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Strafbefehl wegen Diebstahls: 26-jähriger Ahauser wird in Abwesenheit verurteilt

Unwohlsein reicht als Entschuldigung nicht aus

Ochtrup/Steinfurt

Ein 26-jähriger Mann aus Ahaus hatte gegen die Zahlung einer Geldbuße Einspruch eingelegt. Er war aufgrund eines Diebstahls in Ochtrup verurteilt worden. Zur Verhandlung ist er allerdings nicht erschienen. Die vorgelegte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung weckte Zweifel bei der Richterin.

Norbert Hoppe

Ein 26-jähriger Ahauser ist nicht zur Gerichtsverhandlung erschienen. Er hatte Einspruch gegen eine Geldbuße eingelegt. Foto: Alex Piccin

Abgelehnt wurde am Dienstag beim Amtsgericht Steinfurt der Einspruch gegen einen Strafbefehl, den ein 26 Jahre alter Mann aus Ahaus eingelegt hatte. Das Amtsgericht hatte ihn im schriftlichen Verfahren vom 10. November des vergangenen Jahres zur Zahlung einer Geldbuße verurteilt. Er war angeklagt, im Herbst 2020 in Ochtrup einen Diebstahl durch die Vortäuschung einer Straftat begangen zu haben.

Am Dienstag war der Angeklagte zu der anberaumten Hauptverhandlung nicht erschienen. Vielmehr legte er eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor, die von einem Arzt aus Duisburg ausgestellt war. Der Richterin reichte die vorgelegte Bescheinigung nicht aus. Auf telefonische Nachfrage beim Arzt erfuhr sie, dass sich der Angeklagte am vorherigen Tag in der Praxis vorgestellt und über Bauchschmerzen geklagt habe. Mit einer Ultraschalluntersuchung habe er jedoch keine gesundheitlichen Einschränkungen feststellen können. Da der Patient aber weiter vorgab, starke Beschwerden zu haben, habe er ihm für einige Tage bescheinigt, arbeitsunfähig zu sein.

Angeklagter wäre verhandlungsfähig gewesen

Merkwürdig erschien der Richterin, dass der Angeklagte mit Wohnsitz in Ahaus einen Arzt in Duisburg aufsuchte. Auch der Mediziner hakte diesbezüglich bei seinem Patienten nach und bekam zur Antwort, dass der Ahauser bei einer Freundin in Duisburg gewesen sei. Der Arzt gab an, sich noch genau an seinen Patienten erinnern zu können. Aufgefallen sei ihm, dass er teure Markenkleidung getragen habe. Von einem Gerichtstermin habe er aber nichts erwähnt; denn den hätte er nach Ansicht des Arztes trotz des angegebenen Unwohlseins wahrnehmen können. Für eine Gerichtsverhandlung hätte er keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, da er nach seiner Überzeugung verhandlungsfähig gewesen sei. Aufgrund der ärztlichen Aussage erkannte die Richterin das Attest als Entschuldung für das Fernbleiben nicht an. Auch der Staatsanwalt war von der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten nicht überzeugt und beantragte, den Einspruch abzulehnen. In ihrem Urteil verwarf die Richterin den Einspruch, so dass der Strafbefehl vollzogen wird. Gegen das Urteil, dass dem Beschuldigten schriftlich zugestellt wird, besteht noch die Möglichkeit, Berufung einzulegen.

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