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Femke Koerst musste ihren Freiwilligendienst in Tansania abbrechen

Vorfreude auf ein Wiedersehen

Ochtrup

Im vergangenen Jahr reiste die Ochtruperin Femke Koers für einen Freiwilligendienst nach Tansania. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die 19-Jährige nun vorzeitig die Rückreise antreten.

pbm/gun

Wegen der weltweiten Corona-Pandemie musste Femke Koers aus Ochtrup ihr Freiwilligenjahr in Tansania abrupt abbrechen. Foto: Gudrun Niewöhner

Als die E-Mail kam, waren Femke Koers und ihre drei Mitfreiwilligen geschockt: „Wir hatten bis dahin überhaupt nicht damit gerechnet, dass wir nach Hause fliegen müssen.“ Während in Deutschland die Zahl der an Covid-19-Erkrankten rasant anstieg, schien in Tansania das Leben noch einigermaßen normal. Doch aus Sorge holte das Bistum Münster die jungen Erwachsenen, die für ein Jahr einen Dienst im Ausland machen wollten, zurück. Abruptes Ende eines Auslandsjahres, das für die 19 Jahre alte Ochtruperin eigentlich bis Mitte August hätte dauern sollen.

Der Abschied fiel schwer

Nach der ersten Mail kam schnell die zweite: „Eine Woche später schon sollte unser Flug gehen.“ Femke Koers und die anderen in der Freiwilligen-WG nutzten die wenigen verbleibenden Tage, um letzte Dinge zu organisieren – und um sich zu verabschieden. Die Ochtruperin hatte bis dahin vormittags im „Matumaini Center“, einer Ausbildungsstätte für Frauen in schwierigen Lebenssituationen, unterrichtet – die Frauen in Englisch, deren Kinder in Sachkunde. Nachmittags war sie im Büro. Schweren Herzens musste Femke Koers ihre Sachen packen. Doch der Abschied soll nicht endgültig sein: „Ich werde auf jeden Fall wiederkommen“, plant die 19-Jährige für die Nach-Corona-Zeit eine Rückkehr nach Tansania. Bei der sie dann hoffentlich einige der Kinder noch einmal sieht: „Da die Schulen zeitgleich geschlossen haben, konnten wir uns von ihnen nicht verabschieden.“

Bei der Rückkehr nach Deutschland ist Geduld gefragt

Sebastian Aperdannier, Franziska Barthelt und Judith Wüllhorst aus dem Referat Freiwilligendienste im Ausland des Bistums Münster haben sich um die Rückreise der jungen Erwachsenen gekümmert. Was nicht so einfach war, da der internationale Flugverkehr zunehmend eingeschränkt wurde. „Dann ist ein gebuchter Flug auch noch ausgefallen“, berichtet Femke Koers. Mit einer Rückholaktion der Bundesregierung konnten sie nicht rechnen: „Weil es zu diesem Zeitpunkt noch Flüge kommerzieller Gesellschaften gab.“ Für die Bemühungen des Bistumsteams ist Femke Koers dankbar: „Ich habe mich sehr gut betreut und begleitet gefühlt, wir standen in ständigem Kontakt mit Münster.“

Geduldig wartete die Och­truperin mit anderen deutschen Freiwilligen in Dar Es Salaam auf ihre Abreise nach Frankfurt: „Die meiste Zeit waren wir in unserem Appartement, weil wir nicht so genau wussten, was passiert.“ Trotz aller Umstände haben sie aus der Situation das Beste gemacht, sagt Femke Koers. Dazu gehörten auch Telefonate mit der Familie zu Hause. Eltern und Geschwister berichteten ihr, mit welchen Einschränkungen sie rechnen müsse: „In Deutschland war das Leben längst heruntergefahren, während in Tansania die Märkte und auch die Kirchen noch geöffnet waren.“ Inzwischen, weiß sie, ist auch dort das Leben mehr oder weniger zum Erliegen gekommen. Neben der offiziellen Zahl der an Covid-19-Erkrankten rechnet man in dem ostafrikanischen Staat mit einer hohen Dunkelziffer an unerkannten und nicht registrierten Infizierten.

Gedanken wandern immer wieder nach Tansania

So kam es von einem auf den anderen Tag zur Schließung der Schulen. Eine schwierige Situation. „Denn so fehlen die Schulgelder und die Angestellten können nicht mehr bezahlt werden. Eine staatliche Absicherung gibt es nicht, weil das ,Matumaini Center‘ ein privates Projekt ist“, erklärt Femke Koers. Die Frauen nähen seitdem Masken für die Schüler, aber auch für andere Menschen im Ort. Eine Aktion, die Femke Koers zusammen mit dem Bistum von Deutschland aus unterstützen möchte und für die sie um Spenden bittet: „Das Bistum versucht für dieses und weitere Projekte, einen Hilfsfonds aufzubauen.“

In ihren Gedanken ist die Ochtruperin noch oft in Tansania. Die Erinnerungen an die vielen Begegnungen, an die Ausflüge, bei denen sie mit anderen Mitfreiwilligen das Land erkundet hat, lassen sie manchmal wehmütig werden. Aber nur für den Moment. Dann überwiegt die Vorfreude auf ein Wiedersehen. Nach Corona.

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