutung für seinen Hof. Das Erlebnis von damals hat für ihn Konsequenzen im Alltag. „Mein Dieselvorrat reicht immer aus, um das Notstromaggregat über mehrere Tage betreiben zu können.“ Und: „Wenn der Jahrestag 25. November da ist, wird das Gerät jeweils angeworfen.“ Zwei Aspekte verbindet Ostendorf mit der Aktion: Die Erinnerung und das Wissen, das alles läuft – Vorsorge eben.

Strom als Basis für Kommunikation und Information

Verschiedene Szenen im Schweinestall sind gedreht worden, dazu weitere Bilder in einem Kuhstall. Auch bei Sven Lüke in Lotte-Wersen war Fabian Janssen. Der betreibt die Website schneechaos-muensterland.de. „Dort sind viele Dokumente und Videos zu finden.“ Ein weiterer Gesprächspartner war Stephan Frenzel aus Schöppingen. Er war damals als Zugführer des Malteser-Hilfsdienstes im Einsatz. Auch Kreisdirektor Dr. Martin Sommer, damals Leiter des Krisenstabes, steht kurzfristig für ein Statement zur Verfügung.

Ein Interview mit Anne Eckrodt ist ebenfalls Bestandteil des Films. Die Redakteurin hat damals für die Redaktion des Tageblatts ungezählte Berichte geschrieben. „Die Geschichten lagen auf der Straße. Für die Umsetzung mussten wir jedoch oftmals improvisieren.“ In der Zeit der Krise sei die Tageszeitung ein wichtiges Medium für die Menschen gewesen. „Wir haben über alle wichtigen Dinge vor Ort informiert“, erinnert sich die Redakteurin und nennt Beispiele: Welche Straßenzüge werden wann wieder ans Stromnetz angeschlossen. Oder: Wann kann man wo einkaufen? Oder: Wo lässt sich der verdorbene Inhalt der Kühltruhe entsorgen? Oder: Wann ist wieder Schule?

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Als die spröden Masten brachen: Die große Chronik [23.11.2015]

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„Der Blick aus dieser Perspektive gibt dem Film noch ein Stückchen Spannung“, findet Fabian Janssen. Strom als Basis für Kommunikation und Information. Gerade dieser Aspekt dürfe nicht vergessen werden.

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