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Stadt Ochtrup spendet ausgemusterten Feuerwehrwagen

Tanklöschfahrzeug für die Ukraine

Ochtrup

Das alte Fahrzeug hat nach 28 Jahren ausgedient. Reif für den Schrottplatz ist der TLF 4000 von 1994 aber noch lange nicht. Die Stadt Ochtrup und die Feuerwehr vermachen ihn den Kameraden in der Ukraine.

Alt und neu: das neue Tanklöschfahrzeug 4000 (l.) mit dem ausgemusterten Tanklöschfahrzeug, welches nach 28 Dienstjahren seinen Dienst in der Töpferstadt beendet. Foto: Feuerwehr Ochtrup

Für viele Feuerwehrfrauen und -männer der Feuerwehr Ochtrup war es schlichtweg ihr Lieblingsfahrzeug. Ein Mercedes-Benz 18t. Fahrgestell mit 310 PS und einer Doppel-H-Getriebeschaltung: Wer den Dreh einmal raus hatte, mochte das Tanklöschfahrzeug (TLF) 4000 nicht mehr missen. In Dienst gestellt wurde der große Tankwagen im Jahre 1994. Es war das erste Einsatzfahrzeug seiner Art im Fuhrpark der Ochtruper Wehr. Jetzt hat es seinen Dienst in der Töpferstadt beendet, schreibt die Wehr in einem Pressebericht.

Mit der wichtigste Grund der Anschaffung war der damalige Bau der A 31 und der somit einhergehenden Erweiterung des Einsatzgebietes der Feuerwehr Ochtrup um nun knapp 33 Autobahnkilometer. Anders als im innerstädtischen Bereich verfügen Autobahnen über kein parallel zur Fahrbahn verlaufendes Hydrantennetz zur Löschwasserversorgung. Dies bedeutet, dass die Feuerwehr bei Brandeinsätzen auf der Autobahn auf ihre eigenen Ressourcen angewiesen ist. Mit einem Tankinhalt von 4800 Litern Wasser und 500 Litern Löschschaummittel war das nach alter Norm bezeichnete TLF 24/50 (das bedeutet 2400 Liter Pumpleistung bei 8 bar und 500 Liter Schaummittel an Bord) eines der ersten Einsatzfahrzeuge, welches bei derartigen Einsatzlagen vom Westwall ausgerückt ist.

Doch nicht nur auf der Autobahn war das TLF 4000 von einsatztaktischer Bedeutung. Besonders auch in den weit abgelegenen Stellen der Ochtruper Bauerschaften, also dort, wo das Hydrantennetz besonders spärlich ausgebaut ist, oder im Rahmen von Großbränden in den Industriegebieten punktete das TLF unter anderem durch den Einsatz seines großen, auf dem Dach montierten Wasserwerfers.

Die Verantwortlichen von Feuerwehr und Stadtverwaltung, (v.l.: Ordnungsamtsleiter Michael Alfert, Bürgermeisterin Christa Lenderich, Ordnungsamtsmitarbeiter Lars Wiggenhorn und Wehrleiter Andreas Leusing) freuen sich, das ausgemusterte Tanklöschfahrzeug den ukrainischen Feuerwehrkameradinnen und -kameraden zukommen zu lassen. Foto: Feuerwehr Ochtrup

Doch nach 28 Dienstjahren und unzähligen Einsätzen galt es vor knapp zwei Jahren, die Ersatzbeschaffung für das in die Jahre gekommene Fahrzeug ins Auge zu fassen. Nach einer langen Planungs- und Bauzeit stellte die Feuerwehr Mitte Mai dieses Jahres den Nachfolger – ebenfalls ein TLF 4000 – in den Dienst.

Was aber passiert mit Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr, wenn diese in „Rente“ gehen? Eigentlich werden diese über die bundeseigene Treuhandgesellschaft „VEBEG“ verkauft. In diesem Fall verfährt die Stadt Ochtrup jedoch anders als gewohnt, denn das ausgemusterte TLF 4000 geht als Spende in die Ukraine.

Wie kam es dazu? Der Kreisbrandmeister des Kreises Steinfurt erkundigte sich, wie mit dem außer Dienst gestellten Fahrzeug verblieben wird. Er macht in diesem Zusammenhang auf die Vereinigung „@fire – Internationaler Katastrophenschutz Deutschland“ (s. Infokasten) aufmerksam. Sie leistet unter dem Motto „Feuerwehrleute helfen weltweit“ international Hilfe bei Naturkatastrophen.

Andreas Leusing

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine engagierte sich @fire auch in diesem Bereich und hat sich zum Ziel gesetzt, ihre ukrainischen Kameradinnen und Kameraden materiell zu unterstützen. Hierbei organisiert der Verein Materialspenden – vom klassischen Feuerwehrschlauch, über den motorbetriebenen Trennschleifer bis hin zum großen Löschfahrzeug – und wickelt deren Transfer in die Ukraine ab. Die Führung der Feuerwehr leitete in diesem Zuge die Anfrage, das Tanklöschfahrzeug unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, an die Stadtverwaltung weiter, welche wohlwollend zustimmte.

@fire – Internationaler Katastrophenschutz Deutschland

Im gleichen Zuge erklärten sich die Stadtwerke Ochtrup bereit, einen Teil des Geldes, welches durch einen möglichen Verkauf des Fahrzeuges hätte eingenommen werden könnte, der Stadt Ochtrup für die Feuerwehr zu spenden. Dieses Geld soll unter anderem in die Anschaffung neuer Atemschutzgeräte investiert werden.

Blick ins Kriegsgebiet

Seit Kriegsbeginn sind nach Informationen der Projektinitiatoren mehr als 250 Feuerwehr- und Rettungsdienstfahrzeuge sowie über 100 Feuerwachen im Rahmen militärischer Auseinandersetzungen komplett zerstört worden. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sind pausenlos im Einsatz, um Verwundete zu versorgen, Brände zu löschen oder Verschüttete zu retten. „Dies sind Einsatzbedingungen jenseits unserer persönlichen Vorstellungskraft“, merkt Wehrleiter Andreas Leusing in dem Bericht an.

Laut Informationen von @fire soll das Tanklöschfahrzeug in den Regionen von Kiew oder Tschernobyl eingesetzt werden. „Das Einsatzfahrzeug ist zuverlässig, in allen Punkten einsatzbereit und mit den notwendigen Materialien ausgerüstet“, so Leusing weiter. „Wir hoffen, damit die Feuerwehrkräfte in der Ukraine, bei aller Grausamkeit die diese derzeit durchmachen müssen, unterstützen zu können.“

Von Hannover aus startet der Hilfskonvoi zu einem zum Schutz der ukrainischen Kräfte unbestimmten Zeitpunkt Richtung polnische Grenze, wo die Fahrzeuge und Materialien in Empfang genommen werden. Hierbei werden Kameraden der Ochtruper Wehr den Konvoi begleiten und das Einsatzfahrzeug persönlich an die ukrainischen Kräfte übergeben in der Hoffnung, dass das TLF und vor allem seine Besatzungsmitglieder diesen Krieg zumindest körperlich unversehrt überstehen werden.

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