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Bildungsveranstaltung zum Thema Demenz

Vom abnehmenden Verstand und fehlendem Geist

Ochtrup

Wenn Alltagsfähigkeiten verloren gehen, das Kurzzeitgedächtnis nachlässt und das tägliche Leben dadurch merklich beeinträchtigt wird, sind das meistens sichere Zeichen dafür, dass ein Mensch an Demenz erkrankt ist. „Abnehmender Verstand und fehlender Geist“ übersetzte Martina Erwig-Kaul den Krankheitsbegriff bei einer Bildungsveranstaltung der KAB St. Paulus am Sonntag in der Gaststätte Bücker. Die Pflegeberaterin beim Caritasverband Steinfurt erläuterte typische Merkmale der Demenz und zeigte auf, wie Angehörige lernen können, mit dem erkrankten Menschen umzugehen, schreibt die KAB in einem Pressetext.

Um das Thema Demenz ging es am Sonntag bei einer Bildungsveranstaltung der KAB. Foto: dpa

Im frühen Stadium machten sich Gedächtnisstörungen und Verwirrtheit bemerkbar, was in Wortfindungsschwierigkeiten und Vergesslichkeit zum Ausdruck käme, berichtete Erwig-Kaul von Erfahrungen, die die meisten der Anwesenden schon selbst erlebt hatten. Logisches Denken falle schwer, Gespräche würden mehr auf der Gefühlsebene geführt und im Alltagshandeln träte der Krankheitsverlauf nur allzu deutlich zutage. „Da bleibt die Herdplatte an, der Fernseher wird zum Fenster, der vereinbarte Besuch beim Arzt vergessen oder beim Einkauf viel zu viel mitgenommen“, schilderte die Referentin die veränderten Verhaltensmuster am Beginn der Erkrankung.

Mit zunehmendem Alter steige die Gefahr, an Demenz zu erkranken. Fast die Hälfte aller über 90-Jährigen seien davon betroffen, von den 65- bis 70-Jährigen lediglich fünf Prozent. „Dann sind Nervenverbindungen im Netzwerk des Gehirns zerstört und die Wahrnehmung der Sinne wird fehlerhaft“, so Erwig-Kaul.

Schmecken und riechen gehe nicht mehr gut, was das Kochen beeinträchtige, beim Zeitungslesen beschränkten sich die Erkrankten auf das Anschauen der Bilder und die Wahrnehmung der Umwelt entspräche nicht mehr der Wirklichkeit.

Der KAB-Vorsitzende Arnold Hoppe überreicht der Referentin, Martina Erwig-Kaul als Präsent eine KAB-Kerze. Foto: Norbert Hoppe

Die örtliche und zeitliche Orientierung stimme nicht mehr mit der Realität überein, wobei die Betroffenen erwarteten, dass sich die Umwelt an die schwierige Situation anpasst. Und in einer fortgeschrittenen Phase würden selbst Ehepartner, nahe Angehörige und Freunde und Nachbarn nicht mehr erkannt.

„Trotzdem können Demenzkranke glücklich sein, ein bereicherndes Leben führen und echte Gefühle zeigen“, zitiert die KAB die Fachkraft des Caritasverbandes. In vertrauter Umgebung oder zum Beispiel in einer Tagespflegeeinrichtung fühlten sich die Betroffenen fast immer gut aufgehoben. In jungen Jahren Gelerntes sei häufig noch sehr präsent, Gedichte könnten noch vorgetragen und alte Lieder gesungen werden, beschrieb Erwig-Kaul die vorhandenen geistigen Fähigkeiten. So könne in einer Tageseinrichtung einer für die Betroffenen sinnvollen Beschäftigung nachgegangen und dem Wunsch nach Anerkennung Rechnung getragen werden.

Um das Zusammenleben mit einer dementen Person erträglich zu gestalten, könnten notwendige Erklärungen ohne Vorführeffekt helfen, auch Notlügen seien in bestimmten Situationen erlaubt, empfahl Erwig-Kaul. Auch sei es ratsam, Diskussionen und Streit mit dementen Angehörigen zu vermeiden, schreibt die KAB abschließend. 

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