Was macht eigentlich Stefan Richter?

Weltenbummler wider Willen

Ochtrup

So richtig weggezogen aus Ochtrup ist Stefan Richter relativ spät und ungeplant, wie er sagt. Dafür zog es ihn in die weite Welt. In der Töpferstadt ist sein Familienname unter anderem mit der ehemaligen Gaststätte „Zur Erholung“ verknüpft. Heim kommt er immer wieder gerne, nicht nur um Tennis zu spielen.

Alex Piccin

In dem Gebäude der Gaststätte „Zur Erholung“ war zwischenzeitlich ein asiatisches Restaurant untergebracht. Inzwischen ist es abgerissen worden. Foto: Anne Eckrodt

„Die ‚Erholung‘ war in den 70ern und 80ern Dreh- und Angelpunkt für viele Ochtruper. Und ich war mittendrin“, erinnert sich Stefan Richter. Seine mittlerweile verstorbenen Eltern hatten 1968 das Clubhaus des Tennisvereins an der Laurenzstraße übernommen und als Gaststätte betrieben. Der heute 55-Jährige war praktisch von Kindesbeinen im Betrieb involviert.

Wenn er an diese Zeit zurückdenkt, hat Stefan Richter noch immer vor Augen, wie er den Tennisspielern nach dem Match auf der Terrasse ein Tablett Bier serviert hat. Nicht selten sei es vorgekommen, dass er das Plastikrund mit einem Schläger ausgetauscht und sich aus dem Laden geschmuggelt hat, um auf den Court zu eilen. Geprägt habe ihn die Art und Weise, wie offenherzig seine Eltern mit den Gästen umgegangen sind.

Wenn Stefan Richter auf Heimaturlaub in Ochtrup ist, darf eine Partie mit den ehemaligen Tenniskollegen nicht fehlen. Foto: Alex Piccin

Neben der „Erholung“ ist Richters „zweite Ochtruper Säule“, wie er sagt, das B+F-Center: „Ich sage beim Heimkommen dann immer: Ich fahre zu Onkel Hermann und Tante Maria.“

Die Gaststätte „Zur Erholung“ hat zum 30. Juni 2009 ihren Betrieb eingestellt. Anschließend zogen dort zunächst ein chinesisch-mongolisches Restaurant und später eine Shisha-Bar ein, ehe das Gebäude im September 2015 abgerissen wurde.

Dieses Verschwinden lässt Stefan Richter noch heute nicht ganz kalt: „Immer wenn ich in Ochtrup bin, macht mich das ein wenig traurig. Aber ich möchte nicht nostalgisch oder schwermütig sein. Das ist der Lauf der Dinge und auch in Ordnung so.“ Heute steht auf dem Gelände eine Filiale des Fast-Food-Riesen „Burger King“.

Stefan Richter

So richtig weggezogen aus Ochtrup haben Stefan Richter vor vielen Jahren zwei Anzeigen im münsterschen Studentenblättchen „NaDann“. Ein „Work-and-Travel“-Angebot führte ihn nach Vermont: „Dort habe ich den Sommer meines Lebens verbracht und als Leiter an insgesamt sechs, sieben Sportcamps für Jugendliche teilgenommen." Ein weiteres Inserat („Sommer, Sonne, Studieren“) führte den Ochtruper 1991 auf Hawaii. Die Entscheidungen seien nicht geplant gewesen, sondern aus dem Bauch heraus getroffen worden: „Ich wollte eigentlich nicht weg, aber es fühlte sich richtig an. Ich habe keine Station bereut.“

An der Honolulu Pacific University machte Richter nach zwei Jahren seinen Bachelor-Abschluss. Er liefert auch eine Anekdote dazu: „Auf der Realschule war ich immer schlecht in Englisch. Aber dank der Camps habe ich mich in die Sprache reingefressen.“ Seit seinem Abschluss habe der Betriebswirt nur für amerikanische Unternehmen gearbeitet.

Stefan Richter

Da Stefan Richters Ehefrau im Auswärtigen Dienst arbeitet, eröffnete sich für die Familie die Möglichkeit, einiges von der Welt zu sehen. Von London über Tunis ging es nach Neu-Delhi. „Meine guten Jobs zu kündigen, war zwar hart, doch es öffnete sich immer eine neue Tür“, sagt der Ochtruper rückblickend. Unter anderem war er bei der Ratingagentur „Moody‘s“ beschäftigt. An dem immer wiederkehrenden Neustart mag der 55-Jährige besonders die Tatsache eines anfänglich leeren Terminkalenders.

In zwei Jahren steht die Rückkehr nach Berlin-Kleinmachnow an. „Dort sind wir 2010 sesshaft geworden. Das gebaute Haus haben wir 2018 vermietet, als es nach Indien ging“, sagt der 55-Jährige.

Heimkommen

Flüge aus Indien seien in der aktuellen Corona-Lage möglich, doch dorthin gehe derzeit kein konventioneller Flieger, schildert Richter. Irgendwie halb so wild, denn ein Besuch Och­trups und des Münsterlandes sei für die Richters noch immer wie heimkommen, zumal Stefan Richters Ehefrau gebürtig aus Emsdetten stammt. Und doch ist die Rückkehr in die Töpferstadt immer wieder wie eine Entdeckungsreise, meint er: „Ich schaue immer, was noch da ist und was neu ist. Es hat sich viel verändert.“ Aber eben nicht alles: Die Tennispartie mit den ehemaligen Weggefährten steht dann immer noch auf der Agenda.

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