Rasenmäher mit Wankelmotor

Seltenes Schätzchen auf Hochglanz

Ochtrup

Jahrelang hat Peter Wierling diese Rarität gesucht und neulich schließlich gefunden: Ein Rasenmäher mit Wankelmotor. Der Zustand war bedauernswert, so sagt er. Also hat der passionierte Hobby-Restaurateur innerhalb von acht Wochen das Schätzchen auf neu getrimmt.

Alex Piccin

Acht Wochen hat Peter Wierling benötigt, um diesen Sabo-Rasenmäher mit Wankelmotor von 1975 zu restaurieren. In ganz NRW gebe es davon nur noch eine Handvoll. Foto: Alex Piccin

Ein Blick in Peter Wierlings Wohnzimmer lässt Nostalgiker entzücken und unbedarfte Gäste meinen, einen Schritt ins Museum gemacht zu haben. Nussglocken, Plattenspieler, Warenautomaten, Spielzeug-Dampfmaschinen und vieles mehr, teilweise mehr als 100 Jahre alt, hat der Ochtruper gesammelt und in liebevoller Detailarbeit originalgetreu restauriert. Sein neuestes Schätzchen wartet allerdings im Garten: Ein Rasenmäher mit Einscheiben-Wankelmotor der Firma Sabo von 1975.

Eine absolute Rarität, wie Wierling sagt. Bloß eine Handvoll gebe es noch in ganz NRW. Der Wankelmotor sei aus den Produktionslinien der allermeisten Hersteller entfernt worden. „Heute verbaut Mazda so einen Typen in den Modellen RX 7 und RX  8. Mercedes und Citroën haben es probiert, es aber aufgegeben. Sie sind an den Dichtungen gescheitert“, erklärt Wierling.

Keine beweglichen Teile

Der Vorteil des Wankelmotors sei, dass er ohne bewegliche Teile, wie etwa Zylinderkolben, auskommt. Die besagten Dichtungen seien allerdings die Schwachstelle, die viele Hersteller nicht in den Griff bekommen haben. Ist eine Stelle im Motor undicht, könne kein Kompressionsdruck und folglich keine Leistung entstehen.

Eigentlich ist er gerne auf Floh- und Trödelmärkten unterwegs. Doch in Coronazeiten stöbert Peter Wierling digital. Seinen Mäher machte er nach jahrelanger Suche im Internet ausfindig: „Der war in einem sehr schlechten, bedauernswerten Zustand.“ Im Februar ist der „Patient“ aus Bayern in Ochtrup angekommen. Gut acht Wochen später erstrahlt der Sabo in neuem Glanz. „Ich habe die Coronazeit so wenigstens gut genutzt“, sagt Wierling mit einem Schmunzeln.

Täglich hat sich der passionierte Hobby-Restaurateur an den Mäher gemacht, dabei alte Farbe abgeschliffen, neu grundiert und lackiert sowie den Motor gesäubert – bis alles wieder in Schuss war. Bloß eine Sache ärgert den Ochtruper: „Die Räder müssten ausgetauscht werden, Ersatzteile sind aber nicht aufzureiben.“ Plastikscheiben kommen ihm nicht ans Werk. Es sollen schon jene aus Metall sein.

Funktionstüchtig sei der Mäher. Wierling muss jedoch noch einige Detailarbeiten erledigen: „Daher habe ich keinen Sprit eingefüllt. Das ergibt sonst nur eine Sauerei.“

Leidenschaft in früher Kindheit entdeckt

Die Leidenschaft für solche Reparaturen habe er schon immer gehabt, eröffnet Wierling. „Peter konnte an keinem Schrottplatz vorbeigehen, ohne sich die Taschen voller Schrauben zu stecken“, hatte sein Vater Bernhard mal über ihn gesagt. Um 1986 habe den Sohnemann das Interesse so richtig gepackt, an Motoren zu tüfteln. Anlass war ein Dieselaggregat, das die Förderbänder der alten Ziegelei bei der Firma Borgers jahrelang angetrieben hatte. Einmal ausrangiert, kaufte Bernhard Wierling das Gerät für schlappe 20 Mark ab und stellte es in den eigenen Garten. „Es war schön, die Mechanik kennenzulernen“, erinnert sich Peter Wierling. „Heute ist vieles elektronisch. Ein Krampf.“

Acht Wochen Handarbeit

Der Wankelmotor zeigte dahingehend wenige Hürden. Bis auf das Gehäuse, das er professionell hat sandstrahlen lassen, richtete Wierling alles in Handarbeit innerhalb von gut zwei Monaten wieder her. Was ihn die Aktion gekostet hat, verrät Wierling im Detail nicht. Der Wert des Mähers als Sammlerstück dürfte sich seiner Einschätzung nach aber verdoppelt haben. Doch ein Wiederkauf komme ohnehin nicht in Frage. Wohl aber ein Gebrauch: „Sobald wir ein eigenes Grundstück haben, wird er auf jeden Fall mal eingesetzt.“

Startseite