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Strafprozess gegen Ochtruper

Vier Körperverletzungen auf der Anklageliste

Ochtrup/Rheine

Einen Saufkumpan mit Desinfektionsmittel angesprüht und angesteckt, mit einer Pistole zu schießen gedroht: Die Vorwürfe, mit denen sich ein 53-Jähriger aus Ochtrup derzeit vor Gericht konfrontiert sieht, wiegen schwer. Insgesamt werden dem Angeklagten von der Staatsanwaltschaft vier Körperverletzungsdelikte zur Last gelegt.

-mok-

Eine Figur der blinden Justitia. Foto: Sonja Wurtscheid/dpa/Symbolbild

Alkohol und Drogen im Milieu sollen der Hintergrund für vier Gewalttaten sein, für die sich ein 53-jähriger Ochtruper in Rheine vor Gericht verantworten muss. Er wurde aus der Haft vorgeführt.

Vier Körperverletzungen, davon eine lebensgefährlich, zwischen November 2021 und dem 7. Juli 2022 wirft ihm der Staatsanwalt vor. Nach Anhörung von fünf Zeugen wurde der Prozess auf Donnerstag nächster Woche (12. Januar) vertagt, um weitere Zeugen zu laden, darunter die Lebensgefährtin des Angeklagten, die er geschlagen und getreten haben soll. „Die ist auch in Haft“, erklärte dieser ihr Fernbleiben. Sie hätten noch guten Kontakt. Als die Frau zu Nachbarn flüchtete und die Polizei rief, drohte er den Beamten laut Anklage, mit einer Pistole durch die Tür zu schießen. Der Einsatz wurde daraufhin abgebrochen.

Im Dezember 2021 soll der Angeklagte den Bewohner eines Wohncontainers in Ochtrup mit einem Desinfektionsmittel angesprüht und mit seinem Feuerzeug angesteckt haben. Die Jogginghose fing sofort Feuer, der Mann erlitt Brandverletzungen dritten Grades auf dem Oberschenkel. Er wurde zunächst stationär in Gronau und anschließend sechs Wochen ambulant behandelt. Die Tat geschah in seiner Wohnung, in welcher der Angeklagte Unterschlupf gefunden hatte. Das Opfer ist inzwischen verstorben, seine polizeiliche Aussage wurde im Prozess verlesen.

Polizeieinsatz nach Drohung mit Pistole abgebrochen

Der Angeklagte schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Als ein 27-jähriger Beteiligter als Zeuge das Zündeln an der Jogginghose des Verstorbenen bestätigte, räumte der Angeklagte ein, aus Spaß Desinfektionsmittel auf die Hose des Saufkumpanen gesprüht und sie angesteckt zu haben. „Ich hatte mir vorher auch selbst auf die Hose gesprüht und das Feuer mit der Hand ausgeschlagen“, behauptete er. „Das habe ich nicht gesehen“, sagte der Zeuge auf Nachfrage der Richterin. Er habe die Flammen mit einem Kissen gelöscht und dem Verletzten mit dem Angeklagten zusammen die Hose ausgezogen. Dabei sei eine große Brandwunde sichtbar geworden. Der Verletzte habe nicht ins Krankenhaus gewollt. Einen vorherigen Streit verneinte der Zeuge. Sie hätten viel Bier konsumiert. Das Opfer habe zu dem Zeitpunkt schon im Rollstuhl gesessen. Der Angeklagte glaubte das nicht. Er meinte, der Geschädigte sei an Krücken gegangen.

Heftig artete ein Polizeieinsatz am 29. Januar 2022 aus, als die Freundin des Angeklagten die Polizei wegen häuslicher Gewalt rief und bereits zu Nachbarn geflüchtet war. Fünf Polizisten waren vor Ort und wollten den Angeklagten aus ihrer Wohnung verweisen. Aber dazu kam es nicht, weil der durch die Tür brüllte: „Haut ab, verpisst euch, sonst schieße ich mit meiner 9-Millimeter-Pistole durch die Tür“, berichteten sie als Zeugen. Die Beamten nahmen die Drohung ernst und fragten bei ihrem Vorgesetzten nach der weiteren Vorgehensweise. „Wir dachten an ein Sondereinsatzkommando“, erklärte einer der Polizisten. Der Vorgesetzte habe angeordnet, den Einsatz abzubrechen, weil der Angeklagte für seine Drohungen bei der Polizei bekannt gewesen sei und sie noch nie in Taten umgesetzt habe, zitierte der Zeuge die Weisung. Daraufhin seien die Polizisten gegangen.

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