1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Ochtrup
  6. >
  7. Virtuelle Entdeckungen für Leseratten

  8. >

Nacht der Bibliotheken

Virtuelle Entdeckungen für Leseratten

Ochtrup

Rein digital musste in diesem Jahr die Nacht der Bibliotheken stattfinden. Dennoch gab es für Bücherfreunde viel zu entdecken. Autorenlesungen waren dabei nur ein Part des landesweiten Angebotes. Das Ochtruper Büchereiteam beteiligte sich mit einer digitalen Ausstellung der Lichtmaler an der Aktion.

Maximilian Stascheit

Auch wenn die Technik bisweilen hakelte, ließen sich spannende Veranstaltungen in den Bibliotheken des Landes verfolgen. Ochtrup beteiligte sich mit deiner digitalen Ausstellung der Lichtmaler an der Bibliotheksnacht. Foto:

Noch hakt es etwas mit der Technik. Seit 20 Minuten sitze ich nun schon vor dem Laptop und warte gespannt auf Frank Goosen, dessen Lesung für 19.30 Uhr auf der langen Programmliste zur diesjährigen Nacht der Bibliotheken angekündigt ist. Normalerweise wäre es in vielen Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein jetzt richtig trubelig. Wer die Veranstaltung in der Ochtruper Bücherei St. Lamberti in den vergangenen Jahren schon einmal besucht hat, der weiß, dass bei diesem Event nicht nur lauter Leseratten in Büchern schmökern, sondern es dank zahlreicher Spiele und kreativen Angeboten auch viel zu entdecken und auszuprobieren gibt.

Corona-bedingt findet die diesjährige Nacht nun ausschließlich im Internet statt. Über eine sogenannte „Social Wall“, auf der die verschiedenen Angebote der Bibliotheken dargestellt werden, beginnen zwischen zahlreichen Fotos immer wieder neue Videos zu laufen. Da fällt es gar nicht so leicht, sich einen Überblick zu verschaffen. Die Vielfältigkeit des Programms ist beeindruckend: Neben zahlreichen Lesungen, die bereits am Nachmittag auch für ein ganz junges Publikum stattfanden, gibt es Musik, digitale Kochabende, Bastelkurse und vieles mehr.

Eine halbe Stunde lang habe ich schon einem wunderbaren Konzert einer dreiköpfigen A-Capella-Gruppe zugehört, das live aus dem Ebertbad in Oberhausen gesendet wurde. Noch vor etwas mehr als einem Jahr habe ich in dieser Location, die für Kleinkunstveranstaltungen bekannt ist, selbst im Publikum gesessen. Ich verspüre in diesem Moment die Sehnsucht, endlich mal wieder Live-Kultur erleben zu können. Immerhin ein Hauch davon flimmert an diesem Abend in mein heimisches Wohnzimmer.

Jetzt aber warte ich weiter auf Frank Goosen. Der Bochumer Autor („Radio Heimat“) ist durch seine Geschichten rund um die Menschen und die (Fußball-)Kultur im Ruhrgebiet längst weit über die Grenzen des Reviers hinaus einem großen Publikum bekannt geworden. Mit einer kurzen Textnachricht, die neben dem Video erscheint, bittet er noch um etwas Geduld. Nach einer knappen halben Stunde erscheint er tatsächlich, allerdings noch ohne Ton. Erneut bittet der Autor die 200 digitalen Zuschauer um etwas Geduld.

Langweilig wird mir unterdessen trotzdem nicht. Beim Blick auf die „Social Wall“ finde ich ein Video, das die Stadtbibliothek Emsdetten online gestellt hat. Darin präsentieren Schüler der 9. Klasse der Käthe-Kollwitz-Realschule Bilder, welche sie zum Thema „Social Media – alles Fake News, oder was?“ gemalt haben. Während die Werke zu sehen sind, erzählen sie ihre Gedanken.

Und dann – endlich – höre ich die Stimme von Frank Goosen, der die technischen Schwierigkeiten dann doch noch in den Griff bekommen hat. Auch Olaf Lewejohann berichtet am Samstagmorgen, dass er bei Goosens Lesung hängen geblieben sei. „Ich finde den einfach genial und habe ihn auch schon mehrfach live gesehen“, so der Leiter der Bücherei. Auch er sei begeistert von der Vielfältigkeit des Angebots gewesen. „Es ist faszinierend, wie kreativ Bibliotheken sein können, wenn sie denn müssen“, erzählt er lachend.

Für ihn sei das ein großer Vorteil der digitalen Variante gewesen: „So konnte ich selbst mal schauen, was die anderen so machen. Da bekommt man ja sonst nicht so viel von mit, wenn man selbst bei sich vor Ort ist.“

Das Ochtruper Büchereiteam selbst hat sich bei dem Programm zurückgehalten und lediglich eine digitale Fotoausstellung auf ihren Social-Media-Kanälen gemacht, für die sich die Ochtruper Lichtmaler kreativ mit dem diesjährigen Motto „Mitmischen!“ auseinandergesetzt und den symbolischen Kochlöffel an verschiedenen Orten abgelichtet haben. „Die Ochtruper tun sich mit digitalen Angeboten leider etwas schwer. Deshalb haben wir selber keine Live-Veranstaltungen gemacht“, berichtet Lewejohann, der auch dem sechsköpfigen Planungsteam der landesweiten Nacht der Bibliotheken angehört. Sein Resümee fällt am Samstagmorgen dennoch durchweg positiv aus. Da kann man dann auch getrost darüber hinwegsehen, dass es technisch hier und da nicht ganz reibungslos funktioniert hat.

Startseite