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Entwässerung von Grundstücken

Wenn der große Regen kommt

ochtrup

Der Klimawandel wird langsam greifbar. Starkregenereignisse nehmen zu. Immer häufiger kommt es zu Überschwemmungen. Gleichzeitig werden immer mehr Flächen versiegelt. Die Stadtwerke versuchen, dem durch die Schaffung von Überflutungsflächen entgegenzuwirken. Am Donnerstagabend berichteten sie darüber im Ausschuss für Planen und Bauen.

Anne Steven

Bei Starkregenereignissen – hier ein Bild aus dem Jahr 2010 – kann es zu Überschwemmungen kommen. Seit einigen Jahren haben die Stadtwerke Maßnahmen ergriffen, um für solche Fälle gerüstet zu sein. Dazu gehört auch die Renaturierung von Gewässern. Foto: Alexander Dinkhoff

Ein Thema, das sowohl die Verwaltung als auch die Stadtwerke in der jüngeren Vergangenheit immer häufiger beschäftigte, stand am Donnerstagabend auf Wunsch der Lokalpolitiker auf der Agenda des Ausschusses für Planen und Bauen: die Entwässerung von Grundstücken.

Laut Bauamtsleiterin Karin Korten sorgten Klimaveränderungen wie Extremwettersituationen mit Starkregenereignissen und eine zunehmende Flächenversiegelung (Nachverdichtung, Stellplätze) dafür, dass die Kanalisation immer mehr Wasser aufnehmen müsse.

Die Stadtwerke haben diese Problematik schon länger im Blick und deshalb in den vergangenen Jahren 50 000 Kubikmeter an zusätzlichem Regenrückhaltevolumen in der Töpferstadt geschaffen. „Und es ist noch mehr angedacht“, erklärte Betriebsleiter Robert Ohlemüller.

Retentionsmaßnahmen

Als Beispiele nannte Johannes Ratering, bei den Stadtwerken als Abteilungsleiter für den Bereich Abwasser zuständig, etwa die Vergrößerung des Regenrückhaltebeckens am Stadtpark oder den Bau von zwei zusätzlichen Anlagen. Zudem wurden diverse Renaturierungsmaßnahmen unter anderem an der Gellenbecke (Bereich Laurenzstraße, Hellstiege, Schulzentrum), durchgeführt und so die Durchlasse vergrößert beziehungsweise erweitert. Außerdem sind die Stadtwerke durchgehend mit der Erneuerung und in diesem Zuge auch Vergrößerung der Kanäle beschäftigt. Als Beispiel nannte Ratering in diesem Zusammenhang die Kanalarbeiten im Rahmen der Erschließung des Baugebiets Am Bahndamm – dort entstand zudem ein Regenrückhaltebecken – oder ganz aktuell die Maßnahme an der Augustin-Wibbelt-Straße.

„Diese Maßnahmen sind die Voraussetzung dafür, dass die Kanalisation das Wasser bei einem Starkregenereignis irgendwo lassen kann“, klärte Ratering die Ausschussmitglieder auf. Weitere Projekte dieser Art seien in Planung und Vorbereitung. Natürlich können nicht überall die Maßgabe gelten „alter Kanal raus, neuer Kanal rein“, betonte Ohlemüller. Grundsätzliche versuche die Kommune, möglichst viele innerstädtische Überflutungsflächen zu schaffen, sei es durch Gewässeraufweitung oder durch Regenrückhaltebecken. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, Straßenprofile so anzulegen, dass dort im Falle eines Falles, Wasser stehen bleiben könnte. „Das wird schon praktiziert“, sagte Ohlemüller. Auch Grünanlagen könnten niedrig angelegt werden und so kleinere Überflutungsflächen bilden.

Einleitungsbegrenzungen

Gegebenenfalls müssten die Stadtwerke aber auch über Einleitungsbegrenzungen nachdenken. Das hieße also zum Beispiel, dass Investoren eines größeren Bauvorhabens, unterirdische Puffersystem einrichten müssten. Auch die Stadt prüfe solche Maßnahmen, betonte Korten. Sie seien eben nur sehr viel teurer als die Schaffung von oberirdischen Überflutungsflächen.

Peter Dorsten (CDU) regte in diesem Zusammenhang an, diese Problematik möglichst schon in einem frühen Stadium der Planungen einzubringen – auch Investoren gegenüber. Und sein Fraktionschef Hajo Steffers wünschte sich Hinweise auf die Abwasserproblematik in den Stellungnahmen der Stadtwerke bei öffentlichen Auslegungen. Letzteres könne aktuell noch nicht realisiert werden, erklärte Ratering. Derzeit werde der Zentralabwasserplan für Ochtrup neu berechnet. „Davon erhoffen wir uns Hinweise, um das Thema ganzheitlich betrachten zu können“, so Ratering. Allerdings brauche dies noch etwas Zeit.

Martin Grave, FWO

Martin Grave (FWO) hatte da einen ganz eigenen Ansatz: Man sollte nicht über Kanalgrößen diskutieren, befand er. „Das beste Wasser ist das, was nicht in den Kanal muss.“ Ähnlich sah das auch Werner Kempers (SPD). Die von der Verwaltung angeführten Maßnahmen für die Zukunft wie etwa die Schaffung von zusätzlichen Grünanlagen oder Dachbegrünung sollten doch schon lange Alltag sein und nicht erst in Zukunft gelten.

Ausschussmitglieder, Verwaltung und die Vertreter der Stadtwerke waren sich im Anschluss an die Diskussion einig, dass das Thema sie auch in Zukunft noch weiter beschäftigen wird. Zeitnah wollen sie deshalb erneut darüber beraten.

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