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KAB besucht alte Wegkreuze und Bildstöcke

Statuen erzählen Geschichten

Ochtrup

Hinter alten Wegkreuzen oder Grotten und anderen Statuen liegen oft spannende Geschichten. Die KAB hat sich nun auf den Weg gemacht, um diese Geschichten zu erfahren. Die Geschichte einer Statue führt mitten hinein in die Wirren des Zweiten Weltkriegs.

Bruno Kippelt (l.) berichtete unter anderem Annette und Willi Rensing und ihrem Enkel Luca von der Geschichte rund um die Herz-Jesu-Grotte. Foto: Norbert Hoppe

Nicht die Handwerkskunst oder das Baumaterial sind für Bruno Kippelt das Interessanteste, sondern die Geschichten hinter der Geschichte der vielen Bildstöcke und Wegekreuze in den Ochtruper Bauerschaften.

Von solchen Geschichten bekamen rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun reichlich zu hören. Sie hatten sich mit der KAB St. Paulus und ihren Fahrrädern auf den Weg gemacht, um Zeugnisse der Volksfrömmigkeit in der Wester in Augen- und Ohrenschein zu nehmen.

Eine Herz-Jesu-Grotte der ganz besonderen Art fand die Gruppe auf dem Hof der Familie Rensing vor, schreibt die KAB in einem Pressetext. Die Statue und die Grotte waren ein Geschenk von Mutter Elisabeth Hagenhoff an ihre Tochter Alwine, die 1951 ihren Mann Theodor Rensing geheiratet hatte und danach auf dem Hof Rensing zu Hause war.

Hof sollte gesprengt werden

Die Mutter hatte schon länger darüber nachgedacht, auf ihrem eigenen Anwesen der Gaststätte am Rothenberg eine Andachtsstätte zu errichten, die nun pünktlich zur Hochzeit von Theodor und Alwine in der Wester als Geschenk präsentiert wurde. Die Grotte wurde aus „Abfallsteinen“ der Ziegelei Schnermann von Anton „Töns“ Rickershenrich errichtet. Gelegentlich werde die 83 Zentimeter hohe Statue gründlich gereinigt und frisch lackiert, berichtet Willi Rensing und fügt hinzu, dass zum Schützenfest in der Wester immer ein ganz besonderer Blumenschmuck angelegt wurde.

Ein alter Bildstock ohne Korpus wurde auf dem Hof Holtmann besichtigt. Um diesen Bildstock und den Hof Holtmann ranken sich viele Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg. Als Stützpunkt für den Nachschub und als Gefangenenlager diente die Hofstelle in den Kriegsjahren. Zum Ende des Krieges machte die SS auf ihrem Rückzug Station auf Hof Holtmann und es erging der Befehl, den gesamten Hof in die Luft zu sprengen. Auf das inständige Flehen der Großmutter sah der Kommandeur von der Sprengung ab und verschonte das Anwesen. Diese glückliche Fügung wurde nicht vergessen, und so errichtete die Familie Holtmann 1957 ein Kreuz zum Dank dafür, dass die Familie und die ganze Westerbauerschaft die Kriegszeit überstanden hatten.

Weitere Führungen sollen folgen

Noch andere Gedenkstätten wurden an diesem Nachmittag angefahren. Da wurden Bitten um gesunde Kinder ausgesprochen und um eine gesunde Heimkehr aus dem Krieg gebetet. Zu allen wusste der Fachmann des Heimatvereins eine Menge zu erzählen, denn schon seit gut zehn Jahren hat Kippelt eine Fülle von Informationen zusammengetragen und aufgeschrieben.

Dabei habe er in unzähligen Gesprächen mit Familien und Nachbarn Hintergründe zur Entstehung von 115 dieser religiösen Denkmäler auf Ochtruper Höfen, an Straßen und Wegen ans Tageslicht gebracht, um sie im Bewusstsein der Menschen zu verankern, schreibt die KAB in ihrem Pressetext. Daher freut sich die KAB, dass Bruno Kippelt schon für das nächste Jahr eine Führung zu weiteren Bildstöcken und Wegekreuzen zugesagt hat, heißt es abschließend.

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