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Katastrophenschutz: Landeskomponente „Netzersatzanlage“ in Langenhorst stationiert

Powerbank für den Katastrophenfall

Ochtrup

Neuzugang im Fuhrpark der Ochtruper Feuerwehr: Seit Kurzem ist im Gerätehaus des Löschzuges Langenhorst eine Landeskomponente „Netzersatzanlage“ stationiert.

Anne Steven

Am ehesten ist das neue Fahrzeug, das seit einiger Zeit im Feuerwehrgerätehaus Langenhorst untergebracht ist, wohl mit einer riesigen Powerbank zu vergleichen. Denn ähnlich eines mobilen Zusatzakkus für Smartphones funktioniert die Landeskomponente „Netzersatzanlage“, wie Zugfahrzeug und Anhänger offiziell heißen, im Einsatzfall. Sie ist ein Bestandteil des Katastrophenschutzes in Nordrhein-Westfalen.

Hätte den Verantwortlichen beim Kreis Steinfurt vor einem Jahr jemand erzählt, dass sie sich 2020 mit einer Pandemie würden befassen müssen, sie hätten es vermutlich nicht geglaubt. Damals ging man davon aus, dass ein flächendeckender Stromausfall wie zuletzt in Ochtrup 2005 beim legendären Schneechaos am ehesten dafür sorgen könnte, Behörden in Aufruhr zu versetzen. Für diesen Fall ist man abseits der aktuellen Corona-Pandemie nun gerüstet.

Das neue Gespann ist in der Lage, mobil Strom zu produzieren. „Es könnte beispielsweise das Kreishaus in Steinfurt 14,5 Stunden lang mit Strom versorgen“, berichtete Kreisdirektor Dr. Martin Sommer bei der offiziellen Übergabe der Landeskomponente am Dienstagmittag im Feuerwehrgerätehaus in Langenhorst. Etwa 800 Liter Kraftstoff fasst der Tank, pro Stunde werden etwa 55 Liter benötigt. „NRW ist, was den Katastrophenschutz angeht, sehr weit vorne“, betont Sommer.

Landeskomponente "Netzersatzfahrzeug" Anhänger Foto: Anne Steven

Fahrzeug und Anhänger werden im Gerätehaus des Löschzuges Langenhorst stationiert. Von dort kann es dann im Katastrophenfall, aber auch für lokale Einsätze oder nachbarschaftliche Hilfe ausrücken. „Es muss Menschen geben, die dieses Fahrzeug betreiben“, weiß der Kreisdirektor. Und an dieser Stelle kommt noch einmal der Löschzug Langenhorst beziehungsweise die Freiwillige Feuerwehr Ochtrup ins Spiel, denn sie fungiert nicht nur als Unterstellmöglichkeit.

In ihren Reihen gibt es 26 Feuerwehrleute, die die berufliche Eignung für das neue Gespann mitbringen. „Die Mannschaft muss dahinter stehen“, betont Och­trups Feuerwehrchef Andreas Leusing. Er reagierte deshalb auch zunächst verhalten auf die Anfrage von Kreisbrandmeister Raphael-Ralph Meier. Schnell habe sich aber herausgestellt, dass die Ehrenamtlichen der Ochtruper Wehr Interesse und auch die nötige Eignung für das Projekt haben.

Am vergangenen Donnerstag durften sie das neue Fahrzeuggespann erstmals in Augenschein nehmen, es folgt zudem noch eine Einweisung durch die Herstellerfirma. „Jetzt brauchen wir noch ein bisschen Zeit zum Üben“, sagt Leusing, der Fahrzeug und Besatzung erst für Einsätze freischaltet, wenn sich die Mannschaft sicher im Umgang mit den neuen Geräten fühlt. „Das muss sein“, betont der Feuerwehrchef. Schließlich hantieren seine Leute mit teurem Gerät.

Insgesamt hat das Gespann 500 000 Euro gekostet, die das Land übernimmt. Letzteres will im Katastrophenfall – also beispielsweise, wenn eine große Anzahl von Menschen in Gefahr ist – vorbereitet sein. Der Kreis hat dann, so Sommer, die Möglichkeit, Katastrophenalarm auszulösen. In Folge dessen vereinfachen sich Verwaltungsabläufe, um schnelle Hilfeleistungen in Gang zu setzen. Außerdem hat der Landrat die Möglichkeit, das gesamte Potenzial der Gefahrenabwehr in Anspruch zu nehmen – also auch Unterstützung durch die Bundeswehr oder das Technische Hilfswerk und eben jene Powerbank in Langenhorst.

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